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Im Gespräch mit Arne Gabius „FC Barcelona des Laufens“

Mit EM-Silber über 5000 Meter stieg der Hamburger Leichtathlet in die Weltspitze auf. Nach einem Faserriss in seinem Oberschenkel will Arne Gabius bald wieder angreifen. Im Interview spricht er über prominente Hilfe aus Nordamerika.

© dpa Vergrößern Arne Gabius freut sich auf die Zusammenarbeit mit Alberto Salazar

2012 wird als Ihr bestes Jahr und mit „Alles richtig gemacht“ bilanziert. Wie soll das weitergehen?

Die Goldgräberstimmung, als ich damit begann, mich selbst zu trainieren, ist weg. Jetzt herrscht Alltag, und wenn eine Verletzung dazukommt, ist es doof. Aber zwei Wochen Pause sind nicht so schlimm.

Sie haben nie ein Hehl aus Ihrer Bewunderung für die Trainingsgruppe von Alberto Salazar in Portland/Oregon gemacht, in der Doppel-Olympiasieger Mo Farah und Silbermedaillengewinner Galen Rupp trainieren. Werden Sie dort Anschluss finden?

Im März fliege ich zum Training nach Amerika. Was mir in Deutschland fehlt, ist eine Gruppe. Davon gibt es auf dem Nike-Campus einige. Noch ist nicht entschieden, ob und in welche ich hineinkomme.

War nicht auch Salazar an einer Zusammenarbeit mit Ihnen interessiert?

Es gibt Gespräche. Für einen hellhäutigen, einen Western-Läufer, wie Salazar sagt, ist dessen Gruppe das Nonplusultra, der FC Barcelona des Laufens. Die Gruppe hat etwas Magisches. Da will jeder hin.

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Ist Salazar nicht das Äquivalent zu Glen Mills, aus dessen Trainingsgruppe in Jamaika Usain Bolt und Yohan Blake einen Doppel-Olympiasieg im Sprint und, verstärkt um Warren Weir, auch noch einen Dreifach-Triumph über 200 Meter hingelegt haben? Will sagen: Sind die außergewöhnlichen Leistungen solcher Gruppen nicht verdächtig?

Jeder will wissen: Was machen die anders? Salazar spricht in seinem Buch ganz offen auch über Doping. Er sagt, es gebe drei Möglichkeiten, um gut zu werden: Entweder man schließt einen Pakt mit dem Teufel und macht sich kaputt ...

... meint er damit Doping?

Nein, das ist, was er sich selbst angetan hat: Sich derart kaputt zu trainieren, dass die Karriere mit 23 zu Ende ist und man kein Bein mehr auf den Boden bekommt. Die zweite Möglichkeit ist, dass man betrügt. Er ist auf eine dritte Möglichkeit gekommen: die gesamte Wissenschaft zu nutzen, auch das, was er „gadgets“ nennt, Höhenzelt, Unterwasser-Laufband, Anti-Gravitationslaufband. Damit will er Verletzungen und Stress-Frakturen vorbeugen. Seine Idee ist, so klug und so intensiv und so vorsichtig zu arbeiten, dass man Höchstleistungen bringen kann.

Ist nicht Ostafrika der Nabel der Laufwelt?

Wir in Europa sollten nicht auf die Kenianer schauen, wir sollten uns an den Amerikanern orientieren. Sie wollen alles ausschöpfen, was legal ist. Sie arbeiten nicht nur mit Psychologen, sondern auch mit Football- und mit Sprint-Trainern. Wir Läufer denken immer, wir müssten eine bestimmte Menge von Kilometern pro Woche runter schrubben, dann sei es gut. Salazar hat verstanden, dass Laufen nicht nur aus Laufen besteht.

Was bedeutet das?

Er bereitet das Training im Kraftraum vor oder mit Hürdenübungen. Seine Läufer sprinten 24 Sprints über vierzig Meter hintereinander. Da würde jeder Zehntausendmeterläufer sagen: Das geht doch nicht. Aber es geht. Diese Gruppe gibt immer neue Impulse. Deshalb ist es so interessant, dort einen Einblick zu erlangen.

Was glauben Sie, wie weit wird die Tür für Sie aufgehen?

Der harte Kern der Gruppe besteht aus Mo Farah, der gerade für sechs Wochen in Kenia lebt, aus Galen Rupp und Dathan Ritzenhein, einem super Marathonläufer, der über 5000 Meter eine Bestzeit von 12:55 Minuten hat. Um sie herum haben sich viele versammelt. Auf dem Campus trainiert auch die Gruppe von Jerry Schumacher mit sehr vielen und sehr guten Athleten. Mal sehen, ob ich in eine dieser Gruppen vordringe oder mit einem Assistent-Coach arbeite.

Die Fragen stellte Michael Reinsch.

Quelle: F.A.Z.

 
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