18.09.2006 · Nach Fußball-WM und Weltreiterspielen wurde auch die Hockey-WM in Deutschland ein Erfolg, der alle Erwartungen übertraf. Doch trotz des Titelgewinns muß der Deutsche Hockey-Bund aufpassen, nicht den Anschluß zu verpassen.
Von Peter PendersSensationell, phantastisch, einzigartig - die Hockeyspieler griffen nach vielen Superlativen, um die Weltmeisterschaft in Mönchengladbach zu beschreiben. Nach König Fußball und den Weltreiterspielen wurde auch die dritte internationale Großveranstaltung in Deutschland ein Erfolg, der alle Erwartungen übertraf.
Im Sog seiner beiden Vorgänger löste auch Hockey einen Zuschauerboom aus - statt der erhofften 80.000 Fans kamen mehr als 100.000 Besucher. Das Schildchen „Ausverkauft“ klebte am Sonntag nicht nur an den Kassenhäuschen, auch viele Verkaufsstände konnten ihre Regale am Ende nicht mehr auffüllen. Und auf die deutschen Hockeyspieler war nicht nur auf dem Platz so manche Sonderschicht hinzugekommen, trotzdem konnten sie nicht alle Autogramm- und Fotowünsche erfüllen.
Mut zu Innovationen
Sie haben es genossen. Mehr Begeisterung um ein Hockey-Erlebnis hat es in Deutschland noch nicht gegeben. Aber als die Fähnchen wieder eingerollt waren, stellte sich mancher die bange Frage: Was wird bleiben von dieser WM? Viele gingen mit der Sorge, daß dem rauschenden Fest ein Kater folgen werde. Mönchengladbach war in jedem Fall der sichtbare Beweis, daß Hockey auch in Deutschland populär zu verkaufen ist.
Anders als der Internationale Fußball-Verband besitzt der Internationale Hockey-Verband auch den Mut zu Innovationen: Im Hockey darf längst fliegend gewechselt werden, was zu höherem Tempo auf dem Platz führt. Hockey kennt seit zehn Jahren kein Abseits mehr, was das Spiel wesentlich attraktiver gemacht hat. Und Hockey hat ohne große Probleme den Videobeweis bei strittigen Torszenen eingeführt und trotzdem die Autorität der Schiedsrichter nicht untergraben.
Bundesliga hinkt hinterher
Der erste Schritt zu mehr Popularität und damit mehr Professionalismus ist getan, ohne daß Hockey von seiner Stärke als Familiensportart einbüßte. Das eine zu tun ohne das andere zu lassen - dieser Spagat wird aber künftig immer schwerer werden. Vor allem der Deutsche Hockey-Bund (DHB) muß trotz aller Erfolge - die Damen sind Olympiasieger, die Herren Weltmeister - aufpassen, nicht den Anschluß zu verpassen.
Daß die besten deutschen Spieler zunehmend in den Niederlanden und in Spanien zu bewundern sind, hängt sowohl mit den Verdienstmöglichkeiten als auch mit den sportlichen Herausforderungen zusammen - beides bietet die deutsche Bundesliga nicht mehr.
Der Vordenker geht
Mit seiner Veranstaltungsoffensive - Europameisterschaft 2005 in Leipzig, WM 2006 in Mönchengladbach - hat der Verband zwar viel dafür getan, daß sein Sport zwischen zwei Olympischen Spielen nicht in der medialen Bedeutungslosigkeit verschwindet. Aber ob er will oder nicht: der DHB muß sich auch um die Vermarktung seiner Topligen mehr bemühen, wenn er sein Premiumprodukt Nationalmannschaft weiterhin verkaufen will.
Trotz der schönen neuen Hockeyarena und der imponierenden WM hat der Verband einige Baustellen zu bearbeiten - die größte tut sich mit dem Weggang von Herren-Bundestrainer Bernhard Peters auf. Mit ihm geht nicht nur ein Cheftrainer mit trockenem Humor und langer Erfolgsliste, sondern auch der durchsetzungsfähige Vordenker. Der DHB wird eine weise Entscheidung treffen müssen, wer künftig die Richtung angeben soll. Die Gefahr, sich dabei keinen Querdenker ins Haus holen zu wollen, ist latent vorhanden. Damit aber wäre der erste Schritt getan, daß Mönchengladbach ein einmaliges Erlebnis bleibt.
Premiumprodukt
Dirk Ramin (dramin)
- 18.09.2006, 14:09 Uhr