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British Open : Achterbahn für Spieth statt Spaziergang

  • -Aktualisiert am

Die berühmteste Rotweinkanne der Welt: Jordan Spieth mit der Trophäe bei den British Open. Bild: AP

Jordan Spieth macht einen Fehler, wie ihn sonst nur Golf-Amateure produzieren. Doch dann zeigt er, aus welchem Holz er geschnitzt ist – und holt den Sieg bei den British Open.

          Am Ende eines der ungewöhnlichsten Tage in der Geschichte der British Open hat der Mann die Siegestrophäe, den Claret Jug (Rotweinkanne), hochgehalten, der die 146. Auflage des ältesten Golfturniers der Welt im Royal Birkdale Golf Club in Southport nach der ersten Runde (65 Schläge), der zweiten (69) und der dritten (65) angeführt hatte. Doch statt eines allgemein erwarteten Spaziergangs zum Gewinn von 1,85 Millionen Dollar geriet es für Jordan Spieth zu einer wahren Achterbahnfahrt, bevor er als „Champion Golfer of the Year“ geehrt wurde.

          Mit einer Schlussrunde von 69 und insgesamt 268 Schlägen gewann der Texaner mit drei Schlägen Vorsprung vor seinem amerikanischen Landsmann Matt Kuchar. Der 39 Jahre alte Kuchar hatte nach dem 13. Loch kurzzeitig die Führung übernommen, musste sich dennoch nach seiner Schlussrunde von 69 und insgesamt 271 Schlägen mit dem zweiten Platz begnügen, seiner besten Plazierung bei einem der vier Traditionsturniere.

          Bei der Siegerehrung dankte Spieth seinem Caddie Michael Greller, der ihn in der schwierigsten Phase des Turniers unterstützt hatte, aber vor allem seinem Mitspieler Matt Kuchar: „Ich habe fast zwanzig Minuten benötigt, um einen Schlag zu spielen. Er hat das ohne Murren mit einem Lächeln hingenommen. Er hat eben Klasse und ist ein Bespiel für uns alle.“ Der zwanzig Jahre alte Chinese Li Haotong schob sich dank der besten Sonntagsrunde von 63 und insgesamt 274 Schlägen auf den dritten Platz vor.

          Spieth feierte nach seinen Triumphen beim Masters und der US Open vor zwei Jahren sein dritten Major-Sieg und hat damit im Alter von 23 Jahren drei Viertel des modernen Karriere-Grand-Slams, den Gewinn aller vier Traditionsturniere im Golf, vollendet, als bisher jüngster Spieler nach Jack Nicklaus. Der Weltranglistendritte aus Dallas kann mit einem Sieg bei der PGA Championship in Charlotte (North Carolina) vom 10. bis 13. August dem exklusivsten Kreis im Golf beitreten, dem bisher nur Gene Sarazen, Ben Hogan, Jack Nicklaus, Gary Player und Tiger Woods angehören.

          Dass ihm dieser Coup zuzutrauen ist, hat Spieth am Sonntag an der Nordwestküste von England eindrucksvoll bewiesen. Wie er Rückschläge verkraftete, wie nach einem der grausamsten Fehlschläge zurückkam und am Ende sogar souverän gewann – das demonstrierte eindrücklich aus welchem Holz Spieth geschnitzt ist. Mit drei Schlägen Vorsprung vor seinem Ryder-Cup-Kollegen Kuchar war der neue Champion am Sonntag auf die letzten 18 Löcher gegangen. Aber dieser Startvorteil hatte er schon nach vier Löchern verspielt, als ihn urplötzlich nicht nur die Abschläge misslangen und ihm, der als weltbester Putter gilt, auch noch sein Feingefühl auf den Grüns abhandenkam.

          Kurzzeitig eroberte Spieth zwar die Führung zurück, aber auch nach zwölf Löchern lagen die beiden gleichauf. Doch dann verzog Spieth am 13. Loch seinen Abschlag gut dreißig Meter nach rechts, ein Fehlschlag wie ihn sonst nur Amateure produzieren. Dass der Ball überhaupt in einer der hohen, von hohen Gras bewachsenen Dünen gefunden wurde, war nur den vielen Zuschauern geschuldet, die sich sofort auf die Suche machten.

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          Spieth erklärte den Ball für unspielbar. Es dauerte exakt zwanzig Minuten bis mit Hilfe mehrerer Platzrichter der Punkt gefunden war, von dem Spieth mit einem Strafschlag weiterspielen durfte. Er lag, das passte zur ungewöhnliche Szenerie, auf der Übungswiese. Aus dieser misslichen Lage rettete Spieth noch ein Bogey. Doch schon mit dem nächsten Hieb am 14. Loch bügelte er diesen Fehler aus. An diesem 180 Meter langen Par-3-Loch mit verfehlte er mit einem Eisen 6 er das Loch nur um wenige Zentimeter. Mit dem Birdie zog er wieder gleich und setzte sich mit langen Putts zum Eagle und zwei weiteren Birdies in Folge wieder deutlich von seinem Mitspieler ab.

          Martin Kaymer, der einzige Deutsche im Feld, schloss das Turnier mit 68 Schlägen ab, nach Runden von 72, 72 und 70 Schlägen sein bestes Ergebnis. Damit rückte der 32 Jahre alte Rheinländer mit insgesamt 282 Schlägen auf den geteilten 37. Platz vor, den er sich unter anderem mit dem spanischen Masters-Sieger Sergio Garcia teilte. „Ich habe heute okay gespielt, aber sehr, sehr gut geputtet, viele lange Putts reingemacht. Es waren einige gute Abschläge dabei. Insgesamt war alles ein bisschen besser“, bilanzierte Kaymer den letzten Tag seiner zehnten Teilnahme an seinem Lieblingsturnier. Am vierten Tag zwickte die gereizte Bizepssehne etwas stärker, aber der Schmerz war zu verkraften, weil er an den vier wetterwendischen Tagen an der englischen Nordwestküste vor allem eine positive Erkenntnis mitnehmen konnte, die, dass sich der sich der Wechsel zu einem neuen Putter ausgezahlt hat: „Endlich habe ich einen Putter gefunden, der zu mir passt.“

          Quelle: F.A.Z.

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