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Hockey-WM Die Reifeprüfung

 ·  Konstant ist nur die Qualität: Die Deutschen sind das jüngste Team der Hockey-WM in Indien. Dennoch stehen sie vor dem Sprung ins Halbfinale, obwohl die Hälfte der Olympiasieger von 2008 nicht mehr dabei ist.

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Nur noch einen kleinen Schritt müssen sie machen, und dann haben sie es wieder mal geschafft: Seit 1973 haben deutsche Hockey-Nationalmannschaften immer zumindest das Halbfinale bei Weltmeisterschaften erreicht. Der Jahrgang 2010 will da keine Ausnahme bilden, wie am Sonntag das beeindruckende 2:2 gegen die Niederlande bei den Titelkämpfen in Neu-Delhi zeigte.

Die jüngste Mannschaft des Turniers dominierte die zweite Halbzeit so sehr, wie es einem deutschen Team schon lange nicht mehr gegen den alten Rivalen gelungen war. Der Sieg war schließlich schon zum Greifen nah, als Jan-Marco Montag sieben Minuten vor dem Abpfiff das 2:1 gelungen war, aber Teun de Nooijer traf noch zum Ausgleich. Das Remis lässt den Deutschen (8 Punkte) alle Chancen, das Halbfinale aus eigener Kraft zu erreichen. Ein Sieg in der letzten Gruppenpartie gegen Neuseeland (6) an diesem Dienstag (12.05 Uhr MEZ) reicht aus – die nachfolgende Partie zwischen den Niederlanden (10) und Südkorea (7) würde dann nur noch die Frage nach dem Gruppensieger klären.

Wie machen die Deutschen das nur immer? Über die Konstanz der Auswahl des Deutschen Hockey-Bundes (DHB) staunt die Konkurrenz, obwohl die vielbeachtete Jugendarbeit natürlich kein Geheimnis ist. Trotzdem horchten die Gegner diesmal auf, als Bundestrainer Markus Weise sein Aufgebot nominierte, das auch als leicht verstärktes U-21-Team durchgehen würde.

Denn einige der „erfahrenen“ Spieler sind ja ebenfalls noch vergleichsweise jung. Kapitän Max Müller beispielsweise war als Innenverteidiger zwar schon beim Gold-Triumph in Peking 2008 dabei und hat die Grenze von 100 Länderspielen jüngst durchbrochen, aber der Nürnberger ist auch erst 22 Jahre alt – genauso wie Spielmacher Tobias Hauke. Dem Kölner hatte Weise die Mittelfeldzentrale schon in Peking überlassen, aber vor zwei Jahren gehörten weder er noch Müller zu den Führungsspielern.

Nur noch drei Titelverteidiger im Kader

Diese Rolle mussten sie übernehmen, weil sich eine Hoffnung von Weise damals übererfüllte. „Es dürfen nicht alle weitermachen wollen, das wäre gar nicht gut“, hatte der Bundestrainer schon in der Nacht gesagt, als seine Mannschaft in Peking die Goldmedaille noch ausgiebig feierte. Weise fürchtete, dass seinen Spielern, die innerhalb von zwei Jahren den WM-Titel von 2002 verteidigt und sich nun auch noch olympisches Gold um den Hals gehängt hatten, die Motivation verlorengehen würde.

Aber im Hockey ist nicht nur auf eine gewisse Konstanz auf dem Spielfeld Verlass – auch daneben wiederholt sich ein Spielchen stets aufs Neue. „Wenn unsere Besten aufhören, sind sie eigentlich im idealen Alter von 26, 27 Jahren. Dann ist ihr Studium beendet, und der Einstieg in den Beruf wartet. Und der ist bei uns nicht Hockey“, sagt Weise. So kam es auch nach Peking – und prompt sind in Neu-Delhi die Hälfte der 18 Olympiasieger nicht mehr dabei und nur noch drei Weltmeister von 2006 mit von der Partie.

„Wir reden hier immer vom Titelverteidiger, dabei ist das eine ganz neue Mannschaft“, sagt David Faulkner. Er ist einer der britischen Überraschungs-Olympiasieger von 1988 und als Sportdirektor des englischen Verbandes seit längerem damit beschäftigt, ein aussichtsreiches Team für die Olympischen Spiele 2012 in London aufzubauen. Was die Deutschen deshalb in Neu-Delhi zeigen, interessiert ihn schon von Berufs wegen – und beeindruckt ihn. „Es gibt wenig Trainer, die so radikal nominieren und so unbeeindruckt ihren Weg gehen wie Markus Weise“, sagte der Engländer.

Bei Olympia im besten Alter

Doch so spektakulär wie vor zwei Jahren, als der Bundestrainer in seinem Olympia-Aufgebot einige Überraschungen bereithielt, die in der Branche heiß diskutiert wurden und sich als goldrichtig erwiesen, ging es diesmal gar nicht zu. „Aufgrund von Verletzungen und Absagen hat sich der WM-Kader ja fast selber aufgestellt“, sagte der ehemalige Bundesligaspieler, „und mancher hat seine Chance gar nicht erkannt.“

Das kann man von denen, die nun in Indien dabei sind, nicht behaupten. „Wir wollen ins Halbfinale, und wenn wir so spielen wie gegen die Niederlande, werden wir Neuseeland auch besiegen“, sagt Hauke, der nach der Begegnung mit Holland zum „Spieler des Tages“ gekürt wurde. Mit dem Erreichen des Halbfinales wäre auch die Frage nach den Fördergeldern für die nächsten Jahre geklärt. Denn eines stand schon vor WM-Beginn fest. „Das wichtigere Turnier sind für uns die Olympischen Spiele“, sagte Weise. Denn einige Spieler sind dann wieder im besten Alter.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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