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Heiner Brand im Interview „Für mein Ego brauche ich keine Erfolge mehr“

22.12.2007 ·  Er ist inzwischen eine Handball-Legende: Heiner Brand, Weltmeister von 1978 und 2007. Er wurde zum „Trainer des Jahres“ gekürt. Auch für das kommende Jahr hat er große Pläne. Doch Rückschläge sind einkalkuliert, wie er im Interview mit der F.A.Z. verrät.

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Er ist inzwischen eine Handball-Legende: Heiner Brand, 55 Jahre alt, Weltmeister von 1978 und 2007. Der Gummersbacher wurde vom DOSB zum „Trainer des Jahres“ gekürt und hat andere Auszeichnungen en masse gesammelt.

Haben Sie in diesem Jahr lernen müssen, „nein“ zu sagen?

Ja, mit Sicherheit. Obwohl ich versucht habe, so viele Termine wie möglich wahrzunehmen. Ich denke, dass es für unsere Sportart wichtig war. Wir haben schließlich die Anerkennung bekommen, die wir immer angestrebt haben.

Sie dürften einer der beliebtesten Deutschen sein. Sind Sie inzwischen auch für politische Bewegungen interessant geworden?

Ich habe nur bei einer Kampagne mitgemacht, bei der „Initiative neue soziale Marktwirtschaft“, die die Ideen von Ludwig Erhard verkörpert. Sonst halte ich mich jedoch mit politischem Engagement zurück.

Und wenn nun eine Organisation auf Sie zukäme, die Menschenrechtsverletzungen anprangert – etwa in China, dem Land der nächsten Olympischen Spiele?

Wenn es um Menschenrechte geht, bin ich grundsätzlich schon interessiert. Aber ich tue mich sehr schwer damit, wenn ich in Verbindung mit Menschenrechtsverletzungen von Forderungen nach einem Olympia-Boykott lese. Ich habe einmal einen Boykott mitgemacht und habe gesehen, wie konsequent er durchgeführt worden ist – im Prinzip war nur der Sport betroffen. Da werde ich mit Sicherheit in Richtung Peking nichts machen.

Blendet man als Trainer – oder auch als Sportler – die Probleme eines Landes, in dem man sich gerade aufhält, aus?

Wir als Sportler werden das schon ausblenden. Da ist man so auf den Wettkampf fixiert, dass man das nicht so wahrnehmen wird.

Auch der Handball selbst scheint ein großes Problem zu haben, nämlich Korruption. Wegen angeblicher Manipulation durch Schiedsrichter in der Olympiaqualifikation soll sogar der Olympiastatus des Handballs gefährdet gewesen sein.

Da sehe ich keine Gefahr für uns. Ich bin natürlich daran interessiert, dass das richtiggestellt wird – nach allem, was ich gehört habe, muss es ja wirklich ein Skandal gewesen sein. Aber ich sehe nicht die Notwendigkeit, dass wir in Deutschland alleine dieses Thema aufarbeiten.

2008 wartet nicht nur Olympia auf Sie. Im Januar schon muss sich Weltmeister Deutschland bei der Europameisterschaft in Norwegen beweisen. Haben Sie Angst vor sportlichen Rückschlägen im nächsten Jahr?

Angst nicht. Zum einen weiß ich, dass es immer Rückschläge geben kann. Darauf muss man gefasst sein. Wir sind auch nicht so vermessen, zu glauben, dass für uns als Weltmeister weitere Erfolge zwangsläufig kommen. Wenn wir eine gewisse Qualität schaffen in unserem Spiel, werden wir allerdings immer auch Erfolg haben und oben dabei sein.

Sie haben Ihren Vertrag unlängst bis 2013 verlängert und setzen sich damit weiterhin auch den Unwägbarkeiten des Sports aus. Wäre es nicht besser gewesen, nach der WM – wie Sie es schon mal im Scherz angedeutet hatten – aufzuhören?

Ich habe in meiner Zeit auch als Bundestrainer schon alle Unwägbarkeiten mitgemacht. Wenn es irgendwie schieflaufen sollte, würde ich damit umgehen können. Für mein Ego wie auch für die Meinung der Öffentlichkeit über mich bin ich nicht mehr auf Erfolge angewiesen. Ich habe mir ja überlegt, ob ich noch einmal etwas anderes machen will, und bin dann zu der Überzeugung gekommen: Das ist eine Arbeit, die dir Spaß macht, und du hast die Unterstützung des Präsidiums.

Fühlen Sie sich als Bundestrainer inzwischen unantastbar?

Nein, nein, so blauäugig sollte man nicht sein. Man muss sich darüber im klaren sein, dass bei Misserfolgen Kritik käme, aus irgendeiner Ecke vielleicht sogar ungerechtfertigte Kritik. Ich gehe davon aus, dass sich nicht alle Leute freuen, wenn ich im Rampenlicht stehe.

Das Gespräch führte Rainer Seele.

Er ist inzwischen eine Handball-Legende:
Heiner Brand, 55 Jahre alt, Weltmeister von 1978 und 2007. Der Gummersbacher wurde vom DOSB zum
Trainer des Jahres
gekürt und hat andere Auszeichnungen en masse gesammelt.

Das vollständige Interview lesen Sie im Sportteil der F.A.Z. vom 22. Dezember.

Quelle: F.A.Z.
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