http://www.faz.net/-gtl-94a05

Weltmeister im Schwergewicht : Ist Box-Champion Charr wirklich Deutscher?

  • Aktualisiert am

„Ich bin ein deutscher Panzer“: Manuel Charr. Bild: dpa

Manuel Charr wird als erster deutscher Weltmeister im Schwergewicht seit Max Schmeling bejubelt. Aber hat er überhaupt einen entsprechenden Pass? Charr reagiert wortgewaltig. Doch es gibt Ungereimtheiten.

          Die sportliche Farce des WM-Kampfes zwischen Manuel Charr und Alexander Ustinow geht mit weiteren Ungereimtheiten in die nächste Runde. Um die Staatsangehörigkeit des neuen WBA-Boxweltmeisters Charr, geboren im Libanon, wohnhaft in Köln, herrscht weiter Verwirrung. „Vor zehn Jahren hat Charr unsere Boxlizenz mit einem Bleibe-Status-Dokument erhalten. Die Kopie eines deutschen Passes ist nicht in den Unterlagen“, sagte am Mittwoch der Präsident des Bundes Deutscher Berufsboxer, Thomas Pütz, auf dpa-Anfrage. Der Eintrag zu Charrs Nationalität bei Wikipedia lautet: „nicht geklärt“.

          Zuvor hatte der im Alter von vier Jahren nach Deutschland geflohene Charr, der sich als erster deutscher Schwergewichts-Weltmeister nach Max Schmeling feiern lassen will, die Existenz der fraglichen Papiere bestätigt. Der Deutschen Presse-Agentur hatte der neue Titelträger bestätigt: „Ich habe nur einen Pass, und das ist der deutsche.“

          Wortgewaltig hatte der Champion mit der schillernden Vergangenheit am Dienstagabend im TV-Sender Sky Sports News HD erklärt: „Ich bin deutsch zu 1000 Prozent. Ich kam im Trubel nicht dazu, meinen Pass abzuholen.“ Der Pass liege im Amt. Davor hatte der Kölner „Express“ den 33 Jahre alten Profiboxer mit den Worten zitiert: „Mein Einbürgerungsverfahren liegt wegen eines möglichen Strafverfahrens auf Eis. Das wird gerade von meinen Anwälten geklärt, und dann hoffe ich, meinen Pass endlich abholen zu dürfen.“ Was denn nun?

          Es gebe keine Verfahren, die die Ausgabe seines Passes verhindern könnten, sagte Charr weiter. Er werde jetzt Urlaub machen, „dann gehe ich zum Amt und hole meinen Pass. Deutschland hat einen neuen Weltmeister. Es gibt keinen Zweifel.“ Als Beweis hielt der Weltmeister seinen deutschen Führerschein, Bank- und ADAC-Karte in die Kamera. 2006 habe es das „Sommermärchen“ gegeben, jetzt habe er mit seinem Titelgewinn für das „Wintermärchen“ gesorgt. Der „Bild“-Zeitung hatte Charr zur strittigen Frage gesagt: „Ja, ich schwöre es! Ich bin seit eineinhalb Jahren Deutscher.“

          Charr (31 Siege/vier Niederlagen) hatte den vakanten WM-Gürtel des Verbandes WBA gegen den überforderten Russen Alexander Ustinow einstimmig gewonnen. Der Sieg in der König-Pilsener-Arena von Oberhausen wurde als erster deutscher WM-Titel im Schwergewicht nach 85 Jahren gefeiert. Letzter Titelträger war Max Schmeling von 1930 bis 1932. Der Vergleich mit einem der größten Heroen der deutschen Sport-Geschichte, verbietet sich. Zu groß sind Unterschiede nicht nur im sportlichen Bereich. Der einst vor dem Bürgerkrieg in seinem Geburtsland geflüchtete Sohn eines Syrers geriet in seiner neuen Heimat Deutschland mehrfach mit dem Gesetz in Konflikt.

          Er saß wegen einer Autoschieberei in Untersuchungshaft. Vor zwei Jahren war Charr durch einen Bauchschuss in einem Döner-Imbiss in Essen lebensgefährlich verletzt worden und stand und vor dem Karriereende. Eine Not-Operation rette ihn. Aber auch ein chirurgischer Eingriff an beiden Hüftgelenken vor sieben Monaten stoppte ihn nicht. Charr („Ich bin ein deutscher Panzer“) widmete seinen Titel der Bundeskanzlerin Angela Merkel, „weil Deutschland meine Heimat ist“. Eine Reaktion des Kanzleramtes lag bis Mittwoch nicht vor.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Friedrich Merz, Annegret Kramp-Karrenbauer und Jens Spahn (v.l.n.r.), hier auf einer Veranstaltung in Idar-Oberstein, wollen Angela Merkel an der Parteispitze beerben.

          Zweite CDU-Regionalkonferenz : „Eine unbezahlbare Marketingshow“

          „Wir brauchen euch drei gemeinsam“, meint Julia Klöckner bei der zweiten Regionalkonferenz im Kampf um den CDU-Vorsitz. Doch die Kandidaten versuchen, sich von den Konkurrenten abzusetzen – zum Beispiel beim Migrationspakt. Mit Erfolg?
          Unser Sprinter-Autor: Felix Hooß

          FAZ.NET-Sprinter : Grüne Städte und weiße Elefanten

          Mit einer Abstimmung über den Migrationspakt will Jens Spahn für Transparenz sorgen. Donald Trump scheint die Heimlichtuerei Riads im Fall Khashoggi hingegen nicht zu stören. Was sonst noch wichtig wird, steht im FAZ.NET-Sprinter

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.