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US Open : New York in Premierenlaune

  • -Aktualisiert am

Dauerrivalen – und bestens miteinander befreundet: Roger Federer (links) und Rafael Nadal. Bild: FOLEY/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Rafael Nadal und Roger Federer haben bei den US Open noch nie gegeneinander gespielt. Diesmal könnte es im Halbfinale so weit sein. Die größte Tennisarena der Welt wäre die passende Bühne.

          Der letzte Tag vor Beginn des Turniers war perfekt, um es sich in New York gutgehen zu lassen. Freundliche 25 Grad Celsius, gelegentlich Schleierwolken, ein frisches Lüftchen und nichts von der schweißtreibenden Schwüle, die den Sommer in der großen Stadt oft so anstrengend macht. Er werde es ruhig angehen lassen, hatte Roger Federer angekündigt, die Vorbereitungen seien abgeschlossen, und er fühle sich wohl.

          Er sagt, die Pause nach dem vor zwei Wochen in Montreal verlorenen Finale gegen Alexander Zverev sei lang genug gewesen, um dem Rücken Zeit zur Erholung zu geben, das Gefühl für den Ball sei wieder da, und eine gewisse Unruhe vor dem ersten Spiel an diesem Dienstag gegen den 19 Jahre alten Amerikaner Frances Tiafoe betrachtet er als normalen Zustand vor dem Beginn eines Grand-Slam-Turniers.

          Irgendwie ist es kaum zu glauben, aber bei keinem der Grand-Slam-Turniere liegt der Gewinn seines letzten Titels länger zurück als in New York – neun Jahre. Als er damals im Finale gegen den Schotten Andy Murray seinen fünften Titel bei den US Open nacheinander gewann, hätte sich niemand vorstellen können, dass es das für sehr lange Zeit gewesen sein sollte.

          Zwar wirkte er 2008 nicht mehr nahezu unantastbar wie in den Jahren zuvor, hatte in Australien im Halbfinale gegen den jungen Novak Djokovic verloren und in den Finals von Paris und Wimbledon gegen Rafael Nadal, umso mehr bedeutete der Sieg in Flushing Meadows. Den möglichen sechsten Titel bei den US Open verlor er im Jahr danach gegen Juan Martin del Potro, als er nach souveränem Beginn zu viele Chancen vergab und die Geschosse des Argentiniers am Ende nicht mehr abwehren konnte.

          Und jetzt? Sieht es so aus, als sei die Chance auf Titel Nummer sechs bei den US Open und Nummer 20 bei Grand-Slam-Turnieren so groß wie lange nicht mehr. Sicher nicht nur, weil jene beiden fehlen, die in New York in den beiden vergangenen Jahren gewannen, Novak Djokovic und Stan Wawrinka, sondern vor allem wegen Federers überragender Form 2017.

          Das ist die eine Hälfte der Geschichte. In der zweiten geht es darum, wie viele Jahre die New Yorker Tennisfans nun schon darauf warten, einen Kracher mit dem Schweizer und dem Spanier Rafael Nadal zu sehen. Auch das kann man sich kaum vorstellen, aber es stimmt: Das riesige Arthur-Ashe-Stadion mit seinen 23 000 Plätzen, die größte Tennisarena der Welt, sah noch nie ein Spiel der beiden gegeneinander. Dreimal trafen sie auf dem Rasen Wimbledons aufeinander, fünfmal im Sand von Roland Garros und viermal auf Melbournes blauem Boden, zuletzt in diesem Jahr, aber eben nie in New York. Und ein Finale der beiden populärsten Spieler wird es auch diesmal nicht geben.

          Obwohl das Turnier ohne eine offizielle Nummer zwei der Setzliste begann, weil sich Andy Murray am Wochenende schweren Herzens zum Rückzug entschieden hatte, bleibt es an der Spitze bei der Setzliste mit Nadal an Nummer eins und Federer an Nummer drei. Hätte sich Murray vor der Auslosung entschieden, wäre Federer auf Position zwei aufgerückt und hätte damit nicht schon im Halbfinale gegen Nadal spielen müssen – natürlich vorausgesetzt, dass beide dann noch im Spiel sind. Aber nach der Auslosung war nichts mehr zu machen. Den Platz des Schotten nahm der an Nummer fünf gesetzte Marin Cilic ein, auf dessen Spot landete der Amerikaner Sam Querrey, und Philipp Kohlschreiber gehört nun als Nummer 33 ebenfalls zu den Gesetzten.

          Federer sagt, er würde sehr, sehr gerne auch in Flushing Meadows mal gegen Nadal spielen. Aber halt, entgegnet der Spanier, nicht mit mir. „Das hört sich super an, und ich verstehe auch, dass das für die Tennisgeschichte eine tolle Sache wäre“, sagt er, „aber ich ziehe einen anderen Gegner vor. Einen leichteren, falls das möglich ist.“ Das Geständnis garnierte er mit einem Lächeln, und man konnte ihm in diesem Moment der Ehrlichkeit beim besten Willen nicht böse sein. Der nicht ganz unbekannte Kollege aus der Schweiz freut sich derweil in der erfolgreichsten Saison seit mehr als zehn Jahren vor allem über eine gewisse Freiheit in seinem Spiel. „Ich wusste immer, dass ich die hatte“, sagt er, „aber ich kann das jetzt einfacher abrufen. Aggressives Tennis ist eine schöne Sache.“

          Wohl wahr. Über seinen Panoramaflug von Erfolg zu Erfolg in diesem Jahr staunt er immer noch, über die Siege von Rafael Nadal offenbar eher nicht. „Erst wenn er irgendwann nicht mehr spielt, werde ich glauben, dass er nichts mehr gewinnt. Vorher ist er dazu einfach viel zu gut.“ Und sie treffen sich Ende nächster Woche endlich auch einmal im größten Tennisstadion der Welt.

          Quelle: F.A.Z.

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