Home
http://www.faz.net/-gtl-75hv5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 04.01.2013, 15:06 Uhr

Hochspringerin Ariane Friedrich Ausflug in den Sand

Nein, es ist kein PR-Gag: Leichtathletin Ariane Friedrich sucht durch einen Abstecher vom Hoch- in den Weitsprung nach Fortschritten für die Trainingsarbeit - und nach Erfolgserlebnissen.

© dpa Baut auf Sand: Ariane Friedrich geht die ungewohnte Aufgabe an gut gelaunt an

Die Botschaft bewegte wieder einmal die Gemüter, und im Forum der fachbezogenen Homepage wurde sogleich munter diskutiert. Kann sie das? Hält ihr Bewegungsapparat stand? Oder ist das nur ein PR-Gag? Ein weiterer, wie süffisant angefügt wurde? Und sollen mit dem avisierten und zeitlich begrenzten Jobwechsel von Ariane Friedrich vom Hoch- zum Weitsprung nicht nur die Sponsoren zufriedengestellt werden? Was noch fehlte, war die Frage, ob ihr Trainer Günter Eisinger das überhaupt kann - Weitsprung trainieren. Aber soweit ist es nicht gekommen. Eine kurze Meldung produzierte in einer nachrichtenarmen Zeit erhebliche Nachwehen. So geht das schon länger bei der bald 29 Jahre alten deutschen Rekordhalterin von der LG Eintracht Frankfurt (2,06 Meter/2009). Doch warum sollte sie den temporären Wechsel vom Vertikal- zum Horizontalsprung nicht mal probieren?

Mehr zum Thema

Die Ursache für das Kurzzeitprojekt Weitsprung in der Hallensaison liegt ein knappes Jahr zurück. Beim Krafttraining verletzte sich Ariane Friedrich an der rechten Schulter, eine Sehne riss in Längsrichtung ein. Direkt nach den Olympischen Spielen ließ sich die Polizeikommissarin operieren, dabei wurde auch ein Stück Knochen entfernt. „Die Operation war keine ganz kleine Sache“, sagt Eisinger. Ariane Friedrich ist mittlerweile längst wieder gesund. Auch die Kraftwerte stimmen, doch an schulterbelastende Maximallasten, etwa beim Reißen, wagt sie sich aus Vernunftgründen nicht heran. Auch das beidarmige Werfen einer Leichtathletik-Kugel fehlt noch im Übungsprogramm. „Und ohne spezifische Übungen hätten Hochsprung-Wettkämpfe keinen Sinn gemacht“, sagt Eisinger. So entstand die Weitsprung-Idee. Und mit Druck von Sponsoren, die auf eine Präsenz seiner Athletin gedrungen hätten, habe dies nun gar nichts zu tun.

„Wir tasten uns langsam heran“

„Wir tasten uns langsam heran“, sagt Eisinger. Zweimal sagt er das. Zunächst geht es um die Maximalbelastungen im Kraftraum, zum anderen um den Weitsprung. Mit verkürztem Anlauf, etwa 10,50 Meter, sei Ariane Friedrich weiter als fünf Meter gesprungen, mit Höchstgeschwindigkeit sollte es dann schon eine Sechs vor dem Komma werden. Dann, und nur dann, wird sie bei den hessischen Hallenmeisterschaften am 12. Januar in Stadtallendorf starten. „Es ist nicht verkehrt, in einer Übergangsphase etwas Anderes zu machen“, sagt Eisinger. Ob es richtig ist, kann Ariane Friedrich nur mit Leistung beweisen - genauso wie zuletzt bei den Olympischen Spielen. Ihre 1,93 Meter und das Ausscheiden in der Qualifikation waren für einige Beobachter Grund genug für zumindest bösen Spott. Ein Weitsprung von nur wenig mehr als sechs Metern hätte dieselbe Konsequenz. Geht sie mit 6,20 bis 6,30 Meter aus der Grube und sagt, „das hat Spaß gemacht“, wäre für sie die Welt mit dem Blick auf alle Kritiker in spe in Ordnung.

Bild Friedrich © dpa Vergrößern Schnürt ihre Spikes vorübergehend für die Sandgrube: Hochspringerin Friedrich

Dass Hochsprung nicht immer alles sein muss, haben die amerikanische Hallen-Weltmeisterin Chaunté Lowe mit 6,90 Metern im Weitsprung und der WM-Dritte von 2009, Raul Spank aus Dresden, mit diversen Abstechern zum Dreisprung (16,54 Meter) bewiesen. Und Eisinger hat in seiner langen Karriere auch schon Weitspringer zu Bestweiten trainiert. Etwa Brigitte Mandel (6,49 Meter/1982), Frank Loeven (7,90/2000), Hartmut Eifler (7,92/1987) und Axel Dimmel (7,74/1989). Dass im Vorbeigehen mit sehr kurzer Vorbereitungszeit keine absolute Topleistung im Weitsprung zu erwarten ist, dürfte dem Duo Friedrich/Eisinger bewusst sein. Denn schon der Olympiasieger von 1984, Dietmar Mögenburg (2,39 Meter), blieb bei seinem zwischenzeitlichen Ausflug in den Sand ebenso deutlich unter acht Metern wie der WM-Dritte Martin Buß (2,36).

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Vorwahlen in Amerika Hauptsache gegen das Establishment

Dass Bernie Sanders und Donald Trump die Vorwahlen in New Hampshire gewonnen haben, war keine Überraschung. Auch eine Vorentscheidung ist es noch nicht. Doch zeugt das Ergebnis vom größten Problem beider Parteien. Mehr Von Simon Riesche, Washington

10.02.2016, 07:49 Uhr | Politik
Raumfahrt Ariane-Rakete erfolgreich ins All gestartet

Die Europäische Weltraumbehörde ESA veröffentlicht Bilder vom ersten Start einer Ariane-5-Rakete in diesem Jahr. Sie transportiert einen Kommunikations-Satelliten in den Weltraum. Mehr

28.01.2016, 10:22 Uhr | Wissen
Olympia-Abfahrt in Südkorea Das wird ein Spaß!

Die alpinen Skirennfahrer testen die neue Olympia-Abfahrt in Jeongseon, auf der am Wochenende Abfahrt und Super-G gefahren werden. Die ersten Eindrücke sind überraschend positiv. Mehr

03.02.2016, 12:39 Uhr | Sport
Dopingskandal Adidas kündigt angeblich Sponsorenvertrag mit IAAF

Der Leichtathletik-Weltverband IAAF wird laut der BBC wegen des Dopingskandals seinen größten Sponsor verlieren. Mehr

25.01.2016, 12:12 Uhr | Wirtschaft
Sicherungstechnik So funktioniert das Zugsicherungssystem PZB

Die Punktförmige Zugbeeinflussung (PZB) ist eine Sicherungstechnik im Zugverkehr, die menschliche Fahrfehler ausgleichen soll. Wenn Haltesignale überfahren werden, bremst sie Züge automatisch ab. Warum das System diesmal versagte, ist noch nicht klar. Mehr

09.02.2016, 13:03 Uhr | Gesellschaft

Stichtag Valentinstag

Von Achim Dreis

Für die Florett-Herren fiel Aschermittwoch auf Karnevals-Sonntag. Die Degen-Kollegen hegen noch eine kleine Olympia-Chance. Der allgemeine Niedergang der Fechter kommt nicht überraschend. Mehr 1