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Hockey in Indien : Scharf mit Soße

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Entwicklungshelfer: Moritz Fürste bei seinem Teilzeitarbeitgeber, den Ranchi Rhinos Bild: Michael Maske

Drei deutsche Hockeyspieler wurden nach Indien versteigert, um der Liga auf die Beine zu helfen. Soviel Rummel hat das Trio noch nicht erlebt. Jetzt endet das gut bezahlte Vier-Wochen-Abenteuer.

          Das hier ist der reine Wahnsinn“, sagt Moritz Fürste und schüttelt ungläubig den Kopf. Fürste ist Welthockeyspieler, Kapitän der deutschen Nationalmannschaft, Weltmeister und Olympiasieger. „Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Fürste erzählt von den Heimspielen: 7000 Zuschauer passen eigentlich ins Stadion, doch zu jedem Spiel kamen fast 11.000 Fans. „Die machen einen Lärm. Auf dem Platz versteht man sein eigenes Wort nicht mehr.“ Die Fans klettern auf Bäume und die umliegenden Häuserdächer, nur um Fürste und seine Teamkollegen Hockey spielen zu sehen. „Und wenn wir ins Stadion einlaufen, machen alle den Rhino-Gruß.“ Fürste drückt den Daumen der rechten Hand an die Stirn, den kleinen Finger streckt er nach oben in die Luft - das Horn der Ranchi Rhinos.

          Ranchi? Knapp 1,3 Millionen Einwohner, Hauptstadt des Bundesstaates Jharkhand, im Osten Indiens. Dort spielt der Hamburger Fürste, der seit vergangenem Sommer in Diensten des spanischen Klubs Campo Villa de Madrid steht, für die Ranchi Rhinos. „Ich wusste zunächst auch nicht, wo Ranchi liegt“, gibt Fürste zu. Häufig war er jedoch nicht in Ranchi. An diesem Abend sitzt 28-Jährige in einer Hotelbar in Delhi. Baseballmütze, Rhino-Shirt, Jogginghose und Badeschlappen. Dazu ein kühles Bier - Fürste genießt die wenigen freien Stunden.

          Am Morgen ist das Team der Rhinos um sieben Uhr zum Flughafen gefahren, um nach Delhi zu fliegen abends war Videoanalyse, morgen Training, dann stand das Spiel gegen die Delhi Waveriders an, und am nächsten Tag weiter in die nächste Stadt zum nächsten Spiel. „Wir sind eigentlich fast immer unterwegs.“ Der Rhythmus der Hockey-India-League (HIL) kennt kaum Pausen. 14 Spiele in vier Wochen, verteilt quer über den indischen Subkontinent. An diesem Wochenende aber endet das indische Abenteuer. Am Samstag besiegten Fürste und die Rhinos im Halbfinale das Team von Uttar Pradesh Wizards 4:2. Im Finale an diesem Sonntag sind die Delhi Waveriders der Gegner - dort spielen zwei weitere Deutsche.

          Jedes Gebot bedeutete bares Geld

          Indien will wieder zurück an die Hockey-Spitze, dafür hat man sich für einen Monat die besten Spieler der Welt ins Land geholt. Stars aus Australien, den Niederlanden, Neuseeland - und drei deutsche Nationalspieler: Moritz Fürste (für die Ranchi Rhinos), Oskar Deecke und Nicolas Jacobi (beide für die Delhi Waveriders). „Man konnte sich anmelden. Dann wurde man versteigert“, sagt Nicolas Jacobi, der in der Bundesliga für den Uhlenhorster HC spielt. „Es war wie bei eBay, nur dass eben wir selbst versteigert wurden.“ Um 4.30 Uhr morgens saß der deutsche Nationaltorhüter vor seinem Laptop und schaute die Auktion live im Internet an. „Das war schon komisch. Du siehst vorne dein Bild, und fünf Leute heben abwechselnd ihre Schildchen hoch.“ Jedes Gebot bedeutete für die Spieler bares Geld: Fürste beispielsweise verdiente in seinem indischen Monat 84.000 Dollar. „Für dieses Geld müsste ich in Europa lange spielen.“

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