Am kommenden Samstag wird der ehemalige Boxweltmeister Henry Maske wieder in den Ring steigen. Wie damals, als er die einzige Niederlage seiner Profi-Karriere kassierte - wieder gegen den Amerikaner Virgil Hill. Wolf Wondratschek hatte den Kampf damals zum Anlass genommen für eines der schönsten Box-Gedichte aller Zeiten. „Die Nacht, als Henry Maske gegen Virgil Hill boxte“ ist auch schon eine Erinnerung an die goldenen Zeiten des Boxsports. Er ließ in seinem Gedicht Gene Kilroy, den früheren Manager des Allergrößten, den früheren Manager von Muhammad Ali, vom früheren, vom wahren Boxen träumen:
Zwölf Runden lang fühlte er sich müde und dachte,
wenn das Boxen keinen Spaß mehr macht,
machte sein Leben auch keinen,
und schimpfte deshalb ein bißchen,
schüttelte den Kopf
und dachte dabei zurück an die Zeit
als Kämpfer noch kämpften
und Kämpfen noch einen Sinn
und das Leben noch Glanz hatte,
eingeschnürt in vier Seile,
eingefaßt wie ein Edelstein
unter der Sonne der Tiefstrahler.
Aus Anlass des bevorstehenden Rückkampfes haben wir Wolf Wondratschek zum Boxen, Dichten und zum kommenden Kampf befragt:
Was macht das poetische Potential eines Kampfes aus?
Wenn er selbst Poesie produziert! Stil, Tanz, Eleganz! Und wenn wirklich gekämpft wird. Es müssen die Fledermäuse in die Trompeten blasen, die Schlangen kreischen und die Alligatoren sich verschlucken, das ist dann Boxen.
Was war das Besondere am Kampf Hill vs. Maske damals?
Die sentimentale (und wie sich jetzt herausstellt: voreilige) Behauptung von Maske, dass es sich um seinen letzten Kampf handeln werde.
Was versprechen Sie sich vom Refight?
Nichts.
Was sagen Sie überhaupt dazu, dass Boxen zu einer Rentnersportart geworden ist? Schulz, Maske - das wird ja langsam lächerlich.
Richtig. Und schlimmer noch: Man macht sich selbst lächerlich, wenn man erklären soll, warum man sich für das Boxen überhaupt noch interessiert. Der letzte Klitschko-Kampf? Lächerlich. Der Riese Walujew? Mitleiderregend! Und wir reden hier von den Champions der Königsklasse des Boxens, dem Schwergewicht.
Lieben Sie eher die Strategen im Ring oder die Frontalangreifer?
Wenn ich mal erinnern darf an Boxkämpfe, die dieses Prädikat verdient haben: Roberto Durán vs. Sugar Ray Leonard, Ali vs. Joe Frazier (alle drei Kämpfe!). Da standen sich die Prototypen im Ring gegenüber: der Stratege und der Angreifer, der Stilist und der Puncher. Das sind ideale Gegner, vorausgesetzt, beide sind große Boxer.
Was war für Sie der Jahrhundertkampf?
Der erste Kampf Schmeling vs. Joe Louis. Der dritte und letzte Kampf Ali vs. Frazier in Manila.
Werden Sie live am Ring dabei sein?
Nein.
Wird es wieder ein Gedicht-Kampf?
Das Gedicht über den ersten Kampf entstand ja nicht, weil mich das Boxgeschehen damals mitgerissen und zu Versen inspiriert hätte, sondern weil ich mit einer Legende dem Kampf beiwohnte, mit Gene Kilroy, einem engen Freund und langjährigen Mitarbeiter Alis. Es ist ein Gedicht über dessen Trauer, was aus dem Boxen seit der Krankheit des Größten geworden ist. Ein Gefühl, das ich teile.
Wer gewinnt?
Der Sender, der das unnötige Spektakel überträgt.
Das ist eben Sport, liebe Wichtigtuer!
Sebastian Olbrich (Basti1976)
- 29.03.2007, 18:52 Uhr