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Ironman-Triathlon Titelverteidiger triumphieren auf Hawaii

11.10.2009 ·  Craig Alexander hat abermals den Ironman-Triathlon auf Hawaii gewonnen. Der australische Titelverteidiger triumphierte in Kona vor Chris Lieto aus den Vereinigten Staaten. Auf einen überraschenden dritten Platz kam der Deutsche Andreas Raelert.

Von Niklas Eder, Kailua-Kona
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Der Blick von Andreas Raelert ging ins Leere, als er über die Ziellinie taumelte und sich von einem Sanitäter stützen lassen musste. Neben ihm lag der Australier Craig Alexander, der Minuten zuvor in 8:20:21 Stunden den Ironman auf Hawaii zum zweiten Mal in Folge gewonnen hatte. Der zweitplazierte Chris Lieto aus den Vereinigten Staaten (8:22:56) hatte es immerhin noch in die Arme seiner Frau geschafft. Kurz nach Raelert war Chris McCormack ins Ziel gestürmt. Der Australier, 2007 Champion auf Hawaii, ballte die Faust mit erschreckender Energie, doch zu spät: Raelert hatte sich bei der Ironman-WM nach 8:24:32 Stunden als Dritter aufs Podium gerettet.

Ein Freudentag für ihn, doch zunächst überwog die Qual. Raelert machte sich, von Helfern begleitet, auf den Weg zum Sanitätszelt. Vor ihm überquerte ein gezeichneter Altersklassenathlet den grünen Teppich, stieg vom Rad und hielt erschöpft inne, er hatte den Marathon noch vor sich. Mühsam schob der Mann sein Rad in die Wechselzone, und ebenso mühsam humpelte Raelert ins Sanitätszelt. Als er es später halbwegs erholt wieder verließ, warteten die ersten Fernsehteams auf ihn und nicht auf Timo Bracht. Der Ironman-Europameister aus Eberbach war Sechster geworden, sein bestes Ergebnis bisher auf Hawaii, aber doch nicht ganz, was er sich erhofft hatte.

Raelert hatte vor diesem Samstag nur zwei Wettkämpfe über die Triathlon-Langdistanz (3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen) bestritten. Er kommt von der Kurzstrecke, war 2000 in Sydney und 2004 in Athen bei Olympia dabei, mit einem sechsten Platz hatte er dort seine Klasse bewiesen.

Erst als er 2008 die Qualifikation für die Olympischen Spiele in Peking verpasste, suchte er eine neue Herausforderung. Ein Freund überredete ihn, beim Ironman in Arizona anzutreten, wo Raelert auf Anhieb gewann. Der Zweiunddreißigjährige galt vor dem Saisonfinale auf Big Island als Geheimtipp, als Athlet mit riesigem Potential, jedoch wenig Erfahrung.

Beeindruckendes Auftreten

Gerade auf Hawaii aber brauchen Triathleten meist mehrere Anläufe, ehe sie Hitze und Wind richtig einschätzen können - umso beeindruckender Raelerts Premiere, bei der er nicht nur sportlich Eindruck hinterließ, sondern auch durch sein Auftreten. Ein Beispiel: Als nach dem Schwimmen in der Wechselzone Verwirrung um die Materialbeutel entstanden war, war Raelert zurück gelaufen, um Alexander dessen Beutel zu bringen, eine Aktion, für die sich der Australier nach seinem Sieg unter großem Beifall bedankte.

Der Rostocker ist ein starker Schwimmer und glänzender Läufer. Nach einer starken Vorstellung im Wasser hielt er Anschluss an die erste Verfolgergruppe auf dem Rad, die zu der vierköpfigen Spitze um den Münchner Faris Al-Sultan ohne allzu großen Kraftaufwand in Reichweite bliebt. Raelerts Konzept ging auf: Das Radfahren mit möglichst geringem Kraftaufwand überstehen und dann schauen, was auf der Laufstrecke noch möglich ist. Bracht hatte Ähnliches geplant, doch er hatte beim Schwimmen Pech. Bei der Wendeboje traf ihn ein Schlag: er verlor den Anschluss und kam mit vier Minuten Rückstand aus dem Wasser, zu viel, um noch ganz nach vorn kommen zu können.

Aberwitziges Tempo

Auf der Radstrecke setzte sich Lieto auf halber Strecke ab. Der Amerikaner fuhr bis zum Wechsel mehr als fünf Minuten Vorsprung auf Mark Twelsiek aus Lemgo heraus, der überraschend als Zweiter auf die Laufstrecke ging, drei Minuten vor Al-Sultan, der sich nach problematischen Jahren als Gesamtzehnter in der Weltspitze zurückmeldete. Normann Stadler aus Mannheim stieg nach wenigen Laufkilometern mit Krämpfen aus. Twelsiek kam am Ende auf Rang zwölf.

Raelert war als Siebzehnter in die letzte Wechselzone gekommen und hatte sofort eine grandiose Verfolgungsjagd gestartet. „Alexander ist auf der Laufstrecke das Maß aller Dinge“, sagte er. „Als ich ihn eingeholt hatte, wusste ich: Wenn ich mich an ihn halte, lande ich ganz weit vorn.“ Gesagt, getan. Zeitweise musste der australische Titelverteidiger Raelert sogar ein paar Meter ziehen lassen, schließlich drosselte der Rostocker jedoch das aberwitzige Tempo, das ihm selber ungeheuer wurde.

„Das Rennen hätte keinen Meter länger sein dürfen“

Bis Kilometer 28 machten er und Alexander gemeinsame Sache und verkürzten den Rückstand auf Lieto stetig. Im gefürchteten Energy Lab, dem Wendepunkt der Laufstrecke, nahm auch der Rennverlauf eine Wendung: „Von einem Moment auf den anderen bin ich explodiert“, sagte Raelert. „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Der Rostocker musste Alexander ziehen lassen, und wurde vom Jäger zum Gejagten. McCormack rückte immer näher, doch Raelert rettete sich auf Platz drei. „An den Zieleinlauf“, sagte er, „erinnere ich mich nur noch schemenhaft. Ich war am Ende, das Rennen hätte keinen Meter länger sein dürfen.“

Bei den Frauen konnte Sandra Wallenhorst aus Hannover ihren dritten Platz vom vergangenen Jahr nicht bestätigen. Sie wurde Neunte. Wie erwartet war Chrissie Wellington eine Klasse für sich. Die Britin gewann zum dritten Mal in Folge und stellte mit 8:54:02 Stunden einen neuen Streckenrekord auf. Auf der Laufstrecke erkundigte sie nicht mehr nach ihrem Vorsprung vor den nächsten Frauen, sondern nach ihrem Rückstand auf die vor ihr liegenden Männer - nur 22 erreichten vor ihr das Ziel.

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