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Jugendspiel-Kommentar Olympischer Frieden

Schon 1998 hatte Johann Rosenzopf die Idee zu Olympischen Jugendspielen. Doch das IOC reagierte nicht. Später staunte er nicht schlecht, als IOC-Präsident Jacques Rogge sich als Initiator preisen ließ. Rosenzopf klagte - und bekam nun Recht und einen Brief.

© AFP Vergrößern Olympia kann ein sehr hartes Geschäft sein: Wer wüsste das besser als IOC-Präsident Jacques Rogge

Es ist ja immer wieder zu hören, dass es wesentlich besser sei, miteinander zu reden als übereinander. Das ist eine schöne These, und sie ergibt durchaus einen Sinn. Leider wird sie im Alltag nicht immer beherzigt, was zu allerlei Missverständnissen und Konfrontationen führt. So ist das halt im Leben und demzufolge auch im Sport. Und so war es auch zwischen den Herren Rogge und Rosenzopf.

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Sie hätten sich, wären sie nur rechtzeitig aufeinander zugegangen, manchen Ärger ersparen können. Aber immerhin ging die Sache doch noch glimpflich aus. Vor allem der Österreicher Rosenzopf, Vorname Johann, dürfte zufrieden sein. Weil diese Geschichte auch von Integration handelte, und Rosenzopf ist nun endlich integriert - in die olympische Familie. Ein bisschen zumindest. Allerdings musste dabei durch Juristen ein wenig nachgeholfen werden. Sei's drum: Der Klagenfurter Rosenzopf, der von seiner Heimatzeitung schon mal in den Rang eines Sportphilosophen erhoben wurde, machte sich - er hat das inzwischen Schwarz auf Weiß - um Olympia verdient.

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Genauer gesagt: um die Olympischen Jugendspiele, die vor einiger Zeit in Singapur ihre Premiere hatten. Rogge, der Präsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), schickte Rosenzopf sogar eine Urkunde, verbunden mit dem Dank „für Ihr wertvolles persönliches Engagement für die Olympische Bewegung“. Das macht Hoffnung, denn es zeigt: Jeder kann, wenn er nur will, irgendwie teilhaben an Olympia, sogar ein pensionierter Industriekaufmann aus Klagenfurt, der sich schlichtweg als sportverrückt bezeichnet.

Olympia kann ein sehr hartes Geschäft sein

Da hatte sich wirklich was zusammengebraut. Johann gegen Jacques, Rosenzopf vs. Rogge, eine gerichtliche Auseinandersetzung um die heikle Frage: Wer hat's erfunden, wer ist der Urheber der Jugendspiele? Rosenzopf will die Idee dafür 1998 gehabt haben, er ließ seine Errungenschaft sogar beim Wiener Patentamt schützen, unter der Nummer 177456. Allerdings war niemand an seinem Vorschlag interessiert, auch nicht das IOC, es ließ Rosenzopf einfach abblitzen - das olympische Programm sei schon prall gefüllt.

Deswegen staunte der Sportfreund vom Wörthersee nicht schlecht, als von den Olympiern plötzlich doch Jugendspiele eingeführt wurden - und der Belgier Rogge sich als großer Initiator preisen ließ. Sein österreichischer Widersacher klagte kurzerhand, und er bekam jetzt nicht nur Recht, sondern auch ein Schreiben des IOC-Chefs, in dem des Weiteren steht: Rosenzopf habe einen maßgeblichen und bedeutsamen Impuls und Beitrag zur weltweiten Vision, Olympische Jugendspiele ins Leben zu rufen, erbracht.

Man könnte Rogges Äußerung als haarsträubende Schmeichelei betrachten. Rosenzopf sieht seinen Einsatz trotzdem endlich gewürdigt. Die Verwicklungen mit Klagenfurt scheinen damit beendet zu sein für das IOC. Wurde auch höchste Zeit, da aus dem Alpenraum bereits neues Ungemach droht: störrische, zornige Bauern aus Bayern, ein Brandbrief. Olympia kann ein sehr hartes Geschäft sein. Und olympische Ruhe lässt sich nicht immer mit ein paar eigenartigen Federstrichen herstellen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 27.12.2010, 15:19 Uhr

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