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Interview mit Franz Reindl „Gute Werbung für unseren Sport“

06.05.2007 ·  Franz Reindl ist seit fünfzehn Jahren Sportdirektor beim Deutschen Eishockey-Bund. Im F.A.Z.-Interview spricht der Bayer über den Glücksfall Uwe Krupp, Vereins-Trainer, die sich nicht um den Nachwuchs kümmern und deutsche Nobodys, die NHL-Profis schlagen.

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Der 52 Jahre alte Franz Reindl spielte 181 Mal für die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft. Bei den Olympischen Spielen 1976 gewann er mit dem Team die Bronzemedaille. Nach einer kurzen Trainerkarriere ist der Bayer seit fünfzehn Jahren Sportdirektor beim Deutschen Eishockey-Bund.

Haben Sie bei dieser Eishockey-WM eigentlich dem Bundestrainer zu seiner Mannschaft gratuliert oder den Spielern zu Ihrem Trainer?

(lacht) Beide Seiten. Sie ergänzen sich nahezu perfekt, und ich habe schon mehrmals zur guten Leistung des gesamten Teams gratuliert. Uwe Krupp hat nur solche Typen mitgenommen, von denen er restlos überzeugt war, sie würden den internationalen Ansprüchen gerecht werden. Für die Auswahl des Personals hat er sich teilweise harsche Kritik anhören müssen. Nun hört er Lob von allen Seiten. Und die Spieler zahlen dem Coach das Vertrauen mit Einsatz zurück.

In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sind einige der Nationalspieler, auch weil sie noch am Anfang ihrer Karriere stehen, allenfalls Ergänzungsspieler in der dritten oder vierten Reihe. Bei der WM gewinnen diese Nobodys gegen Gegner mit NHL-Profis. Wie passt das zusammen?

Eigentlich gar nicht. Darauf gibt es aber eine einfache Antwort: Auch die Klubs sollen die Jungs spielen lassen. Sie haben es drauf, wie wir ja eindeutig sehen.

Der Verband und Krupp wollen, dass die erstklassigen Vereine in Deutschland in der kommenden Saison weniger Ausländer unter Vertrag nehmen, damit mehr Einheimische zum Einsatz kommen. Mit den Achtungserfolgen im Rücken dürfte Ihnen vor den Verhandlungen nicht bange sein, oder?

Ich lasse mich überraschen, ob man unsere Argumente hören und verstehen möchte. Manchmal habe ich da so meine Zweifel. Wir wollen ja keine Revolution, sondern nur die Quote neu festlegen. Bislang hat jedes DEL-Team 22 Spieler unter Vertrag, davon dürfen maximal 11 Legionäre sein. Wir schlagen jetzt vor, die Kadergröße auf 20 Profis zu limitieren, aber auch davon dürfen ruhig 50 Prozent Ausländer sein. Das ließe sich mit Blick auf die im September beginnende Saison sofort umsetzen lassen.

Die Klubs sperren sich auch mit dem Hinweis auf rechtliche Bedenken dagegen.

Ich bitte Sie! Probleme, wie sie von Vereinsseite angeführt werden, kann ich so nicht erkennen. Es gibt meines Erachtens nicht einen DEL-Klub, der bereits elf Lizenzen an Gastspieler vergeben hätte. Es kann eigentlich nur am Willen mangeln.

Außer Marcus Kuhl, dem Manager des deutschen Meisters Adler Mannheim, hat sich in Moskau kein Trainer oder Sportdirektor blicken lassen.

Ja, der Marcus, der ist immer da. Manche Trainer aus Nordamerika machen halt einfach lieber Urlaub in ihrer Heimat, verlassen sich auf ihre Scouts und bringen dann im Spätsommer ein paar zweitklassige Spieler aus den unteren Ligen in Kanada und Amerika mit. Das ist schade. Wer mit dem deutschen Nachwuchs arbeiten und mit ihm vorankommen möchte, kann es sich nicht ganz so einfach machen.

Die WM-Spiele werden erstmals seit zehn Jahren wieder in den Öffentlich-Rechtlichen Programmen ausgestrahlt. Die Quoten sind bescheiden. Wie enttäuscht sind Sie?

Gar nicht. Wir sind froh, mal wieder in diesem Schaufenster zu stehen und haben insgesamt schon weit über eine Millionen Zuschauer mit unseren Spielen erreicht. Ich denke, es war gute Werbung für unseren Sport, der da zu sehen war.

Krupp kritisierte, auch beim Deutschen Eishockey-Bund gebe es jede Menge nette Kaffeekränzchen mit leckerem Kuchen, doch mit Blick auf die Heim-WM 2010 gehe es bei den Treffen kaum voran. Können Sie seine Ungeduld verstehen?

Natürlich. Er hat Recht. Wir machen uns viele Gedanken und haben gute Ideen. Nur wir müssen sie auch schneller beschließen und umsetzen. Auch deswegen wollen wir uns sofort nach der Rückkehr ja mit der DEL treffen.

Wann wird die noch unbefristete Zusammenarbeit mit dem Bundestrainer vertraglich neu fixiert?

Wahrscheinlich bald nach unserer Rückkehr. Bei Uwe Krupp und uns reicht aber auch zunächst ein Handschlag aus, den Rest können wir dann gerne später regeln. So haben wir es zuletzt auch gehalten und sie gut damit gefahren. Unsere Partnerschaft passt bestens: menschlich und sportlich.

Die Fragen stellte Marc Heinrich

Quelle: FAZ.NET
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