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Judoka Bischof Höchstleistung auf allen Bühnen

18.02.2012 ·  Ein Leben zwischen Judo-Matte, Hörsaal und Börsenparkett: Ole Bischof will im Sommer sein Studium beenden und sich mit Erfolg von Olympia verabschieden.

Von Achim Dreis
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© David Pynch Goldjunge: In Peking war Ole Bischof der einzige deutsche Olympiasieger unter allen Kampfsportlern

„Ich will fertig werden“ sagt Ole Bischof. Mit seinen 32 Jahren sei er ja nicht mehr der Jüngste, und deshalb wolle er seine Karriere endlich abschließen - seine Uni-Laufbahn wohlgemerkt. Der typische Langzeitstudent ist Bischof nicht, schließlich hat er parallel zu seinem Studium der Volkswirtschaftslehre in Köln eine Weltklassekarriere auf der Judo-Matte hingelegt: Olympiasieger 2008, WM-Dritter 2009, Europameister 2005 sind nur die größten seiner vielen Erfolge. Und neben Medaillen sammelte er auch Scheine - die Urkunden für ein erfolgreiches wissenschaftliches Studium.

Nun hat er alle zusammen, muss nur noch seine Diplomarbeit schreiben. „Es soll eine empirische Arbeit werden“, sagt Bischof. Xetra, das elektronische Handelssystem der deutschen Börse, wird im Mittelpunkt seiner Untersuchungen stehen. Um sich dem theoretischen Thema „auch emotional“ zu nähern, hatte Bischof in dieser Woche eine Führung an der Frankfurter Börse gebucht.

Da stand er dann zwischen Schülergruppen und interessierten Rentnern auf dem Parkett und hörte sich an, „wie der Markt wirklich funktioniert“. Es sei interessant gewesen, „aber eigentlich wusste ich schon alles“, sagt Bischof. Noch in diesem Februar wird er seine Diplomarbeit anmelden. Deshalb muss ihm ein exzellentes Zeitmanagement gelingen: Abgabetermin wird Ende August sein - gerade mal vier Wochen nach den Olympischen Spielen.

Der 31. Juli ist aber doch der deutlich wichtigere Stichtag in Bischofs Terminkalender für 2012: der Tag, an dem beim olympischen Turnier in London die Entscheidung in der 81-Kilogramm-Klasse ansteht. „Zu 95 Prozent bin ich dabei“, sagt der Sieger von Peking. Nachdem er seine Schulterverletzung auskuriert und auch eine Schleimbeuteloperation am Ellenbogen überwunden hat, befindet er sich derzeit in glänzender Form. Vor zwei Wochen gelang ihm einer der prestigeträchtigsten Siege seiner Sportlerlaufbahn.

Vor 12.000 Zuschauern im Palais Omnisports gewann er den Grand Slam von Paris und wurde zudem als „bester Kämpfer“ des Turniers ausgezeichnet. Neben der „wunderschönen Medaille und der netten Prämie“ erhielt er auch 300 Punkte für die Olympiaqualifikation, womit sich Bischof auf den vierten Platz der Weltrangliste verbesserte. Den nationalen Quotenplatz für Deutschland hat er längst gesichert, doch die persönliche Teilnahmeberechtigung steht noch aus. Jedes Land darf pro Gewichtsklasse nur einen Kämpfer zu Olympia schicken. Und es liegt letztlich im Ermessen des Bundestrainers, die Nominierung anhand der erbrachten Leistungen vorzunehmen.

Nächste Herausforderung Düsseldorf

Im Mittelgewicht ist die Leistungsdichte traditionell eng, schon gemäß der Gaußschen Normalverteilung gibt es mehr Männer um die 80 Kilogramm als unter 60 oder mit mehr als 100. Auch in Deutschland ist die Konkurrenz in der 81-Kilogramm-Klasse größer als bei den Randgruppen. Sven Maresch gilt seit langem als Bischofs Kronprinz, in der Weltrangliste hat sich der 25 Jahre alte Berliner schon auf Platz neun vorgekämpft. Und ihm im Nacken sitzt schon der Wiesbadener Alexander Wieczerzak, Junioren-Weltmeister von 2010.

„Starke Kämpfer“, sagt Bischof: „absolut aussichtsreiche Kandidaten für Rio.“ Denn bei den Olympischen Spielen 2016 - das steht fest - werde er sicher nicht mehr kämpfen. Doch für 2012 will er sich nicht verdrängen lassen. „Ich habe schon fünfmal unter Beweis gestellt, dass ich unter Druck besonders gut funktioniere“, erzählt Bischof und verweist auf die Summe seiner internationalen Medaillen seit 2005.

Seine Fähigkeit, unter höchster Belastung maximale Leistung zu erzielen - Bischof war 2008 der einzige deutsche Olympiasieger in einer Kampfsportart überhaupt -, weiß der gebürtige Reutlinger auch auf anderen Bühnen gewinnbringend einzusetzen. So war er am Donnerstag Gast bei der Eröffnung des neuen Frankfurter Büroturms „Tower 185“ des Unternehmens PWC. Bischof zeigte eine zehnminütige Judo-Vorführung. Natürlich könne er den Managern nicht sagen, „wie sie ihren Job zu machen haben“, sagte der VWL-Student über seine Rolle, „aber ich kann vermitteln, wie Fairness, Respekt und Disziplin mit Kampfgeist, Durchsetzungsvermögen und Siegeswillen zusammenpassen“.

Die Gefahr, sich zwischen Börsenbesuch und Expertenvortrag zu verzetteln und die Vorbereitung auf den eigenen Sport zu vernachlässigen, sieht Bischof nicht. An diesem Wochenende will er beim Grand Prix in Düsseldorf die „letzten fünf Prozent“ Unsicherheit zur Olympianominierung ausräumen. 677 Kämpfer aus 97 Nationen sind in den 14 Gewichtsklassen (7 Frauen, 7 Männer) am Start. In seiner Klasse, die am Sonntag ausgekämpft wird, allein 60, darunter auch Maresch und Wieczerzak - „und alle wollen gegen mich gewinnen“. Doch Bischof ist bestens vorbereitet: Erstens kennt er seine Gegner, und zweitens hat ihm das Institut für Angewandte Trainingswissenschaft in Leipzig eine interaktive Datei zusammengestellt, in der Stärken und Schwächen aller Weltklasseathleten mit Text, Bild und Video abrufbar sind. Spickzettel gab es früher, der moderne Athlet hat wie der Student von Welt für alle möglichen Herausforderungen eine App.

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Jahrgang 1969, Sportredakteur.

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