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Justine Henin Alte Liebe rostet nicht

25.05.2010 ·  Justine Henin spielt erstmals wieder bei den French Open - und die Zuneigung der früheren Weltranglistenersten zu ihrem Lieblingsturnier ist so groß wie eh und je. „Für mich ist es der schönste Tennisplatz der Welt“ sagte sie.

Von Wolfgang Scheffler, Paris
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75 Minuten vor Beginn des Matches ist Justine Henin schon einmal rausgegangen auf den Court Philippe Chatrier, den rund 16.000 Zuschauer fassenden Centre Court im Pariser Stade Roland Garros. „Ich hatte keine Gelegenheit, auf dem Platz zu trainieren. Alles kam mir auf einmal so fremd vor. Ich musste mich erst wieder mit dem Platz vertraut machen.“ Aber als sie dann um kurz nach elf Uhr am Dienstag den Centre Court zu ihrem Erstrunden-Match betrat, war alles so wie früher, so als hätte es die zwei Jahre, in denen sie das wichtigste Sandplatzturnier der Welt nur als Zuschauer erlebte, nie gegeben: „Als ich im Vorjahr auf der Tribüne saß, hätte ich nie gedacht, hier noch einmal zu spielen. Es war eine nette Geste der Organisatoren, mein Match auf diesem Platz anzusetzen.“

Der große Rahmen für das Comeback der Seriensiegerin war bereitet – und Justin Henin spürte sofort, dass die Liebe zu ihrem liebsten Arbeitsplatz und ihrem Lieblingsturnier so stark und intensiv wie eh und je ist. „Für mich ist es der schönste Tennisplatz der Welt. Er wird immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Es ist der Platz, auf dem ich die schönsten Gefühle meines Tennislebens erleben durfte“, schwärmte die Belgierin nach ihrem 6:4, 6:3-Auftaktsieg gegen die Bulgarin Zwetana Pironkowa.

Henin: „Ich bin noch nicht so konstant wie früher“

Und noch etwas wurde an diesem herrlichen Frühsommertag im Bois de Boulogne deutlich: Auch die Pariser Fans haben die mit 1,67 Meter für Tennisverhältnisse kleine Grande Dame des Sports noch immer ins Herz geschlossen. Zu Beginn ihrer Partie waren die Ränge zwar nur spärlich besetzt, auch das Ende erlebten höchstens 8000 Sportfreunde live mit. Aber die erhoben sich alle von ihren Plätzen, um der Rückkehrerin ihre Sympathie zu bekunden. „Das hat mein Herz gewärmt“, sagte die Belgierin. Am 1. Juni wird sie 28 Jahre alt – und vermutlich feiert sie ihren Geburtstag ja wieder auf dem Platz, auf dem sie 2003 ihren ersten von sieben Grand-Slam-Titeln holte, auf jenen Court, auf dem sie von 2005 bis 2007 drei Mal nacheinander die Siegestrophäe hochhielt, den Coupe Suzanne Lenglen.

Von einem fünften Triumph bei den French Open will sie nicht sprechen, schließlich wird sie derzeit in der Weltrangliste nur auf Rang 23 geführt. Zwetana Pironkowa behauptete aber, die Wallonin sei stärker als in ihrer ersten Karriere. Auch wenn Justine Henin körperlich robuster wirkt, ihr Aufschlag härter, ihr Spiel aggressiver und die Netzattacken häufiger geworden sind, widerspricht Justine Henin: „Mir fällt es schwer, über ein ganzes Match meine Intensität und Konzentration zu halten. Ich bin noch nicht so konstant wie früher. Aber ich spiele ja auch erst seit fünf Monaten wieder. Und Paris ist erst mein zweites Grand-Slam-Turnier. Man braucht Zeit, um sich wieder an alles gewöhnen. Dieses Jahr ist für mich ein Übergangsjahr.“

Henins Erfolgsbilanz bei den French Open ist überaus eindrucksvoll

Allerdings eines, das vortrefflich begann. Bei den Australian Open erreichte sie auf Anhieb das Finale, in dem sie der Amerikanerin Serena Williams unterlag; eines, in dem sie in Stuttgart ihren ersten Turniersieg nach dem Comeback feierte; eines, in dem es allerdings auch Rückschläge zu verkraften galt. Ende April, beim Training für das Fed-Cup-Duell gegen Estland, brach sie sich beim Versuch, einen Ball am Netz zu fangen, den kleinen Finger der linken Hand. Der Finger ist noch immer geschient, und auch als Rechtshänderin braucht Justine Henin alle zehn Finger, um den Schläger vor allem vor den Schlägen mit ihrer grandiosen einhändigen Rückhand zu halten. Die Verletzung behinderte sie im Fed Cup gegen Estland, in dem sie ein Einzel gegen Kaia Kanepi verlor und wohl auch noch in Madrid, als sie der grandios aufspielenden späteren Siegerin Aravane Rezai in der ersten Runde unterlag. Seitdem hat sie pausiert, hat sich mit einem neuen Fitness-Trainer und einer neuer Physiotherapeutin auf den Sandplatz-Gipfel in Paris vorbereitet. „Das ist keine große Geschichte“, sagt Justine Henin, „ab und zu muss mal man etwas ändern.“ Denn der argentinische Trainer Carlos Rodriguez, der sie seit ihrem 14. Lebensjahr betreut, ist immer noch ihr erster Ratgeber, eine Konstante im Tennisleben der ehemaligen Weltranglistenersten und Olympiasiegerin von Athen 2004.

Am Dienstag ließ sich Justine Henin von der Verletzung nicht aufhalten – und es scheint nach den ersten Eindrücken wahrscheinlich, dass sie den von der Setzliste vorgezeichneten Weg bis in ein mögliches Viertelfinale gegen die Weltranglistenerste Serena Williams geht. Denn Justine Henins Erfolgsbilanz bei den French Open ist überaus eindrucksvoll: Zuletzt verlor sie hier 2005 im Achtelfinale gegen die Russin Swetlana Kusnezowa einen Satz. Sie hat jetzt bei den French Open jetzt 37 Sätze in 22 Matches nacheinander gewonnen – und wenn nicht alle Zeichen trügen, dann wird diese Erfolgsbilanz fortgeschrieben.

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Jahrgang 1948, Sportredakteur.

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