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Kanada bei der Eishockey-WM Gold als Trost für die Verlierer

29.04.2009 ·  Etwas Gutes bringt den Kanadiern der Ausflug zur WM: Er bietet die Möglichkeit, einer verkorksten Saison noch einen positiven Dreh zu geben, mit dem Titelgewinn. Das wird in der Heimat erwartet - schließlich hat „Team Canada“ im vergangenen Jahr enttäuscht.

Von Marc Heinrich, Bern
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Immerhin etwas Gutes bringt der Ausflug nach Europa mit sich. Im Idealfall bietet er die Möglichkeit, einer eigentlich verkorksten Saison kurz vor Ultimo noch einen positiven Dreh zu geben: den Gewinn des Weltmeistertitels.

Um nichts anderes geht es für die 22 kanadischen Eishockeyprofis, die in den ersten beiden Spielen des Turniers überhaupt keine Probleme hatten, ihrer Favoritenrolle gerecht zu werden. 6:1 hieß es am Ende gegen Weißrussland, die Ungarn erwischte es beim 9:0 noch schlimmer. Hätten die Männer mit dem Ahornblatt auf dem Nationaltrikot ihr anfangs eingelegtes Tempo nicht jeweils nach der Hälfte der Partien freiwillig gedrosselt, hätten die Underdogs aus Osteuropa auch gut und gerne zweistellig verlieren können.

„Seelenmassage“ in den Bergen

Das „Team Canada“ hat beim Gipfeltreffen in der Schweiz wieder einen Kader zusammen, der der Konkurrenz das Fürchten lehrt. Doch eigentlich haftete den Spielern wie niemandem sonst vor der WM der Makel des Verlierers an – zumindest in ihrer Heimat. Wer in der nordamerikanischen Profiliga NHL zu Ruhm und Ehre gelangen möchte, muss in den Play-offs mit Großtaten von sich reden machen. Wer gar nicht erst die Endrunde um den Stanley Cup erreicht oder bereits früh scheitert, „hat eigentlich ziemlich bescheidene Urlaubsmonate vor sich“, wie es Christoph Schubert ausdrückt.

Der in München geborene deutsche National-Verteidiger von den Ottawa Senators weiß, wovon er spricht. Er gehört zu den insgesamt neun Profis des Vereins, die aktuell für eine Handvoll Nationen an den WM-Spielorten Bern und Kloten im Einsatz sind und „auch ein bisschen zur Seelenmassage“ in die Berge kamen. Drei seiner Kollegen aus Ottawa, Jason Spezza, Mike Fisher und Dany Heatley, gehören zum Team der kanadischen Ausnahmekönner. Das Sturm-Trio bringt es auf ein Jahressalär von umgerechnet 18 Millionen Euro – genau so viel Geld, wie in der Deutschen Eishockey Liga die vier Halbfinalteilnehmer Berlin, Düsseldorf, Hannover und Mannheim in der vergangenen Runde zusammen für ihr komplettes Personal ausgaben.

Verstärkung ist jederzeit in Sicht

Heatley redete nicht lange drum herum, warum er nach beinah 80 Klub-Einsätzen in sechs Monaten auch noch zur Extraschicht in der Schweiz bereit war: „Wir wollen Gold!“ Alles andere würde von den eishockeybegeisterten Fans „als Versagen“ gewertet. Entsprechend zielstrebig gehe man die Mission an, Extratouren für einige wenige Stars, die in der Vergangenheit bisweilen den Gemeinschaftsgedanken heftig strapazierten, gebe es nicht mehr, so Heatley.

Und weitere Verstärkung ist jederzeit in Sicht. Weil die WM-Regularien Nachnominierungen bis zu zwei Stunden vor jeder Partie erlauben, erleben fast alle Team-Verantwortlichen momentan schlaflose Nächte: Während vor Ort in der Schweiz die Lichter gelöscht werden, geht in Nordamerika der Play-off-Kampf weiter. Tag für Tag – oder eben Nacht für Nacht – können dabei Mannschaften ausscheiden und weitere Spieler für die WM rekrutiert werden. Gerade die Kanadier machten von dieser Gelegenheit in der Vergangenheit gerne bis auf den letzten Drücker Gebrauch.

Wiedergutmachung fürs vergangene Jahr

Für Heatley und seine Mitstreiter geht es in doppelter Hinsicht um Wiedergutmachung. Im vergangenen Frühjahr bei der WM im eigenen Land hatten sie den silber- und goldglänzenden WM-Pokal dicht vor Augen. In Québec City war beim Endspiel gegen Russland die rauschende Siegesfeier im dritten Drittel schon fast im Gange. Das Heim-Team führte eigentlich beruhigend 4:2, doch man gab die Führung noch ab und stand nach dem Treffer der „Sbornaja“ in der Verlängerung zum 5:4 mit leeren Händen da.

Heatley wurde zwar zum wertvollsten Spieler der WM gewählt und stellte mit 20 Scorerpunkten (zwölf Toren und acht Vorlagen) einen neuen Rekord auf, an dem wohl noch Generationen nach ihm gemessen werden, aber seine Enttäuschung konnte das nicht lindern. Kein Wunder, dass er sagt: „Wir sind gekommen, um das, was damals war, hier zu korrigieren.“

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Jahrgang 1974, Sportredakteur.

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