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Veröffentlicht: 26.11.2007, 17:42 Uhr

Interview mit Morgan Freeman „Golf ist die perfekte Metapher fürs Leben“

Er ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Schauspieler Hollywoods: Morgan Freeman, im Juni 70 Jahre alt geworden, über Liebe auf den ersten Schlag, seine Verzweiflung mit einem kleinen weißen Ball und seinen Ruf als Hypochonder.

© picture-alliance/ dpa Von Berufung Golfspieler: „Es geht immer nur um den Swing”

Er ist einer der erfolgreichsten und bekanntesten Schauspieler Hollywoods: Morgan Freeman, im Juni 70 Jahre alt geworden. Viermal war er für den Oscar nominiert, 2004 bekam er den wichtigsten Filmpreis für „Million Dollar Baby“, den Film seines Freundes Clint Eastwood. Zuletzt war Freeman als Gott höchstpersönlich in der Sommerkomödie „Evan Allmächtig“ zu sehen. Am Donnerstag kommt sein neuer Film „Gone Baby Gone“ in die deutschen Kinos. Vor kurzem nahm Freeman an seinem ersten Pro-Am-Turnier in Lemont bei Chicago teil. Zumindest so lange, bis ein heftiger Regenschauer ihn am 15. Loch zum Aufgeben zwang.

Wie war Ihre Runde heute?

Schmerzhaft. Das ist das richtige Wort dafür. Einfach nur schmerzhaft. Zum Glück bin ich kaum nass geworden. Nur vom Van ins Clubhaus hat's mich ein bisschen erwischt. Das Problem ist, wenn ich etwas tue, dann will ich es richtig gut machen. Und jetzt kämpfe ich mit diesem Spiel, zutiefst verzweifelt, endlich zu lernen, wie man es gut spielt. Es ist eine innere Herausforderung, keine äußere wie die Schauspielerei. Du erziehst dich ständig selbst: „Morgan, halte den Kopf unten! Morgan, Augen auf den Ball! Konzentriere dich, Morgan!“ Ich bin ein Student des Spiels. Wenn es nicht läuft, werde ich nicht aggressiv. Ich weiß ja, es gibt im Golf immer ein Morgen.

Morgan Freeman © AP Vergrößern Morgan Freeman: „Ich spiele nur noch mit Freunden”

Sie haben exakt vor einem Jahr mit Golf angefangen, also erst mit 69 Jahren. Warum so spät, warum überhaupt noch?

Ich hatte noch andere Fische zu fangen, wie man bei uns sagt. Ich hatte andere Leidenschaften, Golf hatte mich bis dahin überhaupt nicht interessiert. Es übte keinen Reiz auf mich aus, einen kleinen weißen Ball zu prügeln und dann im Spaziergang hinter ihm herzuschlurfen.

Wer hat Sie denn vom Gegenteil überzeugt?

Ganz so war es nicht. Vor fünf Jahren habe ich angefangen zu fliegen und den Pilotenschein gemacht. Ich fliege viel geschäftlich zwischen meinem Zuhause und Los Angeles und New York. Ich fliege so viel, dass ich das Gefühl habe, ich bin mehr in der Luft als auf der Erde. Und dann sitzt du in dem sehr engen Cockpit, so eng, dass du dich überhaupt nicht rühren, geschweige denn deine Beine vertreten kannst. Und ich bekam plötzlich Angst um meinen Blutkreislauf. Sie wissen schon, das Blut verdickt sich, Klumpen, Thrombose und all das Zeug. Ich habe dann Yoga ausprobiert und bin bei mir zu Hause viel ins Fitness-Studio gegangen, ich habe vieles ausprobiert, aber die Lust daran war immer auch sehr schnell wieder weg. Daraufhin hat ein guter Freund von mir, zugleich auch mein engster Geschäftspartner, gesagt: „Ich wünschte, du würdest endlich mit Golf anfangen. Ich kann dich nicht mehr jammern hören. Du bist der größte Hypochonder von Hollywood. Beim Golf hast du den ganzen Tag frische Luft und Bewegung, und die Beklemmungen gehen sofort weg.“ Er hatte wohl Angst um seine Geschäfte. (Er lacht laut.) Mein Freund war lange ein verrückter Tennisspieler, der sich dabei beide Knie kaputtgemacht hat. Er schlug also vor, dass ich es mit ihm versuchen sollte. Das habe ich dann auch gemacht. Seitdem findet man mich, wenn ich nicht drehe oder auch nur einen halben Tag Pause habe, nur noch auf dem Golfplatz.

Stichwort Business: In Deutschland sagt man: „Die besten Geschäfte macht man auf dem Golfplatz.“ Sie auch?

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