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Jan Ullrich „Nie gedopt?“ - „Natürlich nicht“

25.07.2006 ·  Radprofi Jan Ullrich hat alle Dopingvorwürfe rigoros zurückgewiesen und will im nächsten Jahr bei der Tour de France noch einmal um den Sieg kämpfen. „Ich habe niemals in meiner ganzen Karriere einen anderen Rennfahrer betrogen. Das ist Fakt.“

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Radprofi Jan Ullrich hat alle Dopingvorwürfe rigoros zurückgewiesen und will im nächsten Jahr bei der Tour de France noch einmal um den Sieg kämpfen. Auf die Frage „Jan Ullrich, ganz ehrlich: Haben Sie wirklich nie gedopt?“ antwortete der ehemalige T-Mobile-Kapitän in einem Interview der Schweizer Zeitung „Blick“: „Natürlich nicht. Ich habe niemals in meiner ganzen Karriere einen anderen Rennfahrer betrogen. Das ist Fakt.“

Seine Kündigung durch den Bonner Radstall akzeptiert der Tour-Sieger von 1997 nicht, „weil es aus meiner Sicht keinen Grund für diesen Rauswurf gibt“. Ullrich zeigte sich enttäuscht von seinem Team, von dem er mehr Unterstützung erwartet hätte. „Ich habe immer gesagt: Ich höre mit einem Tour-Sieg auf. Dieses Jahr wurde er mir leider verwehrt. Deswegen bin ich bestrebt, noch ein Jahr dranzuhängen“, kündigte der 32jährige an.

„Es ist menschenunwürdig“

Ullrich war vor der Tour 2006 von T-Mobile suspendiert und am vorigen Freitag gekündigt worden, weil sein Name im Zusammenhang mit dem in Spanien aufgedeckten Dopingskandal aufgetaucht war. Ullrich ist trotz der eindeutigen von der spanischen Polizei zusammengetragenen Indizien für Blut-Doping und weitere Manipulationen weit entfernt vom Outing. Er sei in diesem Jahr mehrfach kontrolliert worden, alle Doping-Tests im Training und bei Wettkämpfen seien negativ gewesen.

Die Argumentation übersieht, daß negative Doping-Kontrollen über tatsächliche Manipulationen manchmal wenig verraten. Eigenblut-Doping und Wachstumshormone sind nicht nachzuweisen. Ein DNA-Test wäre die simpelste Methode zu beweisen, daß das ihm zugerechnetes Blut aus der Praxis des in Spanien verfolgten Arztes Eufemiano Fuentes nichts seines ist. Ullrich: „Ich muß doch nicht meine Unschuld beweisen. Es ist menschenunwürdig, wenn ich einen Gentest abgeben muß. Ich bin ein Radprofi und doch kein Mörder oder Verbrecher.“

Es geht um sehr viel Geld

Die ersten Tage nach dem Tour-Ausschluß seien für Ullrich hart gewesen. „Ich war natürlich erst einmal down, hatte einen riesigen Durchhänger und Motivationsprobleme. Auf Radfahren hatte ich vorerst keine Lust“, berichtet der Wahl-Schweizer, der nach eigenem Bekunden aber seinen Kampfgeist wiedergefunden hat: „Ich merkte, daß ich was machen mußte, denn mein großes Sportlerherz verlangte nach Bewegung. Ich trainiere seit einigen Tagen wieder und es macht richtig Spaß.“

Der Zeitpunkt des Interviews scheint nicht zufällig gewählt zu sein. An diesem Dienstag treffen sich in Düsseldorf die Anwälte von Ullrich und dessen Team-Managements. Dabei sollen Möglichkeiten sondiert werden, einen langwierigen Prozeß abzuwenden und es geht vor allem um sehr viel Geld. Ullrich stünden bis zu seinem Vertragsende am 31. Dezember 2006 theoretisch noch rund eine Million Euro Gehalt von T-Mobile zu. Außerdem hat er eine Vereinbarung in der Tasche, daß er nach Ende seiner Karriere im Unternehmen weiter beschäftigt wird - damals war die Rede von einer Laufzeit bis 2014.

Was wird aus Ludwig und Kummer?

Während die Anwälte des Team-Managers Ludwig am Dienstag in Sachen Ullrich-Kündigung verhandelten, ist die Zukunft des Thüringer Ex-Profis weiter ungewiß. Allerdings ist klar, daß „seine Kündigung und die seines Sport-Direktors Mario Kummer“, wie oft kolportiert, durch den Sponsor rechtlich gar nicht möglich ist. T-Mobile hat mit der Ludwig GmbH eine bindende Vereinbarung bis 2008 und mehrfach auch nach dem Fall Ullrich signalisiert, sich weiter im Radsport zu engagieren.

„Wir könnten weder Ludwig noch Kummer kündigen, weil sie keine Angestellten des Konzerns sind“, sagte am Dienstag Teamsprecher Christian Frommert. „Es wird geprüft, in wie weit Bob Stapleton, der als Manager das Damen-Team betreibt, und Ex-Profi Rolf Aldag enger an die Teamleitung gebunden werden können.“

Stapleton und der „Klinsmann-Effekt“

Schon während der Tour sprach der für die Außendarstellung des Teams zuständige Ex-Journalist Frommert gern vom erwünschten „Klinsmann-Effekt“, womit der Sponsor nach dem Ullrich-Schock Erfolg versprechenden Neuaufbruch signalisieren könnte. Stapleton wohnt zumindest auch in Kalifornien.

Zum angestrebten Neuanfang würde gut passen, alle alten Verbindungen zu kappen. Das könnte für T-Mobile - ebenso wie eine Einigung im Fall Ullrich - teuer werden. Auch der gekündigte Team-Manager Rudy Pevenage hat rechtliche Schritte angekündigt.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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