12.10.2007 · Normann Stadler und Faris Al-Sultan haben zuletzt das Gesicht des Ironman auf Hawaii geprägt. Am Samstag streben beide den vierten deutschen Erfolg in Serie an. Im Interview sprechen beide über ihre Vorbereitungen, die Faszination Hawaii und das Thema Doping.
Normann Stadler und Faris Al-Sultan haben in den vergangenen Jahren das Gesicht des Ironman auf Hawaii geprägt. Stadler (Mannheim) gewann das prestigeträchtige Rennen 2004 und 2006, Al-Sultan (München) war 2005 erfolgreich. Am Samstag streben beide den vierten deutschen Erfolg auf der Pazifikinsel in Serie an. Im Gespräch äußern sich die beiden Topathleten unter anderem zu ihren Vorbereitungen, Erwartungen und Erfahrungen.
Am Samstag steht das wichtigste Rennen des Jahres auf dem Programm. Wie verlief die Vorbereitung?
Stadler: Die Vorbereitung war sehr gut und ich fühle mich fit für die Titelverteidigung beim Ironman Hawaii. Ich war von Ende August bis zum 2. Oktober im Trainingslager in San Diego. Erstmalig waren meine beiden Teamkollegen Jan Raphael und Markus Fachbach mit von der Partie. Wir haben sehr hart gearbeitet und in der Woche rund 35 Stunden trainiert.
Al-Sultan: Die Vorbereitung lief sehr gut. Ich war drei Wochen im Höhentraining in St. Moritz und drei Wochen hier in San Diego.
Bei Ihrem einzigen Ironman des Jahres in Frankfurt lief es für Sie nicht wie gewünscht. Haben Sie nach dem Rennen etwas geändert?
Stadler: Meine Rückenverletzung, die mich in Frankfurt zur Aufgabe gezwungen hat, ist inzwischen vollkommen ausgeheilt. Meine Pläne haben sich dadurch nicht geändert.
Al-Sultan: Ich habe mich wieder etwas „konservativer“ vorbereitet. Außerdem war ich das erste Mal vor Hawaii im Höhentrainingslager.
Mit Ihnen beiden und Timo Bracht kommen gleich drei Siegkandidaten aus Deutschland. Woran liegt es, dass Ironman in Deutschland so populär ist?
Stadler: Ich denke, das ist auf die guten Leistungen deutscher Triathleten in den vergangenen Jahren zurückzuführen.
Al-Sultan: Das ist schwer zu sagen. Ich denke, wir haben große Vorbilder im deutschen Triathlon wie Wolfgang Dittrich, Jürgen Zäck oder Thomas Hellriegel, die die jetzige Situation wesentlich beeinflusst haben. Zudem scheint uns die Mischung der Ausdauersportarten zu liegen.
Herr Stadler, mit der Gründung eines eigenen Teams sind Sie einen neuen Weg gegangen. Wie sind die ersten Erfahrungen?
Stadler: Bei den ersten Mitgliedern des „Dresdner Kleinwort Teams“ handelt es sich um Markus Fachbach und Jan Raphael, die zukünftig mit mir gemeinsam trainieren werden und von meiner langjährigen Erfahrung profitieren sollen. Im Gegenzug sollen sie mir neuen Ansporn im Training geben. Es macht großen Spaß, mit den Jungs zu arbeiten.
Herr Al-Sultan, käme so etwas für Sie auch in Frage?
Al-Sultan: Wir haben ja bereits das Team „Erdinger Alkoholfrei“, auch wenn es dort eine eher lockere Teamstruktur gibt. Wir wollen diese allerdings durchaus intensivieren.
Herr Stadler, würden Sie bei einem dritten Erfolg in diesem Jahr an Rücktritt denken?
Stadler: Nein, auf keinen Fall. Ich bin noch lange nicht satt und hungrig auf weitere Siege.
Wer zählt neben den Deutschen auf Hawaii zu den Favoriten?
Stadler: Ich vermute, dass in diesem Jahr in etwa dieselben Gesichter wie im letzten Jahr ganz weit vorne landen werden. Hinzu kommen eventuell noch Craig Alexander oder Marino Vanhoenacker.
Al-Sultan: Chris McCormack, Vanhoenacker und ein paar Ältere, die zurückkommen wie Simon Lessing oder Tim DeBoom.
Welches Wetter wünschen Sie sich für den Renntag?
Stadler: Meine Einschätzung ist, dass die Bedingungen in diesem Jahr mit denen von 2004 vergleichbar sein werden. Der Wind bläst derzeit stark und es ist sehr schwül. Falls dann noch die Sonne rauskommt, wird es schnell sehr heiß. Mir liegen diese Wetterbedingungen.
Alt-Sultan: Heiß und windig.
Wie würden Sie in wenigen Worten die Faszination Hawaii beschreiben?
Stadler: Es ist der Geburtsort des Ironman, das ultimative Rennen der Rennen.
Al-Sultan: Eine besondere klimatische und geographische Region trifft auf einen außergewöhnlichen Sport mit herausragenden Athleten.
In Deutschland haben Sie und Ihre Kollegen im Kampf gegen Doping eine Vorreiterrolle übernommen. Glauben Sie, dass es auf Hawaii Chancengleichheit gibt?
Stadler: Gerade die jüngsten Dopingskandale im Radsport haben mich erschüttert und dem Radsport einen großen Imageschaden zugefügt. So etwas soll im Triathlon nicht passieren. Deshalb wollen wir dem Doping mit unserem Anti-Doping-Projekt „Der gläserne Athlet“ aktiv entgegensteuern. Alle Teammitglieder unterwerfen sich umfangreichsten Dopingkontrollen und strengsten unabhängigen Tests. Gerade eben in San Diego wurden wir wieder getestet. Damit sind wir die am meisten kontrollierten Athleten der Welt. Wie es in anderen Ländern aussieht, weiß ich nicht.
Al-Sultan: Davon muss ich ausgehen, sonst kann ich mich dort nicht an die Startlinie stellen.