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Schachspielerin Hou Yifan : Eine Frau zeigt es den Männern

  • -Aktualisiert am

Ausmanövriert: Hou besiegt in Karlsruhe den Amerikaner Caruana. Bild: Georgios Souleidis

Die Chinesin Hou Yifan ist die beste aktive Schachspielerin der Welt und tritt nicht mehr nur gegen Frauen an. Einen deutschen Großmeister hat sie bereits überspielt – aber ihre Teilnahme an Turnieren wird kontrovers diskutiert.

          Spielen Männer anders Schach als Frauen? Nein, nur stärker, meistens jedenfalls, findet Hou Yifan. Gegen Männer spielt sie lieber. Weil sie sich verbessern will. Im Frauenschach hat die Chinesin, obwohl sie erst 23 Jahre alt ist, alles, was es zu gewinnen gibt, schon doppelt oder dreifach gewonnen. Weltmeisterin war sie schon mit 16. Wer mit Schachprofis über ihre Partien redet, hört zwei Meinungen. Die einen schätzen die Chancen der Chinesin meist höher ein, als sie wirklich sind. Die anderen versuchen, objektiv zu sein. Hou Yifan gehört zur zweiten Kategorie.

          Nach ihrem zweiten Sieg beim Grenke Chess Classic in Karlsruhe erklärt sie, dass Georg Meier am Anfang der Partie besser gespielt habe als sie. Sie habe den deutschen Großmeister nicht etwa überspielt, sondern er habe sich verrannt. Einen Fehler Meiers nutzte sie mit einem Springer-Opfer aus. Präzise. Eiskalt. Objektiv. Ihr dritter Gegner in Karlsruhe hieß Carlsen. Der Weltmeister wäre nach eigener Aussage ziemlich hässlich gestanden, wenn Hou sich im 28. Zug nicht damit zufrieden gegeben hätte, in ein unverlierbares Endspiel abzutauschen. Ein Remis also aus der Position der Stärke.

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          Vor dem am besten besetzten Schachturnier des Jahres in Deutschland, das seit Samstag in Karlsruhe läuft und am Mittwoch in Baden-Baden fortgesetzt wird, wurde ihre Teilnahme kontrovers diskutiert. Die beste aktive Schachspielerin der Welt läuft seit bald einem Jahr ihrer Form hinterher und ist aus den Top 100 herausgerutscht. Nun erweist sich ihre Einladung als goldrichtig: Denn Hou Yifan führt das illustre Feld an. Weltmeister Magnus Carlsen und der mehrmalige WM-Kandidat Lewon Aronjan sind mit zwei Unentschieden gestartet. Der Weltranglistendritte Fabiano Caruana und der Weltranglistenfünfte Maxime Vachier-Lagrave haben beide schon verloren. Hou Yifan aber hat gleich zwei Siege vorgelegt.

          Vor allem der gegen Caruana am ersten Tag hat ihrem Selbstbewusstsein gutgetan. Es war ihr erster Sieg gegen einen Spieler, der mehr als 2800 Elopunkte hat. Den Amerikaner, der so oft gegen Carlsen gewonnen hat wie sonst keiner, hat sie im Unterschied zu Meier ausmanövriert. Nur einmal war Peter Leko, der frühere WM-Zweite, der die Partien für das Onlinepublikum kommentiert, nicht ganz zufrieden mit ihrem Spiel. Als sie mit einer Kombination gewinnen konnte, wählte sie einen nicht ganz so schönen Weg. Sechs Züge später gab sich Caruana geschlagen.

          Als Hou Yifan am Mittwoch in Begleitung ihrer Mutter in Karlsruhe ankam, war sie sich ihrer Form alles andere als sicher. In Shenzhen spielte sie in der vergangenen Woche ein Match gegen den langjährigen ukrainischen Weltklassespieler Wassilij Iwantschuk. Sie unterlag 1:3. Beim Grand-Prix in Schartscha gewann sie keine einzige Partie. Aber weil sie auch nur eine Niederlage hinnehmen musste, hielt sich der Schaden in Grenzen. In Schardscha war sie genau wie jetzt in Karlsruhe die einzige Frau im Feld.

          Daran hat sich die Chinesin längst gewöhnt. Vor einem Jahr erklärte sie ihren Rückzug aus den Titelkämpfen der Frauen. Jahrelang hatte sie vom Weltschachbund vergeblich gefordert, dass der WM-Zyklus dem der Männer angeglichen wird, wo sich der Weltmeister alle zwei Jahre in einem Match stellt. Bei den Frauen wird der Titel abwechselnd in einem Zweikampf und in einem K.-o.-Turnier ausgespielt. Ohne Hou Yifan wird es nun noch schwerer, Veranstalter zu finden.

          Schachspielerin Hou Yifan will wieder Bestform erlangen.

          Für eine Chinesin ungewöhnlich, hat Hou wiederholt mit einem europäischen Trainer gearbeitet, dem in Belgien lebenden Wladimir Tschutschelow. Ein fester Spitzentrainer wäre ihr Wunsch. Vielleicht ermögliche ihn ihr neuer Sponsor, eine Internetfirma, die denselben Eigentümer hat wie die Schachwebsite Chess24. Doch Schach ist nicht alles in Hous Leben. Ihr Studium in Internationalen Beziehungen nahm sie durchaus ernst. Ihre Betreuer mussten ihr eine ehrgeizigere Abschlussarbeit ausreden. Und so schrieb sie eben darüber, wie das Schach historisch oft in den gerade blühenden Nationen prosperierte.

          Ganz auf Frauenturniere verzichtet sie nicht. Bei den Schach-Olympiaden wird sie weiterhin das chinesische Team anführen. Und es gibt auch etwas, was sie noch reizt: ein Zweikampf gegen Judit Polgar. Die Ungarin, die vor ihr 25 Jahre lang die Frauenweltrangliste anführte und nie Weltmeisterin war, weil sie fast nur gegen Männer antrat, hat zwar 2014 ihre Turnierkarriere beendet. Doch zu ermitteln, wer wirklich die weltbeste Schachspielerin ist, wäre noch immer reizvoll. Vorgespräche gab es schon. An ihr, so Hou, würde es nicht scheitern.

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