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Hockey-WM Respekt vor dem deutschen Ästheten

13.03.2010 ·  Im Finale der Hockey-WM an diesem Samstag trifft Deutschland zum dritten Mal in Folge auf Australien. Und zum dritten Mal steht Matthias Witthaus im deutschen Team: aus dem leisen Angreifer ist längst ein Führungsspieler geworden.

Von Peter Penders
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Zum dritten Male nacheinander können die deutschen Hockeyspieler an diesem Samstag (13.35 Uhr MEZ) Weltmeister werden, und wenn der Dauergegner Australien in diesen Endspielen einen Spieler besonders fürchtet, dann ist es Matthias Witthaus. Der Angreifer ist nämlich der einzige deutsche Akteur, der schon 2002 (2:1) und 2006 (4:3) dabei war, als die Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes stets über Australien triumphierte. „Ein perfekter Stürmer“, urteilt der gegnerische Trainer Ric Charlesworth - 1986 als Spieler dabei, als Australien das letze Mal Weltmeister wurde - über den eher schmächtigen Witthaus, dessen elegante Spielweise Hockey-Ästheten ins Schwärmen geraten lässt.

Dieses Endspiel in Neu-Delhi wird das 314. Länderspiel für Matthias Witthaus werden - eine bemerkenswerte Zahl für einen Spieler, der erst 27 Jahre alt ist. Doch die Karriere des gebürtigen Ratingers, der bei Uhlenhorst Mülheim das Hockeyspielen erlernte, beim Crefelder HTC groß wurde und mittlerweile als Spanienlegionär beim Club de Polo Barcelona spielt, begann schließlich schon überaus früh. An sein erstes Länderspiel am 3. Juni 1999 kann er sich noch gut erinnern, denn die Einladung wirkte erst einmal wie ein Schock.

Seine Karriere begann in Krefeld

Am Tag zuvor hatte er mit der Jugendauswahl des Westdeutschen Hockey-Verbandes ein Trainingsspiel gegen die Nationalmannschaft absolviert. Um den erst 16 Jahre alten Junioren nicht zu verunsichern, rief der damalige Bundestrainer Paul Lissek erst tags darauf am Morgen an, denn er hatte ihn fest für das Länderspiel am Nachmittag gegen Belgien eingeplant. „Ich habe natürlich sofort zugesagt, allerdings hatte ich extremen Bammel. Ich war am Abend vorher ganz schön lange auf einer Party unterwegs“, sagt Witthaus.

Auswirkung hatte das offenbar nicht, und später offenbarte ihm Lissek sogar, dass er ihn ursprünglich schon ein Jahr vorher für eine Champions Trophy - dem Prestigeturnier der sechs weltbesten Mannschaften - nominieren wollte, sich dann aber überzeugen ließ, dass dies vielleicht etwas zu früh sei.

Doch an diesem Sommertag 1999 in Krefeld begann auf der Anlage seines Heimatklubs eine Karriere, die ihn mittlerweile zu einem der weltweit erfolgreichsten Hockeyspieler gemacht hat. Nur ein paar Wochen nach seinem Debüt war Witthaus so schon Europameister - er gehörte zu der damals stark verjüngten Mannschaft, die 1999 überraschend den Titel gegen die Niederlande gewann.

Viele Spieler und drei Trainer

Seitdem ist Witthaus immer dabei gewesen, von der Enttäuschung über Platz fünf bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney über den ersten WM-Titel in der Geschichte des Hockey-Bundes 2002 in Malaysia, der Verteidigung des EM-Titels 2003 in Barcelona, der olympischen Bronzemedaille 2004 in Athen, der Verteidigung des WM-Titels 2006 in Mönchengladbach und schließlich dem Höhepunkt - dem Olympiasieg 2008 in Peking. Sieben der 18 Spieler hörten danach auf, waren den Stress mit 100 bis 150 gemeinsamen Tagen mit der Nationalmannschaft leid, zumal es für sie nichts mehr zu gewinnen gab.

Für Witthaus, der in den langen Jahren in der Nationalmannschaft viele Spieler und drei verschiedene Trainer - Paul Lissek (bis 2000), Bernhard Peters (bis 2006) und Markus Weise (seit 2006) erlebt hat, war dies nie eine Option. „Es macht mir immer noch extrem viel Spaß, und solange das so bleibt, mache ich auch weiter“, sagt er. Daran konnten bislang nicht einmal die Frotzeleien der Kollegen etwas ändern, die stets an seinem Fußballverstand zweifelten, weil er als Rheinländer Fan von Arminia Bielefeld ist.

„Olympia 2012 könnte ein Abschluss sein“

Dass die Lust immer noch da ist, liegt vor allem daran, dass die Schwierigkeiten mit einem Rückenwirbel so gut wie verschwunden sind. Zwischendurch hatte er sich mitunter spritzen lassen müssen, beispielsweise bei der WM 2006, die er nach eigener Schätzung mit höchstens 80 Prozent Leistungsfähigkeit absolvierte. Doch die Erinnerung an eine Physiotherapeutin, die dieses Problem einst während seiner Jugendzeit in den Griff bekommen hatte, half weiter. Er machte sie unter Mühen ausfindig, und sie konnte tatsächlich wieder helfen.

Die spanische Sonne tut ein übriges dazu, denn der Sportstudent lebt seit zwei Jahren wieder in Barcelona. „Ich liebe die Wärme“, sagt Witthaus, was bei einer WM in Neu-Delhi sicher kein Nachteil ist. Schon bald könnte er so Philipp Crone (342 Länderspiele) als Rekord-Nationalspieler ablösen, aber als großes Ziel sieht er das nicht an: „Olympia 2012 könnte ein Abschluss sein, aber ich werde nicht deshalb weiterspielen, um eine neue Bestmarke aufzustellen.“ Markus Weise, der verfolgt hat, wie aus dem eher leisen Witthaus ein von allen anerkannter Führungsspieler geworden ist, prophezeit dagegen etwas ganz anderes. „So viel Spaß, wie er momentan hat“, sagt der Bundestrainer, „da spielt er 2016 noch.“ Zum Schrecken der Australier wäre er dann ja auch erst 33 Jahre alt.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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