http://www.faz.net/-gtl-9bhyf

Judo-Weltmeister Wieczerzak : Zurück im Wettkampfmodus

Sein größter Tag: Alexander Wieczerzak wird Judo-Weltmeister. Bild: EPA

Seit er Weltmeister wurde, ist Alexander Wieczerzak auch neben der Matte ein gefragter Mann. Nun startet der Judoka voller Ehrgeiz in den nächsten Karriereabschnitt.

          „Es wird nicht einfach sein“, rief der Mann mit der Startpistole den erwartungsfrohen und auch etwas aufgeregten Hobbysportlern vor dem Wettrennen zu: „Aber haltet durch, ihr packt das.“ Es waren klassische Worte der Motivation, die Alexander Wieczerzak als prominenter Startpate den Läufern beim Mittsommerlauf in Wallau mit auf den Weg gab. Doch sie kamen aus berufenem Munde.

          Der Judo-Weltmeister vom JC Wiesbaden weiß wie kein Zweiter, was es heißt, schwierige Phasen durchzustehen, voller Zweifel bis hin zur Verzweiflung, ehe sich dann doch alles fügt und das Ziel glanzvoll erreicht werden kann. „2017 war das perfekte Jahr“, rekapituliert der 27-Jährige vor seinem Einstieg in die Judo-Saison beim European Cup am Wochenende in Celje, „nachdem 2016 gar nichts geklappt hatte.“ 2017 gewann Wieczerzak bei den Judo-Weltmeisterschaften in Budapest den Titel im Halbmittelgewicht, der Kategorie bis 81 Kilogramm. „Unglaublich. Ich bin der erste deutsche Weltmeister seit 2003“, staunt er noch heute, fast ein Jahr danach, mit jugendlicher Begeisterung und leuchtenden Augen. Der berühmte Kindheitstraum von Gold, hier war er in Erfüllung gegangen.

          Doch eigentlich und wenn überhaupt, so sah es der Masterplan seines Karriere-Entwurfs vor, hätte das Jahr zuvor sein goldenes werden sollen. Auf Rio 2016 hatte er stets hingearbeitet. Die Ansteckung mit dem Dengue-Fieber und ein Rippenbruch verdarben dem BWL-Studenten und Sportsoldaten dann allerdings seinen olympischen Traum – zumindest den für Rio. Doch wie ein guter Romanheld, der erst ein paar Klippen des Scheiterns überwinden muss, ehe es läuft, rappelte sich Wieczerzak wieder auf. Dank seines sonnigen Naturells ist es ihm gegeben, hinter allen Tälern die Höhen zu erkennen, in den Schwierigkeiten vor allem Herausforderungen zu sehen. Und ein bisschen glückliche Fügung kam auch hinzu. Nach den für die deutschen Judo-Männer medaillenlosen Spielen 2016 wurde Detlef Ultsch als Bundestrainer durch Richard Trautmann ersetzt.

          Mit Ultsch hatte Wieczerzak so seine Probleme – oder auch umgekehrt: Der ehemalige Weltmeister aus Thüringen warf den kommenden aus Wiesbaden schon mal aus dem Kader, nur weil der sich nicht bei ihm abgemeldet hatte, um mit seiner Freundin in den Urlaub zu fahren – in der trainingsfreien Zeit wohlgemerkt. Richard Trautmann dagegen war schon immer der Trainer des Vertrauens für den jungen Hessen. Unter seiner Führung war er als Teenager Junioren-Weltmeister geworden. Wieczerzak, der im Bundesleistungszentrum in Köln trainiert, überlegte später in der Phase des Zweifels, nach München zu ziehen, weil Trautmann dort seinen Standort hatte. Doch dann wurde Trautmann zum Bundestrainer berufen, wechselte seinerseits nach Köln, und die Geschichte fügte sich bis zum WM-Titel.

          Danach begann für Alexander Wieczerzak eine Zeit der Ernte. „Ich werde ständig zu Veranstaltungen eingeladen“, freut sich der freundliche junge Mann über seine gestiegene Popularität. „Die Trainer müssen mich schon stoppen, denn ich kann nicht alles machen.“ Ehrungen, Empfänge, Patenschaften, wie an diesem Tag in Wallau, wo er nicht nur die Startschüsse für die Volksläufe über verschiedene Distanzen bis zehn Kilometer abgibt, sondern auch Ehrungen vornimmt, mit den Sportlern plaudert, Selfies machen lässt, Autogramme schreibt. Ein Weltmeister zum Anfassen, wobei die Kinder ihn manchmal unverblümt fragen, was er denn eigentlich gewonnen habe.

          Willkommene Nebenbeschäftigung: Starter beim Mittsommerlauf

          Judo ist eben nicht Fußball. Und Deutschland ist nicht Japan. Dort, in der Heimat des Kampfsports, wird ihm größerer Respekt entgegengebracht, wie er gerade erst bei einem dreiwöchigen Trainingslager selbst staunend festgestellt hat. „In Japan ist es krass“, sagt er: „Jeder macht Judo, alle kennen sich aus.“ Doch die harte Vorbereitungszeit im Fernen Osten war nicht nur wichtig für ihn, um seinen Stellenwert einzusortieren, sondern vor allem, um sich wieder in den Wettkampfmodus zu bringen. Eine langwierige Schambeinentzündung hatte ihm monatelang zugesetzt. Eine Verletzung, „die ja eigentlich nichts ist“, wie er meint, die ihn aber dennoch blockierte. Nun ist sie überwunden, rechtzeitig vor dem European Cup am Wochenende in Celje kann er voll angreifen.

          Auf das hochwertig besetzte Turnier in Slowenien freut sich der Modellathlet, hier hat er im vergangenen Jahr gewonnen – es war der Ausgangspunkt für sein Traumjahr. Dass ihm 2018 Ähnliches gelingen könne, kann und will er nicht vorhersagen. Dafür ist die Leistungsdichte im Judo zu eng. Und bei allem Ehrgeiz ist es ihm nicht mal so wichtig, ob er bei der WM 2018 in Baku seinen Titel verteidigen kann. Weltmeister ist er ja schon. Das bleibt. Sein Plan blickt zwei Jahre voraus: „Ich würde mir wünschen, richtig fit für 2020 zu sein und dann bei den Olympischen Spielen anzugreifen.“ Olympia in Japan. Für einen Judoka gibt es nichts Größeres. Und dass ein Deutscher Judo-Olympiasieger wurde, das gab es zuletzt 2008.

          Weitere Themen

          Auch Bottas verlängert bei Mercedes

          Formel 1 : Auch Bottas verlängert bei Mercedes

          Die Silberpfeile haben ihre Cockpits für die nächste Saison komplett: Nachdem Lewis Hamilton seinen Vertrag mit Mercedes verlängert hat, folgt nun auch Teamkollege Valtteri Bottas. Der Finne zeigt sich selbstbewusst.

          Amerikas Rechte stehen hinter Trump

          Nach Treffen mit Putin : Amerikas Rechte stehen hinter Trump

          Donald Trump muss für sein Treffen mit Wladimir Putin Kritik von allen Seiten einstecken. Der rechte Teil seiner Basis steht hinter ihm – auch, weil viele Unterstützer der „Alt-Right“ eigene Verbindungen nach Russland haben.

          Topmeldungen

          Weißhelme in Syrien : Die schwierige Rettung der Retter

          In einer spektakulären Aktion wurden mehrere hundert „Weißhelme“ aus Syrien gebracht. Die Zeit zur Rettung der Zivilschützer war knapp geworden. Acht von ihnen werden mit ihren Familien nach Deutschland kommen.

          Steve Bannon : Ein Schurke für Europa

          Der einstige Chefstratege von Donald Trump, Steve Bannon, will die Nationalisten des alten Kontinents vereinen. Sein Ziel scheint klar: Die Zerstörung der EU.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.