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Weltreiterspiele : Deutsche Springreiter zahlen Lehrgeld

Herausragend: Simone Blum führt die deutsche Springreiter-Equipe an. Bild: EPA

Die deutschen Springreiter starten durchwachsen in den Mannschaftswettbewerb bei den Weltreiterspielen in Tryon. Der Bundestrainer ist dennoch zufrieden. Das liegt auch am fast perfekten Ritt des besten Deutschen.

          Mit einer glänzenden Runde hat Marcus Ehning den ersten Auftritt der deutschen Springreiter-Equipe bei den Weltmeisterschaften in Tryon gerettet. Mit traumwandlerischer Sicherheit meisterte er auf seinem Wallach Pret A Tout, mit dem er im Juli den Großen Preis von Aachen gewonnen hat, den trickreichen Parcours des Zeitspringens in 77,08 Sekunden.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Nach dem Auftakt-Wettbewerb, der zum am Donnerstag und Freitag folgenden Nationenpreis gezählt wird, belegt der Westfale aus Borken in der Einzelwertung den vierten Rang – die Mannschaft allerdings liegt nur auf Platz acht. Erfahrung überragte in der deutschen Equipe die jugendliche Frische: Die drei WM-Neulinge lieferten erfreuliche (Simone Blum) und verbesserungswürdige Leistungen (Laura Klaphake und Maurice Tebbel). Der Rückstand zu den besseren Rängen ist aber noch nicht hoffnungslos, vom dritten Platz trennt sie nicht einmal ein ganzer Hindernisfehler.

          An der Spitze liegt die Mannschaft aus der Schweiz, mit dem Einzel-Führenden Steve Guerdat auf der Stute Bianca (76,33 Sekunden). Bundestrainer Otto Beckers Zwischenfazit nach einem Drittel der Mannschafts-Entscheidung blieb positiv: „Es ist noch nicht vorbei.“ Die jungen Leute nahm er in Schutz: „Ihnen fehlt noch die Erfahrung und die Lockerheit.“ Zwar klingen die Platzierungen niederschmetternd: Rang 21 für Blum, 73 für Klaphake und 79 für Tebbel, aber das Feld liegt insgesamt noch eng zusammen.

          Freudestrahlende Deutsche

          „Ich hatte von Anfang an ein gutes Gefühl“, sagte Ehning. Schon bei der Vorbereitung fühlte er, dass eine gute Runde möglich sein würde. Der 44 Jahre alte vielfache Mannschafts-Titelgewinner scheint sich für Tryon viel vorgenommen zu haben. „Aber ich will mal mit der Euphorie noch warten und den Ball flach halten“, sagte er. „Dies hier ist kein Selbstläufer, es kommen noch ein paar Runden.“ Nach dem Nationenpreis folgt am Samstag ein Ruhetag, am Sonntag wird über zwei weitere schwere Parcours  um die Einzelmedaillen geritten.

          Der deutsche Springreiter Marcus Ehning (Archivbild)

          Freudestrahlend hatte schon am Vormittag, etwa sieben Stunden vor Ehnings Runde, Simone Blum, die erste aus dem Trio der WM-Debütanten, den Parcours verlassen. „Alice ist einfach die Beste“, sagte die 29 Jahre alte Bayerin über ihre elfjährige Fuchsstute. Dieses Pferd mit seiner Grundschnelligkeit und seinem Zug zum Sprung ermöglichte ihr eine flotte, fehlerfreie Runde. Es ging aber nicht nur um Tempo, sondern auch um Köpfchen, denn jeder Abwurf wird im Zeitspringen mit vier Strafsekunden bestraft. Der Parcours bot zwei Sprung-Alternativen, die eine ermöglichte eine kleine Abkürzung, allerdings mit erhöhtem Risiko, die andere einen kleinen Umweg, aber eine sicherere Linie zum nächsten Hindernis. Natürlich hatte Simone Blum sich einen Plan dafür zurechtgelegt, aber unterwegs disponierte sie um.

          Sie kam mit einem solch großen Satz aus der zweifachen Kombination, dass ihr der längere Weg plötzlich passender vorkam als gedacht – rasch umgedacht und - hopp – hatte sich Alice fehlerfrei über den Steilsprung geschwungen. Insgesamt brauchte sie 81,28 Sekunden. Bundestrainer Otto Becker meinte: „Hut ab.“

          Krise an Hindernis zehn

          So glatt wie bei Blum ging es nicht weiter. Laura Klaphake aus Mühlen wäre auch eine schnelle Runde gelungen, wäre sie nicht mit ihrer Stute „Catch me if you can“ an Hindernis zehn in eine vorübergehende Krise geraten. Sie hatte sehr eng in Richtung Sprung abgewendet und teilte sich nach eigenen Angaben den Weg falsch ein. Das Pferd sei nicht in der Lage gewesen, vernünftig abzuspringen, weil der Abstand zum Hindernis zu groß gewesen sei. Also verweigerte die Stute. „Sie konnte nichts dafür“, sagte die 24 Jahre alte Studentin sogleich, „der Fehler geht auf meine Kappe.“ Bis dahin sei alles perfekt nach Plan gelaufen, sie waren schnell unterwegs. Und so war die Zeit von 88,83 Sekunden, die sich durch die unfreiwillige Ehrenrunde aufgesammelt hatte, noch ein verschmerzbares Ergebnis. „Sie hat das Beste daraus gemacht“, sagte Becker.

          Auch Maurice Tebbel, der als dritter deutscher Reiter ins Rennen ging, musste Lehrgeld zahlen. Er wusste, dass er mit seinem Hengst Don Diarado am Anfang Zeit verloren hatte, wollte sie unbedingt wieder aufholen, und schließlich, am drittletzten Hindernis, einem über Wasser gebauten Oxer, kam die Rechnung für den großen Druck: Ein Abwurf, vier Strafsekunden. „Ich dachte eigentlich, ich hätte eine gute Distanz gehabt“, sagte er zu seinem Absprung. „Einmal hat er sich hinten selbst getreten, aber ich weiß nicht mehr, an welchem Sprung das war.“

          Dem 24 Jahre alten WM-Rookie, Sohn des Championatsreiters René Tebbel aus Emsbüren, fehlte noch die Gelassenheit für eine solch große Aufgabe. „Ein Fehler ist kein Beinbruch“, sagte der Bundestrainer. Überhaupt haderte er nicht mit dem Ergebnis. „Ich mache den jungen Leuten keinen Vorwurf. Sie haben es gut gemacht.“

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