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Interview „Die Kritik ist scheinheilig“

17.10.2005 ·  Der Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters spricht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die fehlende sportwissenschaftliche Kompetenz im Fußball-Training und boshafte Äußerungen von Außenstehenden.

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Der Hockey-Bundestrainer Bernhard Peters spricht im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung über die fehlende sportwissenschaftliche Kompetenz im Fußball-Training und boshafte Äußerungen von Außenstehenden.

Können Sie die Aufregung um die Leistungstests in der Fußballnationalmannschaft nachvollziehen?

Überhaupt nicht. Die Tests waren über den ganzen Tag verteilt, im Hockey machen wir beispielsweise ein vergleichbares Programm in etwa drei Stunden und haben dann am Wochenende noch zwei Länderspiele. Die Führung der Fußballnationalmannschaft hat die Zielstellung, die Qualität ihrer Spieler zu erhöhen und eine vernünftige Trainingssteuerung zu betreiben. Dazu gehört eben, daß man alle sechs Monate gezielte Leistungstests macht, um Entwicklung zu erkennen. Das ist normal im Spitzensport, in jeder Sportart.

Fehlen sportwissenschaftliche Komponenten in der Trainerausbildung des DFB?

Ich sage es mal so: Ich habe fünf Jahre studiert und versuche mich ständig fortzubilden. Beim DFB dauert die Trainerausbildung drei Monate. Der Fußball-Bund ist der einzige Verband in Deutschland, der seine Trainer in drei Monaten auf einen Topstand bringen will. Alle anderen Sportarten gliedern sich der Trainerakademie in Köln mit ihrer qualifizierten zweijähriger Ausbildung an - das ist der Unterschied. Grundsätzlich sollte der Spitzensport der Wissenschaft mehr die richtigen Fragen zur Weiterentwicklung stellen.

Resultiert die Kritik also aus Unwissenheit oder doch aus Boshaftigkeit?

Bei vielen Kritikern ist es eine Mischung aus Halbwissen und Machtdenken. Das stinkt im Fußball vielen offenbar, daß da jemand neue Wege einschlägt. Die Trainer und Manager wollen zu allem befragt werden und mitbestimmen. Das spielt sich aber auf einem sehr scheinheiligen Niveau ab. Jeder sieht nur seine eigene Sache, ganz kurzfristig bis zum nächsten Spiel. Ein total inkonsequentes Denken: Alle Trainer und Manager wollen die Nationalmannschaft bei der WM erfolgreich sehen, aber eine notwendige Vorbereitung wird ständig kritisiert.

Es gab auch Kritik, daß die Nationalmannschaft mit amerikanischen Fitnesstrainern arbeitet.

Das Setzen von neuen Reizen entwickelt Spieler weiter, sowohl mental als auch körperlich. Generell machen die Amerikaner in ihrem Segment eine erstklassige Arbeit bei der Schnelligkeitsschulung, Kraftschulung, Körperstabilität und Beweglichkeit. Fachlich ist das eine tolle Arbeit, aber in der Kürze der Zeit können die gar nicht die Defizite ausgleichen, die die Spieler mitbringen. Etliche Nationalspieler haben vergleichsweise nur einen mäßigen Trainingszustand. Die Spieler von Bundesliganiveau auf internationales Niveau einer WM zu entwickeln ist die originäre Aufgabe von Klinsmann und allen Spielsportarten-Bundestrainern in Deutschland. Dies bedarf der Einsicht und Unterstützung aller Beteiligten. Die Gründe für den schlechten körperlichen Zustand liegen aber nicht immer in der Qualität des Trainings. Das Verhältnis der Anzahl der vielen Spiele zur Anzahl der entwickelnden Trainingseinheiten stimmt im Fußball einfach nicht. Trotzdem haben wir gute Chancen bei der WM. Denn die anderen haben dieses Problem genauso.

Die Fragen stellte Peter Penders.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 16.10.2005, Nr. 41 / Seite 17
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