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Ironman Al-Sultan, der starke Verlierer

03.07.2007 ·  Der Hawaii-Champion von 2005, Faris Al-Sultan, lief und radelte am Sonntag beim Ironman mit beträchtlichem Abstand hinterher - und danach zeigte er Größe: Er suchte keine Ausflüchte, sondern entschuldigte sich für seine Leistung.

Von Michael Eder und Ralf Weitbrecht
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Im Triathlon kann man vieles lernen, auch aus Niederlagen. Der Sieger der Ironman-Europameisterschaft am Sonntag in Frankfurt zum Beispiel, Timo Bracht, hat Taktik und Motivation aus seiner Niederlage im vergangenen Jahr gezogen. Damals hatte er sich nur auf seinen Verfolger Cameron Brown konzentriert, diesmal ging er ganz anders ins Rennen: selbstbewusst, positiv, nach vorn orientiert.

Die Niederlage von 2006 habe ihn zum Sieg 2007 geführt, sagte Bracht. Manchmal muss man eben Lehrgeld bezahlen auf dieser nicht enden wollenden Triathlonstrecke, die über 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,195 Kilometer Laufen führt.

Einer, der keine Ausflüchte suchte

Auch die Superstars der Szene bleiben von Einbrüchen und Enttäuschungen nicht verschont. Wie der Hawaii-Champion von 2005, Faris Al-Sultan, der am Sonntag von sich selbst enttäuscht der Spitze mit beträchtlichem Abstand hinterher radelte und lief – und, ganz im Gegensatz zu Normann Stadler, dem zweiten deutsche Hawaii-Sieger, am Ende dennoch ein gefeierter Mann war.

Die Triathlonszene nämlich hat ein seismographisches Gespür für schlechte und für gute Verlierer. Und Al Sultan war am Sonntag ein guter, einer, der keine Ausflüchte suchte, der sich bei den Zuschauern für seine Leistung entschuldigte, der nach dem Wettkamp Rede und Antwort stand und den Konkurrenten ganz selbstverständlich zu ihrer deutlich besseren Leistung gratulierte. „Mit unheimlicher Größe ein schwachen Tag managen – das zeichnet den Meister aus“, sagte Sieger Bracht zu Al-Sultans Vorstellung.

Nicht aufgeben ist Grundregel Nummer eins

Was die Konkurrenz dem Münchner hoch anrechnete, war die Tatsache, dass er trotz großer Leiden auf der Rad- und der Laufstrecke nicht ausgestiegen war. Warum hatte er das nicht getan? „Weil ich damit erst gar nicht anfangen will“, sagte Al Sultan. „Denn wenn man es einmal gemacht hat, dann wird es beim nächsten Mal noch viel verlockender.“

Nicht aufgeben – das ist die Grundregel Nummer eins im Langstreckentriathlon, immer weitermachen, obwohl das rote Lämpchen, der Impuls aufzugeben, bei jedem Athleten unterwegs immer mal wieder aufleuchtet, bei den Profis und bei den Amateuren. Auch Hans-Gustav Eckert, der 50 Jahre alte Hobbytriathlet aus Traisa, der in Frankfurt die Qualifikation für Hawaii gewinnen und sich damit einen Lebenstraum erfüllen wollte, hat nicht aufgegeben, obwohl er sein Ziel verfehlte.

Eckert hat sein Lebensziel verpasst

Nach 10:10 Stunden wollte er im Ziel sein, Schwimmen (1:04,57) und Radfahren (5:21,47) lief auch genau nach Plan, doch dann, auf der zweiten Laufrunde plagten ihn plötzlich Krämpfe in beiden Beinen, statt 3:30 Stunden, wie erhofft, war er auf der Marathonstrecke 3:57 Stunden unterwegs.

Seine Gesamtzeit von 10:33 Stunden war aller Ehren wert, Platz 13 unter 93 Startern in seiner Altersklasse, reichte aber nicht für Hawaii. Seine nächste Chance will er nun am 19. August beim Half-Ironman in Wiesbaden suchen, auch bei diesem Wettkampf gibt es „slots“ für Hawaii zu gewinnen.

Pawelzik: Der erste und letzte Ironman

Für einen anderen Starter hatte sich der Frankfurer Ironman richtig gelohnt, die Kollegen haben sich vor ihm schon verbeugt, „denn sie haben nicht damit gerechnet“. Oliver Pawelzik, der langjährige Altherrenfußballer aus Niedernhausen, hat tatsächlich sein Traumziel am Römerberg erreicht und die finanziell lukrative Wette gewonnen. Weil der 41 Jahre alte Familienvater den ersten und vermutlich letzten Ironman seines Lebens unter zwölf Stunden absolviert hat, müssen ihm seine Chefs und Kollegen 23.000 Euro zahlen. Eine hübsche Stange Geld, doch Absprache gemäß wird der in Frankfurt als Verlagsangestellter tätige Pawelzik zehn Prozent dieser Summe für wohltätige Zwecke spenden. „Irgendeine gute Sache für Kinder“, sagt er.

Dass die Strapazen am Sonntag für ihn eine gute Sache gewesen sind, mag er nicht unbedingt unterstreichen. „Ich hatte Krämpfe in den Waden, wollte aufhören, doch als ich die Leute am Römer gehört hatte, musste ich einfach ins Ziel.“ Pawelzik hat Maßarbeit betrieben und hätte sich nicht viel länger Zeit lassen dürfen, doch die Zwölfstundenmarke hat er geknackt. Für 3,8 Kilometer Schwimmen (1:13:33 Stunden), 180 Kilometer Radfahren (5:58:47) und 42,195 Kilometer Laufen (4:30:14) benötigte er insgesamt 11:56:22 Stunden, gleichbedeutend mit Platz 1431. Wie es weiter geht? „Extrem. Ich will irgendwie beim Triathlon bleiben.“ Muss ja nicht wieder der Ironman sein.

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