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Hockey Und die Soldaten trainieren mit

07.03.2010 ·  Die deutschen Herren sind auf dem Weg ins Halbfinale der Hockey-WM. Aufgrund der diffusen Sicherheitslage und Angst vor Terror bedeutet Abwehrarbeit vor dem Spiel gegen die Niederlande auch, dass die Mannschaft von Sicherheitskräften begleitet wird.

Von Peter Penders
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Für 15 der 18 deutschen Spieler ist dies die erste Hockey-Weltmeisterschaft, nur Moritz Fürste, Jan-Marco Montag und Matthias Witthaus waren schon vor vier Jahren dabei, als Deutschland seinen Titel von 2002 in Mönchengladbach verteidigte. Doch was immer sie schon erlebt haben und noch erleben werden in ihrer Hockey-Laufbahn - diese Titelkämpfe in Neu-Delhi werden ganz sicher die ungewöhnlichsten bleiben. Sportlich liegt die extrem verjüngte deutsche Mannschaft dabei voll im Soll - nach dem Remis zum Auftakt gegen Südkorea (2:2) und den beiden Siegen über Kanada (6:0) (siehe: Hockey-WM: Höchster deutscher Sieg seit 32 Jahren) und Argentinien (4:3) belegt der Titelverteidiger vor den letzten beiden Gruppenspielen gegen die Niederlande an diesem Sonntag (16.05 Uhr) und Neuseeland den zweiten Gruppenplatz, der für das angestrebte Ziel ausreichend wäre. „Das Erreichen des Halbfinales wäre ein gutes Ergebnis, danach kann es auch ganz schnell mehr werden“, sagt Bundestrainer Markus Weise.

In einem Crashkurs hat er sein Team seit dem Olympiasieg 2008 in Peking wieder auf Weltklasse-Niveau getrimmt. Neun Olympiasieger beendeten, als nach WM-Sieg und Goldmedaille nichts mehr an möglichem Ruhm übrig geblieben war und es Zeit wurde, das Studium abzuschließen, ihre Karriere oder pausieren derzeit - teilweise in vergleichsweise jungen Jahren von gerade einmal Mitte zwanzig.

Wie unbekümmert die Nachfolger das schwere Erbe antreten, beeindruckt Weise, und selbst die ungewöhnlichen Umstände dieser WM bringen die neue Mannschaft nicht aus dem Tritt. Wegen der Terrorwarnung einer Al-Qaida-Splittergruppe sind in Neu-Delhi die Sicherheitsmaßnahmen noch einmal drastisch verstärkt worden - offiziell sind rund 15.000 Sicherheitsbeamte im Einsatz, um vor allem die Spieler, aber auch die Besucher zu schützen.

Dass für die Sicherheit alles getan wird, vermittelte den Spielern schon der erste Eindruck nach ihrer Ankunft. Das Fünfsternehotel, in dem alle Mannschaften untergebracht sind, ist hermetisch abgeriegelt, Soldaten haben in mit Sandsäcken gebauten Unterständen Stellung bezogen, auf allen Etagen patrouillieren Polizisten, und auf dem Weg ins Stadion wird der Mannschaftsbus von einer kleinen Armada an Militärfahrzeugen eskortiert.

Morgenlauf im Hotelflur

Indien unternimmt alles, um diese Hockey-WM ohne Zwischenfälle zu Ende zu bringen, schließlich sind diese Titelkämpfe auch von offizieller Seite ein Trockenlauf für ein noch größeres Ereignis. Im Oktober findet in Neu-Delhi mit den Commonwealth-Spielen das größte Sportereignis in Indien seit 1982 statt, und vor allem die teilnehmenden Hockey-Nationen England, Australien und Neuseeland schauen deshalb besonders gut hin. Dem Gastgeberland stellen in diesem Punkt alle eine gute Note aus - die Mannschaften stehen in jeder Hinsicht immer unter Beobachtung.

Absolvierten die deutschen Spieler ihren Morgenlauf in den ersten Tagen auf dem Rundkurs im Hotelflur, so dürfen sie mittlerweile in den Hotelpark, stets begleitet von in voller Montur mitlaufenden Soldaten. Denen jagten die trotzdem zu Scherzen aufgelegten Deutschen erst einmal einen Schrecken ein mit dem Hinweis, stets eine gute Stunde laufen zu wollen - es blieb allerdings wie immer bei der Hälfte. „Und mittlerweile hat man sich daran gewöhnt und merkt die Sicherheitsleute kaum noch“, sagt der Hamburger Ersatztorwart Tim Jessulat, der nach der Verletzung von Max Weinhold mit einigen Paraden den Sieg über Argentinien sicherte und auch gegen die Niederlande wieder zum Einsatz kommen wird.

Schwierige hygienische Verhältnisse - andere Nationen klagen über die ersten Ausfälle mit Durchfallerkrankungen - und die mitunter stickig-heißen klimatischen Bedingungen erschweren die große Aufgabe. Das WM-Turnier ist so ein großes Abenteuer, allerdings nicht ganz so stimmungsvoll wie gedacht. Bislang interessierten sich die Inder nur für die Spieler der eigenen Mannschaft - die meisten Plätze im 20.000 Zuschauer fassenden Hockeystadion blieben ansonsten leer. Nach zwei Niederlagen droht Indien nun aber das vorzeitige Aus im Kampf um einen Halbfinalplatz.

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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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