Home
http://www.faz.net/-gub-12tck
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Henry Maske spielt Max Schmeling „Wir drehen hier keinen Rocky-Film“

Das Leben Max Schmelings wird verfilmt, mit Henry Maske in der Hauptrolle. In Zagreb lässt Regisseur Uwe Boll Schmelings letzten Kampf nachstellen - und verfälscht für mehr Emotionen auch den Abgang des Boxidols.

© AP Vergrößern Verblüffende Ähnlichkeit - mit Schminke: Henry Maske spielt Max Schmeling

Kinokämpfe finden eben auch wirklich statt. Anders als im wahren Boxen, in dem innerhalb der letzten fünf Tage gleich zwei Weltmeisterschaften im Schwergewicht platzten, bietet die Filmbranche sogar ein Ereignis wie Henry Maske gegen Arthur Abraham. Möglich machten das spektakuläre Duell des einstigen gegen den aktuellen Champion die Dreharbeiten in der Arena Zagreb für den Film „Max Schmeling“ am Mittwoch vor rund 700 Komparsen, die in der Mode der Vor- und Nachkriegszeit gekleidet waren.

Maske spielt „Maxe“ und sieht dank der schwarz gefärbten Haaren und buschigen Augenbrauen der vor vier Jahren im Alter von 99 Jahren verstorbenen Legende sogar verblüffend ähnlich. Der Linkshänder stellte natürlich auch seine Rechtsauslage auf den normalen Stil um. Abraham in der Rolle von Richard Vogt in Schmelings letztem Kampf am 31. Oktober 1948 ist hingegen Abraham geblieben.

Mehr zum Thema

„Du musst keine Angst haben, mich zu treffen“, so stellte Maske, ganz Assistent von Regisseur Uwe Boll, den Weltmeister im Mittelgewicht auf den „Kampf“ ein. „Es muss echt aussehen.“ Dennoch begann der Vogt-Darsteller das Sparring viel zu sanft und zu zaghaft. „Cut“, unterbrach Boll den ersten Schlagabtausch. „Das muss brutal aussehen, ohne dass wirklich etwas dahinter steckt. Wir drehen hier keinen Rocky-Film.“ Nach Absprache dominiert erst Schmeling, der dann schlapp macht und von Vogt sogar zu Boden geschlagen wird. Maske wies Abraham an, wann er sein Kinn freigebe für den rechten Schlag.

Niederlage im Yankee Stadium: Max Schmeling (auf den Knien) geht gegen Joe Louis k.o. © picture-alliance / IMAGNO/Austri Vergrößern Niederlage im Yankee Stadium: Max Schmeling (auf den Knien) geht gegen Joe Louis k.o.

Fast fünf Stunden dauerten die Aufnahmen, bis das Finale des Films im Kasten war. Immer wieder mussten Szenen wiederholt werden. Etwa, weil der beleibte Ringrichter, gespielt vom deutschen Boxfaktotum Walter Knieps, den Arm des Siegers nach der überraschenden Aufgabe der Ikone vor der zehnten Runde zu lange in der Höhe hielt. Maske machte des öfteren Liegestütze, um für seine gut ein halbes Dutzend Mal aufgenommene, stockende Abschiedsrede über Mikrophon außer Atem zu sein. „Ich danke euch. Dies war mein letzter Kampf. Ich fühle mich geschlagen. Aber ich verlasse den Ring aufrecht. Habt Dank.“ Totenstille.

Verfälschtes Ende - im Sinne der Emotionen

Schmeling alias Maske steigt wacklig die Ringtreppe hinab und wird von seiner Frau Anny Ondra, gespielt von der österreichischen Schauspielerin Susanne Wüst, innig umarmt. Stehende Ovationen. Boll und Maske haben sich mit Billigung der Max-Schmeling-Stiftung die Freiheit genommen, den Abschied „für ein emotionaleres und spannenderes“ Filmende zu verfälschen. In Wirklichkeit hatte Schmeling nach zehn Runden nach Punkten verloren und vor der Urteilsverkündung seinen Trainer Max Machon verkünden lassen: „Das war sein letzter Kampf.“

Übrigens: Im Film wird nur mit einem Satz erwähnt, dass auch im Boxerleben Schmelings vor 72 Jahren ein WM-Kampf kurzfristig geplatzt war. Der legitime Herausforderer, K.-o.-Sieger über Joe Louis, war bereits gewogen. Der Champion James J. Braddock (Cinderella Man) erschien nicht zum Wiegen.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Hessischer Rundfunk Mit der Wahrheit nimmt man es nicht so genau

Der Hessische Rundfunk bedauert, in mehreren Sendungen Rankings manipuliert zu haben. Doch seien gewisse Manipulationen im Prinzip in Ordnung, solange es für die Zuschauer transparent gemacht werde. Mehr

15.08.2014, 10:09 Uhr | Rhein-Main
Zum Siebzigsten von Peter Weir Der Meister der übersinnlichen Dinge

„Der Club der toten Dichter“ mit Robin Williams machte auch ihn berühmt. An diesem Donnerstag wird der australische Regisseur Peter Weir siebzig Jahre alt. Mehr

21.08.2014, 12:05 Uhr | Feuilleton
Zum Tod von Richard Attenborough Ein Großonkel für alle

Er hatte das Kino mit all seinen monumentalen Mitteln genutzt, um der Geschichte, in der England seine Weltmacht einbüßte, ein Denkmal zu setzen. Dafür lieben ihn vor allem und mit aller Kraft die Engländer. Zum Tod von Richard Attenborough. Mehr

25.08.2014, 18:09 Uhr | Feuilleton
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.06.2009, 18:34 Uhr

International keine Rede wert

Von Michael Horeni

30 Millionen für Benatia? Zahlen die Bayern gerne. Der Schlussverkauf geht auf die Zielgerade. Auf dem internationalen Fußballer-Konsumniveau ist diese Summe aber nur ein durchlaufender Posten auf eher mittlerem Niveau. Mehr 1 5

Ergebnisse, Tabellen und Statistik