Home
http://www.faz.net/-gtl-770yx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Im Gespräch mit Arne Gabius „FC Barcelona des Laufens“

Mit EM-Silber über 5000 Meter stieg der Hamburger Leichtathlet in die Weltspitze auf. Nach einem Faserriss in seinem Oberschenkel will Arne Gabius bald wieder angreifen. Im Interview spricht er über prominente Hilfe aus Nordamerika.

© dpa Vergrößern Arne Gabius freut sich auf die Zusammenarbeit mit Alberto Salazar

2012 wird als Ihr bestes Jahr und mit „Alles richtig gemacht“ bilanziert. Wie soll das weitergehen?

Die Goldgräberstimmung, als ich damit begann, mich selbst zu trainieren, ist weg. Jetzt herrscht Alltag, und wenn eine Verletzung dazukommt, ist es doof. Aber zwei Wochen Pause sind nicht so schlimm.

Sie haben nie ein Hehl aus Ihrer Bewunderung für die Trainingsgruppe von Alberto Salazar in Portland/Oregon gemacht, in der Doppel-Olympiasieger Mo Farah und Silbermedaillengewinner Galen Rupp trainieren. Werden Sie dort Anschluss finden?

Im März fliege ich zum Training nach Amerika. Was mir in Deutschland fehlt, ist eine Gruppe. Davon gibt es auf dem Nike-Campus einige. Noch ist nicht entschieden, ob und in welche ich hineinkomme.

War nicht auch Salazar an einer Zusammenarbeit mit Ihnen interessiert?

Es gibt Gespräche. Für einen hellhäutigen, einen Western-Läufer, wie Salazar sagt, ist dessen Gruppe das Nonplusultra, der FC Barcelona des Laufens. Die Gruppe hat etwas Magisches. Da will jeder hin.

Mehr zum Thema

Ist Salazar nicht das Äquivalent zu Glen Mills, aus dessen Trainingsgruppe in Jamaika Usain Bolt und Yohan Blake einen Doppel-Olympiasieg im Sprint und, verstärkt um Warren Weir, auch noch einen Dreifach-Triumph über 200 Meter hingelegt haben? Will sagen: Sind die außergewöhnlichen Leistungen solcher Gruppen nicht verdächtig?

Jeder will wissen: Was machen die anders? Salazar spricht in seinem Buch ganz offen auch über Doping. Er sagt, es gebe drei Möglichkeiten, um gut zu werden: Entweder man schließt einen Pakt mit dem Teufel und macht sich kaputt ...

... meint er damit Doping?

Nein, das ist, was er sich selbst angetan hat: Sich derart kaputt zu trainieren, dass die Karriere mit 23 zu Ende ist und man kein Bein mehr auf den Boden bekommt. Die zweite Möglichkeit ist, dass man betrügt. Er ist auf eine dritte Möglichkeit gekommen: die gesamte Wissenschaft zu nutzen, auch das, was er „gadgets“ nennt, Höhenzelt, Unterwasser-Laufband, Anti-Gravitationslaufband. Damit will er Verletzungen und Stress-Frakturen vorbeugen. Seine Idee ist, so klug und so intensiv und so vorsichtig zu arbeiten, dass man Höchstleistungen bringen kann.

Ist nicht Ostafrika der Nabel der Laufwelt?

Wir in Europa sollten nicht auf die Kenianer schauen, wir sollten uns an den Amerikanern orientieren. Sie wollen alles ausschöpfen, was legal ist. Sie arbeiten nicht nur mit Psychologen, sondern auch mit Football- und mit Sprint-Trainern. Wir Läufer denken immer, wir müssten eine bestimmte Menge von Kilometern pro Woche runter schrubben, dann sei es gut. Salazar hat verstanden, dass Laufen nicht nur aus Laufen besteht.

Was bedeutet das?

Er bereitet das Training im Kraftraum vor oder mit Hürdenübungen. Seine Läufer sprinten 24 Sprints über vierzig Meter hintereinander. Da würde jeder Zehntausendmeterläufer sagen: Das geht doch nicht. Aber es geht. Diese Gruppe gibt immer neue Impulse. Deshalb ist es so interessant, dort einen Einblick zu erlangen.

Was glauben Sie, wie weit wird die Tür für Sie aufgehen?

Der harte Kern der Gruppe besteht aus Mo Farah, der gerade für sechs Wochen in Kenia lebt, aus Galen Rupp und Dathan Ritzenhein, einem super Marathonläufer, der über 5000 Meter eine Bestzeit von 12:55 Minuten hat. Um sie herum haben sich viele versammelt. Auf dem Campus trainiert auch die Gruppe von Jerry Schumacher mit sehr vielen und sehr guten Athleten. Mal sehen, ob ich in eine dieser Gruppen vordringe oder mit einem Assistent-Coach arbeite.

Die Fragen stellte Michael Reinsch.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
8-Jährige über die Zukunft Mit 40 mag ich Lego immer noch

Die Zweitklässler Jan und Laura reden über die Zukunft, das Älterwerden und die Frage, ob Erwachsene mehr Angst haben als Kinder. Mehr Von Wibke Becker

16.05.2015, 21:31 Uhr | Gesellschaft
Farah Diba-Pahlavi Die letzte Kaiserin

Bevor sie Iran verlassen musste, war das Leben der Farah Diba ein Traum. Nun schaut die ehemalige Kaiserin Irans mit betrübtem Blick auf ihr Land und hält sich auch mit Kritik nicht zurück. Ein Treffen in Paris. Mehr Von Thiemo Heeg und Rainer Hermann

01.12.2014, 11:06 Uhr | Gesellschaft
Fitness-Tracker Das Messen ist des Sportlers Lust

Jeder Schritt zählt: Fitness-Tracker erfassen die Bewegung und sportlichen Aktivitäten. Nicht alle funktionieren gut. Wir haben drei Geräte ausprobiert. Mehr Von Michael Spehr

16.05.2015, 12:16 Uhr | Technik-Motor
Lost Lake in Oregon Lava-Tunnel lässt See verschwinden

Im amerikanischen Bundesstaat Oregon liegt der Lost Lake – dieser ist auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich, wäre da nicht die Tatsache, dass er einmal im Jahr einfach verschwindet. Grund dafür: ein Lava-Tunnel. Mehr

07.05.2015, 10:11 Uhr | Gesellschaft
Giro d’Italia Der Spitzenreiter verliert eine Sekunde

Trotz Schulterverletzung hat Alberto Contador beim Giro d’Italia auch am Wochenende das Rosa Trikot des Spitzenreiters verteidigt. Beim Tagessieg des Italieners Tiralongo büßt der Spanier aber etwas von seinem Vorsprung ein. Mehr

17.05.2015, 17:40 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.02.2013, 11:04 Uhr

Das Übel geht in die Verlängerung

Von Evi Simeoni, Zürich

Der alte Mann geriet kurz ins Wanken – stürzte aber nicht. Joseph Blatter tritt seine fünfte Amtszeit als Fifa-Präsident an. Es hätte nur eine Nachricht gegeben, die noch schlimmer gewesen wäre als diese. Mehr 20