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Judoka Karl-Richard Frey : Besessen vom großen X

Mit breiter Brust Richtung Rio: Karl-Richard Frey Bild: Reuters

Judoka Karl-Richard Frey hat ein klares Ziel: Er will Olympiasieger werden. Der 100 Kilo-Mann hat allerdings noch ein Problem auf dem Weg nach Rio. Und das wartet ausgerechnet in den eigenen Reihen.

          Sein Motto hat er in einen eingängigen Dreiklang gepackt: „Ein Wille, ein Weg, ein Ziel.“ Und das steckt er möglichst hoch: „Ich will Olympiasieger werden.“ Sagt Karl-Richard Frey, 24 Jahre alt, 1,88 Meter groß, ziemlich genau 100 Kilo schwer. Der junge Mann macht keine Kompromisse, vor allem nicht auf der Judo-Matte, dem bevorzugten Kampfrevier des Sportsoldaten aus Köln. Frey ist ein „harter Hund“, ein Schinder in eigener Sache. Sooft es geht, quält er sich im Kraftraum. „Wenn ich nicht trainiere, trainieren meine Gegner“, sagte er jüngst in einer Fernsehdokumentation über seine Motivation, immer noch einen draufzusetzen.

          Der Erfolg gibt ihm recht, seine Tendenz ist klar ansteigend, und das auf hohem Niveau: 2014 war er WM-Dritter in der Klasse bis 100 Kilo, 2015 WM-Zweiter. Aktuell liegt Frey auf Rang fünf der Weltrangliste, und die maßgebliche Wertung für die Olympia-Qualifikation führt er sogar an. „Der gibt nicht auf“, fällt Peter Frese als Erstes ein, wenn man ihn nach Freys hervorstechenden Eigenschaften fragt. Frese ist Präsident des Deutschen Judo-Bundes (DJB) und nach eigener Aussage „in die Athleten“ verliebt. Der 62 Jahre alte Rheinländer spricht grundsätzlich nur positiv von den Sportlern, deshalb kommt es auf die Details an. Über Frey sagt Frese: „Der kämpft wie der Teufel. Er hat noch mehr Feuer als die anderen.“

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          Feuer gefangen hat der gebürtige Bonner als Fünfjähriger beim Beueler Judo-Club. Gleich beim ersten Training bekam er zwar Nasenbluten, doch das steckte der Junge weg. Mit 16 zog er nach Köln, um täglich im Judo-Leistungszentrum trainieren zu können. Mittlerweile kämpft Frey für Bayer Leverkusen und dient seit drei Jahren bei der Sportfördergruppe der Bundeswehr. Einmal im Monat steht militärischer Dienst auf dem Plan, ansonsten steht Frey auf der Matte – fürs Vaterland. Über die finanzielle Absicherung ist er dankbar, gerne würde er mit einer Olympia-Medaille zurückzahlen.

          Doch bei allen unbestrittenen Qualitäten ist noch nicht mal sicher, ob der Rheinländer sich überhaupt für die Spiele qualifiziert. Denn jede Nation darf in jeder Gewichtsklasse nur einen Athleten stellen – und Deutschland kann in der 100-Kilo-Klasse gleich zwei Männer auf Weltklasseniveau aufbieten. Dimitri Peters, 31 Jahre alt, Olympia-Dritter von 2012, ist Freys gefährlichster Gegner. Der gebürtige Russe, ebenfalls Sportsoldat, kämpft für das Judo-Team Hannover. Er liegt in Weltrangliste und Olympia-Qualifikation jeweils auf Platz sechs – doch schon am Wochenende beim wichtigen Grand Prix in Düsseldorf kann sich die Hackordnung verschieben.

          Für Frese ist das Glück und Albtraum gleichermaßen. Denn einerseits ist der Präsident froh, zwei Spitzenkönner in einer Klasse zu wissen. Andererseits fällt die Entscheidung schwer. „Wir machen uns richtig Gedanken.“ Denn der DJB hat bei der Olympianominierung ausdrücklich festgeschrieben, dass neben der reinen Punktzahl auch „weichere Kriterien“ einfließen können. Dazu zählen außer Leistungsentwicklung auch das Verhalten der Athleten. Trainerrat und Präsidium unter Beteiligung der Aktivensprecher bestimmen, wer nach Rio darf.

          Für Frey spricht, dass ihn neben Willenskraft und Können auch eine erstaunliche Gewandtheit auszeichnet. Er gilt als einer der Beweglichsten unter den Kraftprotzen. Zudem ist er flexibel, ein Rechtskämpfer, der auch mit links angreifen kann. Der erfahrenere Peters ist dagegen „am Boden eine Weltmacht“, wie es Frese ausdrückt. Frey glaubt, dass das Alter für ihn spreche, dass ein Mann über 30 sich nicht mehr entwickeln könne. Er motiviert sich mit eher simplen, aber offenbar wirkungsvollen Methoden: In seinem Spind hängen Fotos der wichtigsten Konkurrenten, „meiner Freunde“, wie er es nennt. Diejenigen, die er schon besiegt hat, sind mit einem großen X durchgestrichen.

          Jüngst konnte er den Weltranglistenersten Elmar Gasimov streichen, denn den Aserbaidschaner legte er beim Grand Slam in Paris mit einem Ippon im Kampf um Bronze aufs Kreuz. Zuvor hatte er dort schon Peking-Olympiasieger Tuvshinbayar Naidan aus der Mongolei und den Weltmeister von 2013, Elkhan Mammadov aus Aserbaidschan, bezwungen. Nur den Kanadier Kyle Reyes bekam er nicht in den Griff, prompt war der Traum vom Turniersieg ausgeträumt. Es ist die Crux im Judo: Ein einziger verunglückter Kampf, sogar ein einziger Wurf oder Griff kann alles beenden. Auch deshalb trainiert Frey wie besessen, um sich keine Ausrutscher zu erlauben. Für ihn steht fest: „Am 21. Februar wird der Sonntag zum Freytag.“

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