Home
http://www.faz.net/-gub-15a3y
Mehr Angebote
| Abo|Hilfe
Sonntag, 12. Februar 2012
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Huaiwen Xu Was kommt nach der deutschen Chinesin?

02.03.2009 ·  Bei den Olympischen Spielen in Peking stand Huaiwen Xu im Mittelpunkt. Nun will Deutschlands beste Badmintonspielerin aufhören. Mental und körperlich ist die gebürtige Chinesin mit deutschem Pass ausgelaugt.

Von Bernd-Volker Brahms, Mülheim/Ruhr
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Den Ellenbogen kann Huaiwen Xu kaum noch richtig strecken. „Ich werde mich im Sommer operieren lassen“, sagte die 33 Jahre alte Badmintonspielerin. Die gebürtige Chinesin mit deutschem Pass steht vor dem Ende ihrer Karriere. Nicht nur der Körper fordert nach 25 Jahren Leistungssport Tribut. „Ich bin mental völlig ausgelaugt“, sagt die fünffache deutsche Meisterin und zweifache Europameisterin. Eigentlich habe sie gleich nach den Olympischen Spielen in Peking Schluss machen wollen. Dort hatte sie mit einer enormen Energieleistung im Viertelfinale die zweifache Weltmeisterin Xie Xingfang an den Rand einer Niederlage gebracht (siehe auch: Badminton: Der große Kampf der kleinen Frau Xu). Der Trainerstab am Olympiastützpunkt in Saarbrücken überredete sie weiterzumachen, zumindest vorerst.

Bei den German Open in Mülheim in der vergangenen Woche konnte Huaiwen Xu noch einmal das Halbfinale erreichen. Ein letztes Aufbäumen gegen die zwölf Jahre jüngere Chinesin und ehemalige Juniorenweltmeisterin Yihan Wang war zu spüren. Nach 48 Minuten verlor sie aber bei dem mit 80.000 Dollar dotierten Turnier in Mülheim dennoch 18:21, 21:19 und 10:21. Im zweiten Satz lag die Deutsche, die 2006 einmal für kurze Zeit die Weltrangliste angeführt hatte, bereits mit 14:19 zurück, machte sieben Punkte in Folge – und gewann noch den Satz. Die alte Klasse blitzte auf. „Sie hat immer konstant auf hohem Niveau gespielt“, sagte ihr Trainer Jeroen van Dijk, der fast vier Jahre mit ihr zusammengearbeitet hat. „Und bis zuletzt hat sie gekämpft.“

„Ich bin sehr dankbar für die acht Jahre in Deutschland“

Die Zuschauer hätten sie noch einmal zu dieser Leistung motiviert, sagte Huaiwen Xu nach der Halbfinalpartie. Die 3500 Fans in der Ruhr-Halle hatten der Deutschen mit ihren Anfeuerungen und dem rhythmischen Klatschen eine würdige Kulisse bereitet. Im dritten Satz war dann allerdings die Luft raus und die Niederlage nicht mehr abzuwenden. „Ich bin sehr dankbar für die acht Jahre in Deutschland“, sagte die 33-Jährige nach dem Spiel. Im Jahr 2000 hatte sie sich per E-Mail an den Deutschen Badminton Verband (DBV) gewandt, weil sie aufgrund ihrer geringen Körpergröße von 1,60 Metern vom chinesischen Trainerstab ausgemustert wurde. Die junge Frau aus der Millionenmetropole Chengdu fühlte sich im nationalen Trainingszentrum in Peking zur Sparringspartnerin degradiert.

Sie kam nach Deutschland, um zu spielen. Wenn sie nicht mehr spielen kann, will sie Deutschland wieder verlassen: Im September möchte sie in den Vereinigten Staaten ein BWL- und Sportstudium aufnehmen. Ihr chinesischer Mann hat in Seattle einen Job. „Für mich zählt jetzt die Familie“, sagt Xu Huaiwen. Nur die Playoffs in der Bundesliga mit ihrem Verein Bischmisheim, ein Länderspiel sowie die Mannschafts-WM im Mai in ihrer chinesischen Heimat wird sie noch bestreiten.

„Sie hat die Spieler mit professioneller Einstellung mitgezogen“

Ein Angebot des DBV, im Trainerstab des Verbandes mitzuarbeiten, schlug sie aus. Eine A-Lizenz hatte sie bereits vor einiger Zeit erworben. „Es ist sehr schade, dass wir sie nicht halten können“, sagte DBV-Sportdirektor Martin Kranitz am Rande der German Open. „Die Tür steht für sie jederzeit offen.“ Der Verband hat mit der gebürtigen Chinesin einen großen Sprung nach vorn gemacht, die Damenmannschaft des DBV konnte bei der Mannschafts-WM zweimal den dritten Platz erreichen. „Sie hat unsere Spieler mit ihrer professionellen Einstellung mitgezogen“, sagte Kranitz.

In ihrem Fahrwasser konnte sich die 26 Jahre alte Juliane Schenk aus Berlin bis auf Rang 16 der Weltrangliste vorarbeiten und qualifizierte sich zweimal für die Olympischen Spiele. „Der Druck auf Juliane wird jetzt natürlich steigen“, so der Sportdirektor. Bei den German Open verlor sie als gesetzte Spielerin in der ersten Runde gegen eine Koreanerin und vergab dabei zwei Matchbälle. Für Juliane Schenk war es ein Déjà-vu. Ähnlich dramatisch verlor sie auch in Peking ihre Auftaktbegegnung gegen eine Indonesierin, auch dort hatte sie einen Matchball.

„Wir haben eine Menge vielversprechende eigene Talente“

Beim Verband gibt es laut Kranitz keine Überlegung, in absehbarer Zeit andere asiatische Spitzenspieler zu integrieren. Huaiwen Xu sei ein einmaliger Glücksfall gewesen. Ihre Aufnahme in den Nationalkader habe viel mehr mit Zufällen als mit einer strategischer Planung zu tun gehabt. Gerade vor den Olympischen Spielen in Peking hatte der Verband durch seine Spitzenspielerin eine bis dahin ungekannte mediale Aufmerksamkeit erfahren.

„Wir haben eine Menge vielversprechende eigene Talente“, sagt Kranitz. Der Verband setze mit einer umstrukturierten Trainingsarbeit und aufgestocktem Budget vom Deutschen Olympischen Sportbund nun eben auf diese.

Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

1899 Hoppenheim

Von Michael Horeni

Wer eine Viertelmilliarde in sein Hobby steckt, will mehr als den besten Platz im Stadion. Doch Dietmar Hopp wird derzeit zum Problem für seinen Klub TSG Hoffenheim. Mehr 3 9