Home
http://www.faz.net/-gtl-75hv5
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Hochspringerin Ariane Friedrich Ausflug in den Sand

Nein, es ist kein PR-Gag: Leichtathletin Ariane Friedrich sucht durch einen Abstecher vom Hoch- in den Weitsprung nach Fortschritten für die Trainingsarbeit - und nach Erfolgserlebnissen.

© dpa Vergrößern Baut auf Sand: Ariane Friedrich geht die ungewohnte Aufgabe an gut gelaunt an

Die Botschaft bewegte wieder einmal die Gemüter, und im Forum der fachbezogenen Homepage wurde sogleich munter diskutiert. Kann sie das? Hält ihr Bewegungsapparat stand? Oder ist das nur ein PR-Gag? Ein weiterer, wie süffisant angefügt wurde? Und sollen mit dem avisierten und zeitlich begrenzten Jobwechsel von Ariane Friedrich vom Hoch- zum Weitsprung nicht nur die Sponsoren zufriedengestellt werden? Was noch fehlte, war die Frage, ob ihr Trainer Günter Eisinger das überhaupt kann - Weitsprung trainieren. Aber soweit ist es nicht gekommen. Eine kurze Meldung produzierte in einer nachrichtenarmen Zeit erhebliche Nachwehen. So geht das schon länger bei der bald 29 Jahre alten deutschen Rekordhalterin von der LG Eintracht Frankfurt (2,06 Meter/2009). Doch warum sollte sie den temporären Wechsel vom Vertikal- zum Horizontalsprung nicht mal probieren?

Mehr zum Thema

Die Ursache für das Kurzzeitprojekt Weitsprung in der Hallensaison liegt ein knappes Jahr zurück. Beim Krafttraining verletzte sich Ariane Friedrich an der rechten Schulter, eine Sehne riss in Längsrichtung ein. Direkt nach den Olympischen Spielen ließ sich die Polizeikommissarin operieren, dabei wurde auch ein Stück Knochen entfernt. „Die Operation war keine ganz kleine Sache“, sagt Eisinger. Ariane Friedrich ist mittlerweile längst wieder gesund. Auch die Kraftwerte stimmen, doch an schulterbelastende Maximallasten, etwa beim Reißen, wagt sie sich aus Vernunftgründen nicht heran. Auch das beidarmige Werfen einer Leichtathletik-Kugel fehlt noch im Übungsprogramm. „Und ohne spezifische Übungen hätten Hochsprung-Wettkämpfe keinen Sinn gemacht“, sagt Eisinger. So entstand die Weitsprung-Idee. Und mit Druck von Sponsoren, die auf eine Präsenz seiner Athletin gedrungen hätten, habe dies nun gar nichts zu tun.

„Wir tasten uns langsam heran“

„Wir tasten uns langsam heran“, sagt Eisinger. Zweimal sagt er das. Zunächst geht es um die Maximalbelastungen im Kraftraum, zum anderen um den Weitsprung. Mit verkürztem Anlauf, etwa 10,50 Meter, sei Ariane Friedrich weiter als fünf Meter gesprungen, mit Höchstgeschwindigkeit sollte es dann schon eine Sechs vor dem Komma werden. Dann, und nur dann, wird sie bei den hessischen Hallenmeisterschaften am 12. Januar in Stadtallendorf starten. „Es ist nicht verkehrt, in einer Übergangsphase etwas Anderes zu machen“, sagt Eisinger. Ob es richtig ist, kann Ariane Friedrich nur mit Leistung beweisen - genauso wie zuletzt bei den Olympischen Spielen. Ihre 1,93 Meter und das Ausscheiden in der Qualifikation waren für einige Beobachter Grund genug für zumindest bösen Spott. Ein Weitsprung von nur wenig mehr als sechs Metern hätte dieselbe Konsequenz. Geht sie mit 6,20 bis 6,30 Meter aus der Grube und sagt, „das hat Spaß gemacht“, wäre für sie die Welt mit dem Blick auf alle Kritiker in spe in Ordnung.

Bild Friedrich © dpa Vergrößern Schnürt ihre Spikes vorübergehend für die Sandgrube: Hochspringerin Friedrich

Dass Hochsprung nicht immer alles sein muss, haben die amerikanische Hallen-Weltmeisterin Chaunté Lowe mit 6,90 Metern im Weitsprung und der WM-Dritte von 2009, Raul Spank aus Dresden, mit diversen Abstechern zum Dreisprung (16,54 Meter) bewiesen. Und Eisinger hat in seiner langen Karriere auch schon Weitspringer zu Bestweiten trainiert. Etwa Brigitte Mandel (6,49 Meter/1982), Frank Loeven (7,90/2000), Hartmut Eifler (7,92/1987) und Axel Dimmel (7,74/1989). Dass im Vorbeigehen mit sehr kurzer Vorbereitungszeit keine absolute Topleistung im Weitsprung zu erwarten ist, dürfte dem Duo Friedrich/Eisinger bewusst sein. Denn schon der Olympiasieger von 1984, Dietmar Mögenburg (2,39 Meter), blieb bei seinem zwischenzeitlichen Ausflug in den Sand ebenso deutlich unter acht Metern wie der WM-Dritte Martin Buß (2,36).

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Zehnkämpfer Arthur Abele Der Achilles der Leichtathleten

Dem Schmerzensmann der deutschen Leichtathletik bleibt das Verletzungspech treu. Der Hallen-EM-Zweite Arthur Abele fällt mit einem Achillessehnenriss für WM aus. Mehr

22.04.2015, 13:03 Uhr | Sport
Neue Technik Roboter läuft, sieht und tastet wie eine Heuschrecke

Die Forschungsgruppe Biomechatronik der Universität Bielefeld hat einen sechsbeinigen Roboter entwickelt, der sich selbst das Laufen auf unebenem Gelände beibringt. Als Vorbild für die Konstruktion diente eine Stabheuschrecke. Später soll Hector auch sehen und tasten können. Mehr

28.01.2015, 15:29 Uhr | Technik-Motor
Gedenken an Günter Grass Nachlese

Zwei Gedenkfeiern für Günter Grass sind in Planung. Eine richtet das Grass-Haus in Lübeck aus, in Hamburg wird dem verstorbenen Literaturnobelpreisträger ein Festival gewidmet. Mehr

14.04.2015, 16:05 Uhr | Feuilleton
Besonderer Anblick Wal rammt Touristenboot

Bei einem Whale-Watching-Ausflug geht es, wie der Name schon sagt, darum, Wale zu beobachten - am besten aus nächster Nähe. Ein Boot mit Touristen vor der Insel Maui ist einem Buckelwal nun etwas zu nahe gekommen. Die Walkuh rammte das Boot, anstatt darunter durch zu tauchen. Mehr

14.01.2015, 16:40 Uhr | Gesellschaft
Optisches Museum Wo Besucher schrumpfen

Zum Staunen in die Scheue: Im optischen Museum von Leinroden kann man seinen Sinnen nicht trauen. Ein Professor erklärt die Phänomene. Mehr Von Milena Schurr, Rosenstein-Gymnasium, Heubach

22.04.2015, 13:52 Uhr | Gesellschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.01.2013, 15:06 Uhr

Bitterer Europarekord

Von Daniel Meuren

Der FFC Frankfurt hat nach einem Vier-Runden-Spaziergang das Finale der Champions League erreicht. Die ernsthafte Konkurrenz hat sich derweil gegenseitig eliminiert. Die Uefa muss dringend über eine Setzliste nachdenken. Mehr 2