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Im Gespräch: Luke Donald „Ich bin keiner, der ständig rumbastelt“

 ·  Luke Donald hat nach der Ära Woods die Weltrangliste 45 Wochen lang angeführt. In Wentworth kann er an diesem Wochenende wieder zum Primus aufsteigen. Im F.A.Z.-Interview spricht er über weite Abschläge, Watsons Stil und Woods’ Krise.

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© AFP „Golf ist ein launisches Spiel“: Luke Donald

Wie wichtig ist es, die Nummer eins der Weltrangliste zu sein?

Vor allem stärkt es das Selbstvertrauen. Sagen zu können, ich bin der Beste, das ist schon riesig und etwas, wovon ich später meinen Enkeln erzählen kann. Aber es kann auch eine Ablenkung sein: Es kann bedeuten, dass die Erwartungen steigen, dass man mehr Verpflichtungen hat und dass der Druck wächst. Aber ich glaube, dass ich damit sehr gut fertig geworden bin.

Ist der Druck mit dem zu vergleichen, was Fußballprofis beim Elfmeterschießen um den Sieg in der Champions League aushalten müssen?

Nein, ich habe schon oft den ersten Abschlag versiebt, aber dann hat man noch viele Gelegenheiten, das wieder gut zu machen. Aber im Penalty-Shootout hat man nur eine Chance. Ich habe am Samstag heimlich den Bayern die Daumen gedrückt, weil ich Tottenham-Fan bin. Durch den Sieg von Chelsea dürfen die Spurs nicht in der Champions League mitspielen, sondern müssen in der Europa League antreten.

Ist der Weltranglistenerste auch der beste Golfer der Welt?

Es ist schwer, gegen die Statistik zu argumentieren. Die Weltrangliste ist oft verändert worden. Ich glaube, sie ist jetzt ein sehr guter Maßstab, um zu messen, wie gut ein Golfer ist. Golf ist ein wechselhaftes, launisches Spiel. Deshalb belohnt die Weltrangliste Konstanz. Man kann natürlich darüber streiten, ob der Beständigste der vergangenen zwei Jahre auch der Beste ist. Aber für meinen Fall kann ich sagen: Ich habe seit Beginn des vergangenen Jahres fünf Turniere in Europa und den Vereinigten Staaten gewonnen. Ich glaube, es gibt nicht viele Profis, die das geschafft haben. (Anmerkung der Redaktion: Kein anderer Golfer hat auf den großen Profi-Turnierserien so viele Turniere gewonnen.) Und dazu habe ich die Geldranglisten der PGA Tour und der European Tour gewonnen.

Ihr Aufstieg und Ihre Siegesserie hat mit dem Finalsieg gegen Martin Kaymer im Vorjahr bei WGC Matchplay in Arizona begonnen. Wie wichtig war dieser Erfolg?

Zu wissen, dass ich in einem Feld, in dem die 64 besten Spieler der Welt standen, alle Gegner im Lochspiel besiegt habe - und sogar so deutlich, dass alle Matches vorzeitig beendet waren und ich gegen keinen meiner Gegner jemals im Rückstand gelegen habe, hat mir einen unheimlichen Schub gegeben.

Im Moment sieht es in der Weltrangliste nach einem Zweikampf zwischen ihnen und dem jungen Nordiren Rory McIlroy aus, mit dem Sie in den vergangenen Wochen immer wieder den Spitzenplatz tauschten. Oder sehen Sie andere Anwärter?

Lee Westwood liegt auch nicht weit zurück. Aber Profis, die in den Top Ten stehen, müssen nur ein oder zwei Mal gewinnen, um an die Spitze zu kommen. Niemand ist derzeit so dominant wie Tiger Woods es einmal war.

Muss man Tiger Woods abschreiben?

Es wäre töricht, das zu tun. Wer so viele Turniere gewonnen hat, wer dazu vielleicht der Beste ist, der jemals dieses Spiel spielte, mit dem muss man immer rechnen. Im Moment spielt er sicherlich nicht so gut, wie ihm das vorschwebt. Vor allem scheint er derzeit mental nicht so stark wie in seinen besten Zeiten. Zur Zeit ist Golf für ihn eine Quälerei. Aber große Spieler finden immer einen Weg aus der Krise.

Tiger Woods stellt derzeit wieder einmal seinen Schwung um. Haben Sie das auch schon einmal versucht?

Ich versuche immer, meinen Schwung zu verbessern. Aber für mich sind es immer nur kleine Änderungen. Ich habe noch nie meinen Schwung total verändert. Ich habe immer auf die Basis vertraut, die in jungen Jahren gelegt wurde. Ich bin keiner, der ständig rumbastelt. Ich spiele schon seit meiner Jugend mit den Eisen meines heutigen Ausrüsters Mizuno. Erst in diesem Jahr habe ich auf ein neues Eisen-Modell gewechselt.

Sie haben bewiesen, dass man den Ball nicht extrem weit schlagen muss, um im Golf ganz an die Spitze zu kommen. Wurmt es Sie aber nicht doch, wenn andere Weltklassespieler viel länger sind?

Natürlich würde ich den Ball gerne weiter schlagen. Ich arbeite deshalb intensiv an meiner Fitness, vor allem mache ich Schnellkrafttraining, um eine höhere Schlägerkopfgeschwindigkeit zu erreichen. Aber jeder ist anders. Masters-Sieger Bubba Watson musste sich niemals bemühen, den Ball weit zu schlagen. Oder nehmen Sie den Belgier Nicolas Colsaerts, der vergangene Woche gewonnen hat - das sind alles Leute, die einfach diese Gabe mitbekommen haben. Aber ich habe andere Stärken.

Welche?

Einmal natürlich die Distanzkontrolle. Es ist im Golf extrem wichtig, den Ball immer in Fahnenhöhe zu plazieren. Meine Stärke sind präzise Eisenschläge und natürlich das kurze Spiel. Ich bin wirklich stolz, dass ich es zur Nummer eins geschafft habe, obwohl viele meinten, in der heutigen Zeit hätte ein Spieler wie ich keine Chance. Den Ball weit zu schlagen macht Spaß, es kann von Vorteil sein. Ich habe der Golfwelt bewiesen, dass der große Gleichmacher im Golf das kurze Spiel und das Putten ist.

Fehlt Ihnen, weil Ihr Spiel nicht so spektakulär aussieht wie etwa das von Bubba Watson, Star-Appeal?

Ich glaube, es bringt einen nur in Schwierigkeiten, wenn man versucht vorzugeben, jemand zu sein, der man nicht ist. Außerdem denke ich, dass Siege zum Star-Appeal beitragen. Und wenn ich ein Major gewinne, dann wird auch mein Star-Appeal größer werden.

Der Sieg bei einem Major fehlt noch in Ihrer Bilanz. Bei welchem der vier Großereignisse rechnen Sie sich die größten Chancen aus?

Ich habe ja auch erst im vergangenen Jahr angefangen, regelmäßig Turniere zu gewinnen. Ich glaube deshalb, dass ich noch viele Gelegenheiten haben werde. Beim Masters rechne ich mir die größten Chancen aus, weil dort das kurze Spiel so extrem wichtig ist.

Sie haben zu Beginn des vergangenen Jahres Ihren Bruder Christian als Caddie gefeuert. Warum?

Das war eine der schwersten Entscheidungen meines Lebens. Seit ich acht Jahre alt bin, spiele ich Golf - und von Anfang an immer mit meinem sechs Jahre älteren Bruder Christian. Er kennt meinen Schwung, mein Spiel besser als jeder andere. Dass ich ihn nach acht Jahren entlasse habe, hatte nichts mit seinen beruflichen Fähigkeiten zu tun. Er ist ein hervorragender Caddie. Er hat deshalb auch sofort, erst mit Paul Casey und jetzt mit Martin Kaymer, hervorragende neue Arbeitgeber gefunden.

Aber warum dann die Trennung?

Als Spieler und Caddie haben wir unheimlich viel Zeit auf dem Platz zusammen verbracht. Das führte dazu, dass wir immer wenig Zeit abseits des Platzes miteinander verbringen wollten. Das war für uns beide nicht akzeptabel.

Jetzt arbeitet ihr Bruder für Martin Kaymer, für einen Ihrer Hauptkonkurrenten. Wie geht das?

Sehr gut. Dadurch, dass Christian jetzt für Martin arbeitet, habe ich Martin viel besser kennengelernt. Er ist ein toller Bursche und hat unheimlich viel Talent. Er hat schon ein Major gewonnen. Er arbeitet hart an seinem Spiel - und es macht Spaß, mit ihm außerhalb des Platzes zusammen zu sein.

Das Gespräch führte Wolfgang Scheffler.

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