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Jaromir Jagr Der Rebell geht vom Eis

08.05.2009 ·  Noch immer malen sich junge tschechische Eishockeyfans seine Trikotnummer 68 auf die Wangen: Jaromir Jagr war 18, als der Eiserne Vorhang verschwand - und wurde zum Eishockey-Superstar. In der Schweiz könnte er jetzt seine letzte WM gespielt haben. Eine große Karriere geht zu Ende.

Von Hans-Joachim Leyenberg, Bern
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Er glitt als Letzter aufs Eis und verließ die Fläche als Letzter. Dieses Ritual zählt zu den Marotten eines Stars wie Jaromir Jagr. Keiner wird es wagen, ihm dieses Privileg streitig zu machen. Jedenfalls in der tschechischen Nationalmannschaft. Aber ob es dort nochmals zu einem Auftritt kommt? Wer weiß das schon? Nicht einmal Jagr selbst. Am Donnerstag abend sah der Mann mit der Rückennummer 68 auf dem Trikot beim Schlusspfiff um Jahre gealtert aus. Das 1:3 im Viertelfinalspiel der Eishockey-WM in Bern gegen Schweden bedeutete den Abschied der Tschechen von allen Hoffnungen, es zur Abwechslung mal wieder unter die besten drei der Titelkämpfe zu schaffen. Mit gesenktem Haupt stand Jagr bei der schwedischen Nationalhymne da. Vielleicht gingen seine Gedanken zurück in das Jahr 1990. Kurz nachdem der Eiserne Vorhangs verschwand, verzauberte die tschechische Sturmreihe mit Jaromir Jagr, Robert Reichel und Robert Holik bei der WM in Bern das Publikum.

Die Laune wurde zuletzt besser

Jagr war damals 18, also gerade volljährig geworden. Wer den Flügelstürmer am Puck sah, erlebte den Beginn einer einzigartigen Karriere. Inzwischen ist der Siebenunddreißigjährige im Herbst seiner Laufbahn. So unauffällig, wie Jagr am Donnerstag agierte, ist es der Spätherbst. Geblieben ist ihm die leichte O-Bein-Stellung, seine Haare trägt er länger als die um einiges jüngeren um ihn herum. Der Respekt der Gegner ist ihm sicher.

Es ist eher die Lebensleistung, die gewürdigt wird. „Es ist nicht mehr der Jagr von einst, aber das ist der Gang der Dinge“, sagte Bengt-Ake Gustafsson nach den 60 Minuten von Bern. „Wenn man ihm Raum lässt, ist er immer noch gefährlich.“ Der schwedische Trainer äußerte sich diplomatisch-höflich. Dem geforderten Tempo und der Härte jedenfalls war Jagr nicht gewachsen. In den Tagen zuvor hatten Schweizer Gazetten vermeldet, dass Jagrs Laune von Tag zu Tag besser werde. Also muss die Stimmung zuvor nicht die beste gewesen sein.

Ausgerechnet Russland

Vielleicht stellt sich Jagr im Nachgang die Frage, warum er sich die Strapazen antue, wenn die Tschechen selbst mit ihm wie in den Vorjahren leer ausgehen. Nach drei Wintern hat sich der Volksheld zum Comeback überreden lassen. Er muss ja nichts mehr beweisen. Immerhin hat er es in der russischen Liga im Trikot von Awangard Omsk auf 25 Tore in 55 Saisonspielen gebracht. Ausgerechnet Russland. So mancher in der Heimat regierte irritiert, als das Engagement publik wurde. Omsk statt New York, Jagrs vorerst letzte Station in der nordamerikanischen NHL. Vielleicht waren jene angeblich zwölf Millionen Dollar, die er pro Saison in Omsk verdienen soll, eine Entscheidungshilfe.

Der Rebell, der einst die Buchstaben AD als Hommage an Alexander Dubcek, die Leitfigur des Prager Frühlings, auf seinem Helm eingravierte, als Weltbürger. Geblieben ist die Ziffer 68 als Erinnerung an den Versuch der sanften Revolution gegen den Kommunismus sowjetischer Prägung in der Heimat. Auf den Rängen gibt es immer noch junge Tschechen, die sich die sechs und die acht auf die Wangen malen. Eine Reminiszenz an Zeiten, als die Nation mit jedem Sieg auf dem Eis über die UdSSR oder später Russland mehr verband als einen sportlichen Erfolg. In Bern lebte die Erinnerung daran mit Jaromir Jagr noch einmal auf. Aber sie verblasst.

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Jahrgang 1943, Sportredakteur.

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