17.07.2009 · Am Sonntag starten die X-Alps. Bei diesem Extremsportwettbewerb legen die Sportler den Weg durch die Alpen von Salzburg nach Monaco zu Fuß und mit dem Gleitschirm zurück. Im FAZ.NET-Interview spricht Teilnehmer Michael Gebert über Faszination und Zermürbendes der Alpenüberquerung.
Am Sonntag starten die X-Alps. Bei diesem Extremsportwettbewerb legen die Sportler den Weg durch die Alpen von Salzburg nach Monaco zu Fuß und mit dem Gleitschirm zurück. Im FAZ.NET-Interview spricht Teilnehmer Michael Gebert über Faszination und Zermürbendes der Alpenüberquerung.
Am Sonntag machen Sie sich bei den „X-Alps“ auf den 818 Kilometer langen Weg von Salzburg nach Monaco - zu Fuß und per Gleitschirm. Das klingt anstrengend.
Definitiv, das ist der extremste Wettbewerb, den es in dieser Sparte gibt. Die Beanspruchung ist brutal, weil es keine Etappen und somit keine Pausen gibt. Und so halten wir Athleten die Pausen natürlich so knapp wie möglich. Es ist schwer, sich im Zustand größter körperlicher Erschöpfung dann noch auf das Fliegen zu konzentrieren.
Die „Wendepunkte“, die auf dem Weg nach Monaco erreicht werden müssen, sind ja auch keine kleinen Hügel: Großglockner, Matterhorn, Mont Blanc. Kann man sich tatsächlich mit einem kleinen Gleitschirm auf 4000 Meter und mehr aufschwingen?
Es muss schon sehr gutes Flugwetter dafür sein. Man kann nur so hoch fliegen bis zur Untergrenze der Wolken. Bei schlechtem Wetter kann man nur versuchen, so weit wie möglich hinzufliegen, dann ein Stück zu Fuß, und im Idealfall kann man dann wieder irgendwo starten.
Somit trifft man Sie dann auf den gängigen Wanderwegen und Klettersteigen gen Gipfel?
So ungefähr. Man muss einfach schauen, den kürzesten Weg zu erwischen. Zwischen den Wendepunkten kann man ja laufen und fliegen, wie man will. Da gibt es verschiedene Varianten und die wildesten Routen.
Wie halten Sie es mit Schlaf?
Das sind im Schnitt vielleicht drei, vier Stunden pro Nacht. Das Schlimmste ist das Aufstehen: Der Körper fühlt sich völlig eingerostet an. Man weiß vorher gar nicht, was einem alles weh tun kann. Danach muss man sich erst mal wieder einlaufen.
Wie muss man sich das vorstellen: Sie werden unterhalb des Gipfelkreuzes des Mont Blanc von der Dunkelheit überrascht, wickeln sich dann gegen die Kälte in ihren Gleitschirm ein und schlafen dort, wo sie gerade sind?
Jeder Teilnehmer hat einen Supporter an seiner Seite, mit dem man über Funk verbunden ist. Meistens versucht man noch, ihn zu finden und im Wagen zu übernachten. Wenn's nicht klappt, dann schläft man draußen.
Sie lassen sich lieber vom Gleitschirm tragen, als dass Sie den Gleitschirm auf dem Rücken tragen, oder?
Klar, das Fliegen ist weniger anstrengend und man kommt schneller vorwärts. Aber da liegt auch die Gefahr: Bei normalen Wettbewerben entscheidet ein Komitee, ob bei diesem oder jenem Wetter gestartet wird. Bei den X-Alps entscheidet man selbst. Jeder weiß, dass es sehr gefährliche Wettersituationen gibt wie Regen, Gewitter, starker Wind. Auch Föhn verursacht starke Turbulenzen in der Luft. Aber das Ausreizen bis zum Letzten macht ja auch den Reiz der X-Alps aus. Der Schlafmangel wirkt sich nur brutal auf die eigentlich automatisierten Abläufe beim Fliegen aus. Man steht völlig neben sich, und der Körper reagiert langsamer, als man denkt.
Was ist das besonders Zermürbende bei dem Rennen?
Wenn man einen ganzen Tag durch eine falsche Entscheidung versemmelt. Man marschiert fünf Stunden den Berg hinauf und steht zehn Minuten später wieder unten, weil irgendwas nicht funktioniert hat - in dem Wissen, dass man nur fünf statt 100 möglicher Kilometer gemacht hat. Das muss man erst mal wegstecken.