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Kamil Novak Schattenmann aus Leidenschaft

14.04.2009 ·  Immer wenn die Frankfurt Skyliners bei ihren Heimspielen auf Korbjagd gehen, steht ein schlanker Mann im dunklen Anzug hinter der Bank im Kabinengang. Mit 2,07 Metern ist Kamil Novak so etwas Schattenmann der Skyliners, der im früheren Zeiten unfreiwillig Bekanntschaft mit Geheimpolizisten machte.

Von Leonhard Kazda
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Immer wenn die Frankfurt Skyliners bei ihren Heimspielen in der Ballsporthalle auf Korbjagd gehen, steht ein großer schlanker Mann im dunklen Anzug hinter der Bank im Kabinengang und beobachtet das Geschehen. Unauffällig kann man ihn kaum nennen, denn diese Bezeichnung würde auf einen 2,07 Meter messenden Menschen kaum zutreffen. Dennoch: Kamil Novak ist so etwas wie der Schattenmann der Skyliners. Als Sportdirektor zieht er im Hintergrund die Fäden, hält den Spielbetrieb am Laufen, schaut voraus auf das künftige Gesicht der Skyliners und die Profis, die für sie spielen oder einmal spielen werden. „Kamil lebt den Basketball“, sagt Trainer Murat Didin, „ich glaube, er liebt diesen Sport mehr als sich selbst.“

Wenn Didin manchmal schon morgens um halb acht in die Halle kommt, sitzt Novak meistens schon an seinem Schreibtisch. Oft ist er auch noch abends da, wenn die anderen schon längst zu Hause sind. Für Novak ist der Mannschaftssport zwischen den Körben längst Teil seines Lebens geworden. Als Schüler hat er damit angefangen, in seiner tschechischen Heimatstadt Ostrava – dem Ausgangspunkt seiner Karriere. Von Ostrava aus ist er viel herumgekommen, er hat als Profi in Österreich und in Luxemburg gespielt. Mehr als 140 Länderspiele hat Novak absolviert. 1999 spielte er mit der Auswahl seines Heimatlandes bei der Europameisterschaft in Frankreich in der gleichen Gruppe wie die deutsche Mannschaft.

Nationalspieler bis 2001

Dass Tschechien nach Siegen über die hochfavorisierten Griechen und das Team aus Litauen gemeinsam mit dem deutschen Team, in dem damals schon Dirk Nowitzki spielte, eine Runde weiter kam, zählt Novak zu seinen großen Erfolgen in seiner Vita als Nationalspieler. „Gegen Deutschland haben wir dann mit sechs Punkten verloren“, erinnert er sich, „aber dass wir weitergekommen sind, war schon eine Überraschung.“ Titel blieben ihm als Spieler versagt: Viermal stand er mit Roter Stern Ostrava im Endspiel um die nationale Meisterschaft, viermal wurde er Zweiter.

Im Jahr 2001 beendete Novak seine Laufbahn als Nationalspieler, zog mit seiner Familie nach Österreich, wo er beim Spitzenklub St. Pölten spielte. Ein Jahr später landete der Power Forward mit Center-Qualitäten in Frankfurt. Gunnar Wöbke, der Manager der Skyliners, habe ihn schon früher an den Main holen wollen, erzählt Novak. Mit Wöbke hatte er beim damaligen Zweitligaklub Rhöndorf in einer Mannschaft gespielt und hatte dort 1995 den Aufstieg in die erste Liga geschafft. „Ein sehr ehrgeiziger Flügelspieler“ sei Wöbke damals gewesen, erinnert sich Novak an seinen heutigen Chef, „für damalige Verhältnisse hatte er eine sehr starke Physis“.

Die distanzierte Analyse ist die Aufgabe des einstigen Profispielers als Sportdirektor. In der Saison 2005/06 wurde er in diese Stellung befördert. „Eine schwierige Saison“, erinnert sich Novak. Die Mannschaft war im Umbruch, die Trainer wechselten. Der stille Ivan Sunara ging, der extrovertierte Charles Barton kam. Der Erfolg blieb aus, auch Barton ging – was Novak Kurzauftritte als Interimstrainer bescherte. Wohl hat er sich in dieser Rolle nie gefühlt. „Trainer wollte ich nie werden“, sagt Novak, der an der Universität in Ostrava Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Management studiert hat. Schließlich kehrte Murat Didin zurück nach Frankfurt. Mit ihm zusammen baute Novak die Mannschaft auf, die im vergangenen Jahr den Sprung ins Play-off-Finale nur knapp verpasste. In dieser Saison traut der Sportdirektor dem Team mindestens die gleiche Leistung zu: „Das Halbfinale könnten wir wieder schaffen.“

Es ist noch gar nicht so lange her, da ging Novak, der an diesem Mittwoch 42 Jahre alt wird, neben seinem Job bei den Skyliners selbst noch auf Korbjagd. Gespielt hat er noch 2004 für den MTV Kronberg, mit dem er den Aufstieg in die zweite Liga schaffte. Dann war allerdings endgültig Schluss mit der aktiven Karriere. „Ich war da immerhin schon 36“, sagt Novak, „es war klar, dass das auf Dauer so nicht weitergehen konnte.“

So zog der Power Forward einen resoluten Schlussstrich – und dies trotz lukrativer Angebote aus Belgien und der Ukraine. Vor allem der Familie zuliebe entschied sich Novak anders. Die beiden Kinder, 14 und 17 Jahre alt, sind – wie kaum anders zu erwarten – beide erfolgreiche Sportler. Sohn Jan spielt in der NBBL-Mannschaft der Frankfurter Eintracht, Tochter Natalie feiert Erfolge bei der Frankfurter Schwimmgemeinschaft.

Verhör bei der Geheimpolizei

Novak weiß, wie wichtig eine stabile Umgebung für Heranwachsende ist. Als Jugendlicher hat er den Wechsel der politischen Systeme in der damaligen Tschechoslowakei hautnah mitbekommen. Mit siebzehn Jahren spielte Novak in der „U 18“-Auswahl seines Landes und war deshalb häufig auf Reisen – auch im westlichen Ausland. Beim traditionsreichen Albert-Schweitzer-Turnier in Mannheim war er Scouts aus den Vereinigten Staaten von Amerika aufgefallen. Fortan bekam der junge Kamil Post aus Nordamerika: „große, auffällige Briefe, mit dem Wappen der Arizona State University beispielsweise“, erinnert er sich. Natürlich wollten die Colleges den talentierten Jugendspieler nach Amerika locken, stellten ihm ein Stipendium und die besten Zukunftschancen in Aussicht. „Aber das kam nicht in Frage“, sagt Novak, „nicht in dem damaligen System.“

Trotzdem bescherte ihm die Post ein vierstündiges Verhör bei der Geheimpolizei. „Ich bekam eine Vorladung, warum, war völlig unklar.“ Kamils Vater grollte, weil er vermutete, sein Sohn habe etwas ausgefressen. Was definitiv nicht der Fall war. Intensiv musste der Junge über seine Auslandskontakte berichten und wurde natürlich zu der Post aus Amerika befragt. „Die hatten Kopien von allen Briefen“, sagt Novak und schüttelt den Kopf. Er habe ganz schön geschwitzt während des überaus harten Verhörs. Einen Vorteil habe die Sache aber dann doch gehabt: „Gegen solche Dinge bin ich jetzt abgehärtet.“

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