29.03.2006 · Das wäre mal was gewesen: ein Frühjahr ohne körperliche Schwäche zu überstehen und sich voller Elan in den französischen Sommer zu stürzen. Statt dessen: eine bekannte Botschaft aus dem Hause Jan Ullrich, das alljährliche Bulletin der schlechten Nachrichten.
Von Rainer SeeleDas wäre mal was gewesen: ein Frühjahr ohne körperliche Schwäche zu überstehen, sich beschwingt auf das Rad zu setzen, mit dem Peloton der Sonne entgegenzufahren - und sich schließlich voller Elan in den französischen Sommer zu stürzen. Statt dessen: eine bekannte Botschaft dem Hause Ullrich, das alljährliche Bulletin der schlechten Nachrichten (Siehe auch: Ullrich sagt Start bei Sarthe-Rundfahrt ab). Mit anschließenden, vermutlich wochenlangen Diskussionen, wann Muskeln und Sehnen wieder wie gewünscht ihren Dienst verrichten können. Jan Ullrich, das ewige Sorgenkind des Radsports?
Mancher sieht nun schon, da ihn wieder ein Malheur aus dem Tritt gebracht hat, sein großes Lebensziel in Gefahr, seine Sehnsucht, in Paris endlich einen zweiten Triumph in Gelb zu feiern. Noch ist das Räderwerk ja nicht vollständig zum Stillstand gekommen, und noch ist auch nicht alles verloren. Doch die Sorge um Ullrich ist berechtigt. Just im Jahr eins nach Lance Armstrong, in dem er endlich, im Herbst seiner Karriere, wieder freie Bahn haben sollte bei der Tour de France, als vermeintlicher Kronprinz, unbelastet von der Präsenz eines Amerikaners, der jahrelang übermächtig war.
Die Zeit drängt
Ullrich ist mit mißlichen Situationen, die er nicht selten selbst verschuldet hatte, vertraut; das mag nun, da er wieder einmal in der Bredouille steckt, ein kleiner Vorteil sein. Und er hat in der Vergangenheit die Fähigkeit gezeigt, sich nach einer Zwangspause innerhalb kurzer Zeit in Form bringen zu können. Doch das dürfte ihm, Handicap eines Sportlers im reiferen Alter, so leicht nicht mehr fallen. Mithin drängt die Zeit für Ullrich: Die Tour de France beginnt in drei Monaten in Straßburg.
Zudem dürfte der Rostocker, wenn er seine neueste Verletzung demnächst überwunden haben wird, erst einmal von der Ungewißheit begleitet werden, ob tatsächlich alles wieder in Ordnung ist mit dem rechten Knie - oder ob es einen Rückfall geben könnte. Schließlich muß Ullrich nun, da er vorläufig offensichtlich nicht mehr als ein Hobbyrennfahrer zu leisten imstande ist, auch mitansehen, daß die Konkurrenz bereits schwungvoll in die Pedale tritt. Nicht zuletzt jene Männer, die als seine härtesten Rivalen bei der Tour betrachtet werden, stärkten mit Siegen schon ihr Selbstvertrauen. Die Italiener Ivan Basso der Damiano Cunego beispielsweise, der Kasache Alexander Winokurow oder der Amerikaner Floyd Landis.
Ihnen allen will Ullrich im Juli mit einem Team entgegentreten, das durch ein Revirement ganz auf seine Bedürfnisse ausgerichtet wurde, das dazu von Rudy Pevenage geleitet wird, seinem Mentor. Ullrich, dessen Vertrag mit T-Mobile nach dieser Saison ausläuft, hat seinen Willen bekommen. Jetzt aber spielt sein wichtigstes Kapital, das er zuletzt vielleicht in seinem Eifer überfordert hatte, wieder einmal nicht mit. Fast scheint es, als würde dies zum Schicksal Ullrichs werden.
Jan Ullrich
Hans Chr. Riedelbauch (riedelbauch)
- 30.03.2006, 02:36 Uhr
katastrophe
Maximilian Müller (digifuzi)
- 30.03.2006, 11:18 Uhr
wir haben uns ja schon dran gewöhnt ...
Jens-Christian Pohl (punxsatawnyphil)
- 30.03.2006, 11:36 Uhr