Die Ermittlungen in der Schweiz gegen Jan Ullrich laufen zwar erst einmal weiter - allerdings kann der unter schwerem Dopingverdacht stehende Radprofi doch damit rechnen, ungeschoren davonzukommen (Siehe auch: Machtlos gegen Ullrich - „eine Katastrophe für den Radsport“). Freispruch oder lebenslange Sperre als Wiederholungstäter: Eine dieser Empfehlungen wird Bernhard Welten, Mitglied der Fachkommission für Dopingbekämpfung beim Nationalen Olympischen Komitee der Schweiz, geben.
Er will Anfang nächsten Jahres das Dossier Ullrich an die zuständige Disziplinarkammer von Swiss Olympic weiterleiten. Zu einer Tendenz wollte sich Welten, im Gegensatz zu Lorenz Schläfli, Geschäftsführer des Schweizer Radsportverbandes, nicht äußern. Er gebe keine Auskunft darüber, in welche Richtung es gehe. Welten hofft darauf, weitere Informationen von den spanischen Behörden zu bekommen, die ein vermeintliches Dopingnetz mit dem Arzt Eufemiano Fuentes als mutmaßlicher Schlüsselfigur aufgedeckt hatten.
Schläfli hatte gegenüber der F.A.Z. gesagt, er sei sehr pessimistisch, weitere relevante Papiere aus Spanien zu erhalten. Er verwies dabei darauf, daß es nach dem Stand der Dinge keine Handhabe gegen Ullrich gebe, der von Fuentes unter anderem mit Blutkonserven versorgt worden sein soll. Somit werde der Rostocker wohl auch nicht verurteilt werden können.
Auch Ullrichs Manager Wolfgang Strohband glaubt, daß sein Mandant nicht bestraft werden wird. "Es kann kein Verfahren geben", behauptete er. Schließlich hätten die Schweizer keine Unterlagen, "die sie verwenden dürfen". Sie seien auch, sagte Strohband süffisant, inzwischen "ein bißchen ruhiger" geworden. Derzeit, so Strohband, liege auch keine Vorladung aus Spanien vor, wo die angeblich in die Affäre Fuentes verwickelten Radprofis mittlerweile als Zeugen vernommen werden.