09.02.2012 · Kein Schlussstrich unter der Akte Ullrich: Der ehemalige Radprofi ist in seiner eigenen, eigenartigen Welt gefangen. Jetzt steht er offiziell als Dopingsünder da.
Von Rainer SeeleEndlich ausgebremst, nach jahrelangen Ermittlungen und juristischen Auseinandersetzungen? Das lässt sich, trotz des Lausanner Urteils, wohl nicht über Jan Ullrich sagen. Der abgestürzte Radstar hat sein Leben inzwischen neu geordnet, die zweijährige Sperre dürfte zumindest seine berufliche Zukunft nicht beeinträchtigen. Vom Profiradsport hat Ullrich sich längst losgesagt, er zog sich in Nischen zurück, die durch den Bann aus Lausanne kaum berührt werden.
Obwohl Ullrich jetzt offiziell als Dopingsünder dasteht, muss er vermutlich nicht befürchten, dass frische Geschäftspartner sich wieder zurückziehen könnten. Schließlich lässt sich mit ihm, nicht zuletzt wegen der immer noch hohen Sympathiewerte in der sportinteressierten Bevölkerung, doch noch Werbung betreiben. Dass da jemand betrogen und manipuliert hat, spielt dabei offenbar keine wesentliche Rolle.
Ullrich, hierzulande einst als Radsport-Ikone gefeiert, ist immerhin nicht davongekommen, wie zuvor bereits der Spanier Alberto Contador. Von Lausanne gingen damit in dieser Woche zwei ermutigende Signale für den Anti-Doping-Kampf im Radsport aus. Es war ein zäher Kampf, in beiden Fällen, doch letztlich kam der Spruch in Sachen Ullrich nicht überraschend. Schließlich war eindeutig belegt worden, dass er Blut bei dem berüchtigten spanischen Arzt Eufemiano Fuentes gelagert hatte. Und sein früherer Vertrauter, der Belgier Rudy Pevenage, hatte ebenfalls keinen Zweifel daran gelassen, dass sein Partner auf unerlaubte Mittel zurückgriff. Seinen Erzählungen im Jahr 2010 war das deutlich zu entnehmen. Damals sagte Pevenage, dass man doch gar keine andere Wahl gehabt habe im Duell mit Lance Armstrong. Es war ein entlarvendes Bekenntnis.
Ob Ullrich jetzt endlich, im Nachspiel zur Lausanner Entscheidung, Aufklärung betreibt? Zwar ahnt man, wie er sich illegal beschleunigt haben muss als Radprofi. Jedes Detail über Dopingpraktiken, das zum Beispiel in den vielen Vorwürfen gegen den Texaner Armstrong genannt wurde, lässt sich wahrscheinlich auch auf Ullrich übertragen; es geht dabei nicht nur um Blutdoping. Doch auf dem Weg, mit sich ins Reine zu kommen, gab es Grenzen für den Rostocker. Er zog auch nach seinem Rücktritt niemals über seine Branche her, über Verwerfungen im Radsport, er schlug sich sogar jetzt noch auf die Seite von Contador, den er als wichtig für diesen Sport bezeichnete und dem er Kraft für ein Comeback wünschte. Und er bestritt bis heute jegliches Doping. Ullrich hat sich damit selbst gewissermaßen eingesperrt: Er ist immer noch - trotz seiner Neuorientierung - in seiner eigenen, eigenartigen Welt gefangen. Ein Schlussstrich unter die Akte Ullrich ist deswegen am Donnerstag nicht gezogen worden. Dafür muss Ullrich selbst sorgen.
Frank Schleck gibt zu, Geld an den Dopingarzt Fuentes (ein Frauenarzt
aus Spanien) gezahlt zu haben
Markus Vogel (dmwv)
- 10.02.2012, 15:12 Uhr
Gut, dass beim Fußball Doping weniger Wirkung hat...
Axel Lüssow (alsigma)
- 09.02.2012, 18:38 Uhr