Skipper Jesper Bank hat nach der desaströsen ersten deutschen America's-Cup-Teilnahme seinen Rückzug aus dem „Team Germany“ erklärt. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung nennt er die Gründe.
Wie schrecklich waren die vergangenen Segel-Tage für Sie?
Überhaupt nicht schrecklich. Ich habe sie sehr genossen mit dem Team auf dem Wasser, weil für mich die Entscheidung gefallen war, zurückzutreten. Das hat für Erleichterung bei mir gesorgt.
Ist das ernüchternde Ergebnis von Valencia für den Skipper der deutschen Crew die größte Enttäuschung Ihrer Segel-Karriere?
Wir hatten von Beginn an vor zwei Jahren Schwierigkeiten, gute Ergebnisse zu erzielen. Wir konnten uns darauf einstellen. Was es nicht einfacher gemacht hat, waren die großen Erwartungen an uns.
Aber hatten Sie nicht ursprünglich selbst vom Halbfinale als Ziel gesprochen und sich erst spät korrigiert?
Natürlich haben wir viele Leute enttäuscht: Sponsoren, die Familien meiner Crew, Medien. Das hat bei mir den größten Eindruck hinterlassen. Es ist schön, dass Segeln diesen Stellenwert in der deutschen Öffentlichkeit bekommen hat und dieses Interesse am Abschneiden der Kampagne besteht. Aber ich hätte mir gewünscht, dass der Fokus woanders liegen würde.
Viele zweifeln jetzt an Ihrem seglerischen Können.
Ich muss nicht mehr jeden Tag beweisen, dass ich mit meiner Segelei auf dem richtigen Niveau liege.
Kommen Sie in der Kritik zu schlecht weg?
Viel Negatives wird an mir festgemacht. Natürlich leide ich darunter. Aber ich kann es ja anders sehen. Ich wusste von Anfang an, welches Risiko ich eingehe auf dieser Position. Die letzten Monate waren keine lustige Zeit, aber ich lebe noch und kann auch gut weiterleben. Ich weiß, was ich kann.
Welche Erkenntnisse ziehen Sie aus der Erfahrung mit dem Team Germany für die eigene Karriere?
Jeder in unserem Team hat wahnsinnig viel gelernt und gesehen, wo die entscheidenden Faktoren für Erfolg oder Misserfolg liegen. Trotz der großen Kritik fühlte ich mich bis zum Ende in der Lage, konstruktiv an die Sache zu gehen. Ich weiß, was ich kann, aber ich weiß auch, wo ich besser werden kann.
Haben Sie als Skipper, Sportdirektor und Steuermann zu viel Verantwortung übernehmen wollen?
Zum Teil stimmt das. Es war ja geplant, dass von Mai 2006 an ein Sportdirektor angestellt würde. Das verzögerte sich aus verschiedenen Gründen. Wahrscheinlich hätte ich bei meiner Arbeit aufpassen müssen, dass nicht zu viel Fokus verloren geht vom Segeln und der Zusammenarbeit mit meinen Leuten.
Wollten Sie nicht weiterkämpfen?
Dieses Kapitel ist zu Ende. Mir war es wichtig, dass die Mannschaft neu starten kann mit einem vernünftigen Image und ich nicht dafür stehe, krampfhaft am Steuerrad festzuhalten.
Erfolg - Misserfolg...
Max Borrmann (maxborrmann)
- 10.05.2007, 22:24 Uhr
Erfolg - Misserfolg...
Max Borrmann (maxborrmann)
- 10.05.2007, 22:28 Uhr