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Jack Culcay Zwischen den Welten

22.04.2010 ·  Jack Culcay betreibt mit seinem Vater und seinem Bruder in einem Hinterhof ein eigenes Boxstudio. Am Samstag bestreitet er seinen dritten Profikampf. Doch ein relevanter Fernsehvertrag fehlt, nachdem das ZDF zum 31. Juli endgültig sein Box-Engagement beendet.

Von Hartmut Scherzer, Pfungstadt
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Eigentlich hätte eine Kamera des ZDF in der Boxschule Culcay in Pfungstadt stehen müssen. Schließlich wird der Mainzer Sender am Samstag in Hamburg den dritten Profikampf von Jack, Culcay, des Amateur-Weltmeisters von 2009, übertragen. Doch nur Rhein-Main-TV - und nicht einmal der Hessische Rundfunk - war der Einladung des hoffnungsvollsten deutschen Profiboxers aus Hessen zum Medientermin gefolgt. Normalerweise bereitet sich der 24 Jahre alte gebürtige Ecuadorianer aus Darmstadt bei „Universum Boxpromotion“ in Wandsbek auf seine Kämpfe vor. Aber seit kurzem betreibt er zusammen mit seinem Vater Roberto und seinem vier Jahre älteren Bruder Michael in einem Hinterhof ein eigenes, über fünfhundert Quadratmeter großes Boxstudio - ideal zum Trainieren also.

Es ist ein kleines Familienunternehmen, das Culcay mit seinem stattlichen Handgeld für den Profivertrag weitgehend finanziert hat. Er selbst wird neben Vater und Bruder als Trainer geführt. 130 Kunden, von achtjährigen Kindern bis zu reifen Managern, tummeln sich mittlerweile an den acht Sandsäcken und im Ring. Zwei Wochen vor seinem Kampf gegen den 36 Jahre alten Brasilianer Isak Tavares ist Jack Culcay zu einem verlängerten Wochenende nach Hause gekommen - wie um nach dem Rechten zu sehen. In der Anfangsphase seiner Profikarriere kann er sich derlei Heimatbesuche so kurz vor einem Kampf noch erlauben. Die sogenannten Aufbaugegner haben nach seinen Angaben bei weitem nicht das Können der olympischen Boxer, mit denen es der Halbmittelgewichtler bei Europa- und Weltmeisterschaften sowie Olympia in Peking zu tun hatte.

„Ein führender Fernsehsender wäre schon sehr wichtig“

Der Bruder ist Sparringspartner und Heimtrainer zugleich. In Hamburg dagegen ist Michael Timm der Chef. Auch Michael Culcay war bis vor kurzem aktiver Boxer, nach Meinung des Vaters sogar das größere Talent. Doch er nahm sich vier Jahre lang eine Auszeit als Zeitsoldat, war sogar in Afghanistan im Einsatz, um das Geld in der Familie zu verdienen, damit Jack sorglos Boxkarriere machen konnte. 2009 gab er sein Comeback in der Bundesliga-Staffel von Hertha BSC Berlin und denkt daran, seinem Bruder ins Profilager zu folgen, „wenn hier der Laden richtig läuft“. Gemeint ist das Unternehmen Boxschule Culcay.

Die Brüder haben sogar einmal, bei den Hessenmeisterschaften 2005, offiziell gegeneinander geboxt - was sie wie die Klitschkos nie tun wollten. Aber ihr damaliger Trainer bei der TG 75 Darmstadt, der frühere Europameister Gerhard Piaskowy, hatte irrtümlich beide in derselben Gewichtsklasse gemeldet. Die Brüder machten den Meisterschafts- zum Schaukampf. Mike bestimmte von vornherein Jack zum Sieger. Piaskowy brach den Kampf in der zweiten Runde ab. Das Aschaffenburger Publikum applaudierte, als es über den ungewollten Bruderkampf aufgeklärt wurde.

Heute müsste sich Jack Culcay Sorgen um die Zukunft seines Promoters Klaus-Peter Kohl und damit um seine eigene machen. Nach acht Jahren endet am 31. Juli der lukrative Fernsehvertrag mit dem ZDF, dessen Chefredakteur Peter Frey am Donnerstag noch einmal den Ausstieg des ZDF aus dem Boxsport bekräftigte. Wie es weitergehen soll mit Universum ohne zahlungskräftigen Haussender, steht in den Sternen. „Ich mache mir darüber keine Gedanken“, sagt Jack Culcay noch gelassen. Für die Sorgen ist sein Manager Moritz Klatten zuständig, ein Hamburger Lulatsch von zwei Metern, auf dessen Visitenkarte anspruchsvoll „Champ Management“ steht. Damit das klar sei, eröffnete Klatten das Gespräch: „Keine Details über den Vertrag“, den er im vergangenen Herbst nach siebenwöchigen zähen Verhandlungen in Zusammenarbeit mit „den besten Anwälten“ abgeschlossen hat. Nur so viel: „Der Vertrag ist nicht sittenwidrig.“

Den Keth strich Kohl aus dem Namen

Der Hinweis ist wichtig in diesen unsicheren Universum-Zeiten, nachdem erst die Klitschkos und nun Felix Sturm Kohl von der Fahne gegangen sind. Die Klitschkos gewannen den Rechtsstreit, Sturm noch nicht. Aber der Armenier Khoren Gevor hat vor dem Hamburger Landgericht in erster Instanz die Trennung von Universum erstritten. Die Richter erklärten den Vertrag für sittenwidrig - ein Urteil, das Folgen haben könnte wie einst das Bosman-Urteil im Fußball. Wohlweislich wohnt Culcay in Hamburg auch nach einem halben Jahr immer noch im Hotel.

Jack Culcay - den zweiten Teil seines Doppelnamens, den Namen der deutschen Mutter, also Keth, strich Kohl - hat begriffen, dass ohne Spitzensender seine Profikarriere weitgehend in der Anonymität verlaufen wird, so wie beim Olympischen Boxen. „Ein führender Fernsehsender wäre schon sehr wichtig“, sagt er, der es sich zum Ziel gesetzt hat, in zwei Jahren auch Profiweltmeister zu werden. Das ist angesichts der Titelinflation heutzutage einfacher, als populärer Quoten-Star wie die Klitschkos bei RTL oder Arthur Abraham bei der ARD zu werden. Nach Hamburg folgt noch ein Duell in Rostock am 22. Mai, danach im Juli ein weiterer Kampf - und dann verschwindet Jack Culcay fürs Erste von der Fernseh-Bildfläche.

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