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Justin Gatlin „Ich bin meiner Chance beraubt worden“

02.01.2008 ·  Der amerikanische Sprinter Justin Gatlin will vor den internationalen Sportgerichtshof in Lausanne ziehen, um eine Reduzierung seiner ursprünglich acht Jahre langen Dopingsperre von vier auf zwei Jahre zu bewirken.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Der amerikanische Sprinter Justin Gatlin, der im April 2006 zum zweiten Mal in seiner Karriere des Dopings überführt worden war, wird nicht bei den Olympischen Spielen in Peking an den Start gehen können. Der Goldmedaillengewinner von Athen über 100 Meter hatte zwar vor einer Weile Berufung gegen eine achtjährige Sperre eingelegt, die ihm der zweite, bewiesene Verstoß eingebracht hatte. Seine Begründung: Ein ihm feindlich gesinnter Masseur habe ihm bei einer Behandlung Testosteron-Creme verabreicht, um ihn zu ruinieren.

Obwohl der Physiotherapeut die Vorwürfe bestritt, reduzierte das angerufene Schiedsgericht der American Arbitration Association die Strafe — allerdings nur auf vier Jahre. Weniger könne man gegen einen Wiederholungstäter nicht verhängen, hieß es laut einem Bericht in der „Washington Post“ in der Begründung. „Ich werde weiter kämpfen“, sagte Gatlin: „Ich bin um die Chance beraubt worden, meine Karriere zu einem Ende zu bringen.“ Gatlin will nun vor den internationalen Sportgerichtshof CAS in Lausanne ziehen.

Bei verdeckten Ermittlungen geholfen

Das Schiedsgericht würdigte mit seiner Entscheidung das Verhalten des 25-jährigen Sprinters, der, nachdem er erwischt worden war, den amerikanischen Strafverfolgungsbehörden bei ihren verdeckten Ermittlungen gegen seinen ehemaligen Trainer Trevor Graham geholfen hatte. Gatlin zeichnete unter anderem mehr als zehn Telefongespräche mit Graham auf, der überragende Sprinter wie Marion Jones und Tim Montgomery betreut hatte und derzeit einem Prozess wegen uneidlicher Falschaussage entgegensieht.

Die Anklage wirft ihm vor, bei seiner Zeugenaussage im Rahmen des Verfahrens gegen das Doping-Labor Balco und dessen Leiter Victor Conte gelogen zu haben. Marion Jones, die im Oktober gestanden hatte, jahrelang der Staatsanwaltschaft und der Öffentlichkeit die Unwahrheit über ihre Doping-Vergangenheit gesagt zu haben, wird am 11. Januar in White Plains außerhalb von New York vor Gericht erwartet, wo der Richter das Strafmaß verkünden wird. Beobachter rechnen mit einer Gefängnisstrafe von sechs Monaten.

Prozess gegen die Radfahrerin Tammy Thomas

Der Prozess gegen Graham verzögert sich weiter. Der Trainer, der anonym eine Probe des bis dahin nicht identifizierten Designer-Steroids THG an das Doping-Labor in Los Angeles geschickt und damit den Balco-Skandal ins Rollen gebracht hatte, wechselte kurz vor dem ursprünglich angesetzten Gerichtstermin Ende November seinen Rechtsbeistand und erhielt aus finanziellen Gründen einen Pflichtverteidiger. Der neue Termin für den Beginn der Beweisaufnahme ist der 19. März. Gerichtsort ist San Francisco.

Nur wenige Tage später wird am gleichen Ort mehr als ein Jahr nach der Anklageerhebung auch der Prozess gegen die Radfahrerin Tammy Thomas stattfinden. Der Name der 37-jährigen WM-Zweiten von 2001 auf der Straße war nicht erst bei den Ermittlungen gegen Balco und Conte aufgetaucht, sondern bereits vorher. Ihre Schwierigkeiten begannen jedoch erst, als sie im Prozess gegen den THG-Entwickler Patrick Arnold aussagen musste und bestritt, ihre Anabolika-Lieferungen von ihm erhalten zu haben. Arnold wurde später zu einer dreimonatigen Haftstrafe verurteilt.

Die Vorwürfe gegen Thomas sind gravierend. Ihr werden dreifacher Meineid und Behinderung der Justiz zur Last gelegt. Wegen einer zweiten positiven Probe war sie bereits 2002 lebenslänglich gesperrt worden. Der Beginn ihres Verfahrens wurde auf den 24. März angesetzt.

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