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Hockeyspieler Florian Fuchs Schneller Stürmer auf Giraffenbeinen

31.07.2010 ·  Der Hamburger Hockeyspieler Florian Fuchs soll bei der an diesem Samstag beginnenden Champions Trophy in Mönchengladbach für Tore sorgen. Danach will er ein bisschen jobben und ein bisschen trainieren - bevor es schließlich ernst wird.

Von Alex Westhoff
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Seine Mitspieler rufen Florian Fuchs mal „Bambi“ mal „le giraffe“. „Die Spitznamen zielen alle auf meinen wohl etwas unbeholfenen Laufstil ab“, sagt Fuchs, Hockey-Nationalspieler, und der Mann, auf dessen Tore die deutsche Auswahl bei der am Samstag beginnenden Champions Trophy in Mönchengladbach baut. Ob Fuchs nun läuft wie ein junges Reh oder eine Giraffe, sei dahingestellt. Fakt ist: Der Hamburger kann mit seinen langen, dünnen Beinen schneller rennen als die meisten anderen Spieler.

Mit 18 Jahren hat Fuchs ein beeindruckendes erstes Jahr in der Nationalmannschaft hinter sich. Erst vor gut acht Monaten gab er in Melbourne sein Länderspieldebüt bei der letztjährigen Champions Trophy, dem Turnier der sechs besten Teams der Welt. Der Stürmer sollte „die Luft auf höchstem Niveau schnuppern“, sagte Bundestrainer Markus Weise damals. Doch Fuchs beließ es nicht bei der Akklimatisierung, sondern erzielte während des Turniers fünf Treffer. Das brachte ihm die Nominierung für die Weltmeisterschaft im Frühjahr in Neu-Delhi ein, wo er zum Finaleinzug vier Tore beisteuerte.

Vor der diesjährigen Champions Trophy im Hockey-Park von Mönchengladbach kann Fuchs 15 Treffer in 21 Länderspielen vorweisen. „Dass das alles so schnell geht, habe ich natürlich nicht erwartet“, sagt der Stürmer vom UHC Hamburg. „Aber ich will mich damit auch nicht zufriedengeben.“

„Er hat sehr gute athletische Voraussetzungen“

Dass er nun die Bodenhaftung verlieren könnte, ist nicht zu erwarten. „Er ist auf dem Boden geblieben. Und das ist nicht normal nach so einem sensationellen Jahr“, sagt Martin Schultze, der Vereinstrainer von Fuchs beim UHC. Für Bundestrainer Weise ist der Stürmer ein „ehrgeiziger Typ, der auch von der Persönlichkeit sehr weit ist für sein Alter“. Für die Erdung sorgen zur Not aber auch die Mitspieler in der Nationalmannschaft.

Als Jüngster füllt Fuchs das Amt des „Flaschenwarts“ aus, er muss die Trinkflaschen zum und vom Platz tragen, leeren und säubern. „Das Amt ist schon okay“, sagt Fuchs. „Das ist normal für einen jungen Spieler.“ Außerdem würden seine Giraffenbeine auch den Mehraufwand noch gut wegstecken. „Er hat sehr gute athletische Voraussetzungen und ist noch längst nicht auf seinem Topniveau angekommen“, sagt Weise. „Es wird interessant sein zu sehen, wie er sein Potential ausschöpft.“

Ebenso gespannt ist der Bundestrainer, wie sich der Rest des Teams beim zweiten Saisonhöhepunkt nach der WM schlägt. Unter den 18 Spielern sind noch neun Olympiasieger von Peking 2008. Man wolle eine Leistung abliefern, mit der man selbst zufrieden sein könne und die „unserem Anspruch entspricht“, sagt Weise. „Wenn dies gelingt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass wir um den Titel mitspielen können.“

„Dass das so gut geklappt hat, macht mich stolz“

Die deutsche Mannschaft geht freilich als Favorit in das einwöchige Heimturnier, das sie an diesem Samstag gegen Europameister England eröffnet. Auch dann wird Florian Fuchs wieder am langen Pfosten versuchen, in die knallhart geschlagenen Kugeln hineinzurutschen. Dass er mutig ist und keine Kollision scheut, hat er mehrfach bewiesen.

Die Leistung des Achtzehnjährigen im vergangenen Jahr ist aber besonders hoch einzuschätzen, weil er nebenbei noch sein Abitur bestand. Die Vorklausuren hatte er während der Champions Trophy in Melbourne geschrieben - im Teamhotel, unter Aufsicht eines DHB-Mitarbeiters. Die richtigen Abi-Klausuren begannen unmittelbar vor der WM. „Dass das so gut geklappt hat, obwohl ich so häufig gefehlt habe, macht mich stolz“, sagt Fuchs, der es auf einen Notendurchschnitt von 2,3 brachte.

Bei der WM habe er dann endlich an „nichts anderes als an Hockey gedacht“. Nach der Champions Trophy geht der Hamburger für sechs Monate nach Sydney, ein bisschen jobben, ein bisschen trainieren, „einfach mal etwas anderes sehen“. Im nächsten Jahr, passend zur Vorbereitung auf Olympia 2012, tritt er seinen Dienst in der Sportkompanie der Bundeswehr an. Mal sehen, wohin ihn seine „Bambi“-Beine danach noch tragen werden.

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