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Rugby : Keine Challenge für deutschen Meister

Zupackend: Heidelberger Rugbyspieler (in rot) Bild: EPA

Die Männer vom Heidelberger Ruderklub sind im deutschen Rugby eine Macht. Das souveräne Meisterteam qualifiziert sich sogar für den europäischen Challenge-Cup. Doch nun gibt es einen unerwarteten Rückschlag.

          Eine Macht im deutschen Rugby, im Prinzip unantastbar: Der Heidelberger Ruderklub (HRK) zieht einsam seine Kreise, er hat in den vergangenen Jahren Titel um Titel geholt. Und er ist auch in dieser Saison das Maß aller Dinge. Der HRK musste noch nicht einmal ganz aus sich herausgehen, um auch diesmal die Meisterschaft zu erringen. Er bezwang am Samstag in Berlin die Rudergesellschaft Heidelberg (RGH) mühelos 47:12.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Der HRK verfügt über ein sehr eingespieltes Team, mit Kräften, die aus Australien oder Südafrika stammen, aber inzwischen „Rugby-Deutsche“ und somit auch für das Nationalteam spielberechtigt sind. Die Heidelberger Mannschaft wird maßgeblich durch die „Wild Rugby Academy“ (WRA) unterstützt, die von dem Milliardär Hans-Peter Wild gegründet wurde. Diese Förderung ermöglicht ein professionelles Arbeiten, der HRK hebt sich damit deutlich von allen Bundesliga-Konkurrenten ab.

          Die Nordbadener schafften unlängst sogar das Kunststück, sich als erstes deutsches Team für den Challenge-Cup zu qualifizieren. Das ist der zweitwichtigste europäische Klubwettbewerb im Rugby, vergleichbar mit der Europa League im Fußball. Dieser Tage mussten die Heidelberger in dieser Sache aber einen schweren Rückschlag hinnehmen: Die Turnierorganisatoren untersagten dem HRK die Teilnahme am Challenge Cup wegen eines möglichen Interessenkonflikts.

          Der Unternehmer Wild nämlich ist seit Sommer 2017 auch Eigentümer des Pariser Traditionsvereins Stade Français. Die Franzosen gleichzeitig mit dem Emporkömmling HRK im Europapokal? Ausgeschlossen! „Für die Jungs ist das eine Katastrophe“, sagt WRA-Manager Robert Mohr zur Situation der Heidelberger. „Sie hatten schließlich geliefert.“ Der ehemalige Nationalspieler immerhin muss auf den Challenge Cup nicht verzichten: Er ist auch Sportdirektor bei Stade Français.

          Der HRK hatte auch das Gros des Nationalteams gestellt, bis es zu einem Zerwürfnis zwischen Wild und dem Deutschen Rugby-Verband (DRV) kam. Die HRK-Stars traten danach nicht mehr für Deutschland an – mit der Folge, dass das Fünfzehner-Nationalteam unter der Führung des offensichtlich heillos überforderten DRV krachende Niederlagen in der EM-Division 1A erlitt. Und damit eigentlich auch die Chance verspielte, bei der WM 2019 in Japan dabei zu sein. Das ist nun, kuriose Fügung, doch wieder möglich, da etliche Rivalen der Deutschen mit gravierenden Punktabzügen belegt wurden; es ging dabei um Spieler, die nicht hätten eingesetzt werden dürfen.

          Deutschland machte dadurch in jedem Fall am „grünen Tisch“ in der Tabelle einen großen Sprung nach vorne und kämpft wieder um einen Platz bei der WM. Zunächst Mitte Juni in Heidelberg gegen Portugal. Ob dann die HRK-Asse wieder am Ball sein werden, ist noch nicht bekannt. Immerhin haben DRV und WRA wieder Gespräche aufgenommen, unter Beteiligung des Rugby-Weltverbandes. An HRK und WRA führt im deutschen Rugby schließlich kein Weg vorbei.

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