http://www.faz.net/-gtl-911ji

Handbikerin Christiane Reppe : Weltmeisterin – und vom eigenen Verband vergessen

Christiane Reppe holte in Rio de Janeiro Gold. Bei der WM darf sie nun nicht starten. Bild: Picture-Alliance

Eine Weltmeisterin darf nicht zur WM – weil ihr Verband schlichtweg vergisst, sie zu melden. Für die beinamputierte Sportlerin ist der Fall nicht nur ärgerlich – er könnte auch finanzielle Konsequenzen haben.

          „Heute ist ein sehr schwarzer Tag für mich“, schreibt Christiane Reppe, Weltmeisterin im Handbike-Straßenrennen, auf ihrer Facebook-Seite. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hatte es versäumt, sie zu den Weltmeisterschaften in Südafrika anzumelden. Reppe war schon im Höhentrainingslager in St. Moritz, um sich auf die Paracycling-WM vorzubereiten, die vom 31. August bis zum 3. September 2017 in Pietermaritzburg stattfindet. Auch Flug und Hotel waren schon gebucht, als die Radsportlerin die „sehr schreckliche Nachricht“ erhielt, die sie „sehr traurig macht“ – ausgerechnet einen Tag nach ihrem 30. Geburtstag. Ihr Trainer Ralf Lindschulten kommentierte den Vorfall auf Facebook mit den Worten: „Es gibt Dinge, die kann und will ich nicht verstehen!!!!“

          Schließlich hatte die Siegerin der Paralympischen Spiele von Rio de Janeiro 2016 und mehrfache Weltcup-Siegerin 2017 im Handbike allerbeste Medaillenchancen. „Das war definitiv unsere Schuld, unser Fehler, der uns außerordentlich leidtut“, sagte Markéta Marzoli, Sprecherin des DBS. Es sei ein „menschlicher Fehler“ gewesen: Ein Mitarbeiter des DBS habe den Namen der Spitzensportlerin versehentlich nicht in das Formular des die WM ausrichtenden Internationalen Radsportverbandes (UCI) übertragen. Dies sei erst aufgefallen, als die UCI die Teilnehmerliste veröffentlichte. Der DBS hatte laut eigener Aussage vorher keine Unterlagen zum Abgleich erhalten. Als dann die offizielle Liste erschien, sei die Nominierungsfrist schon verstrichen gewesen. Die UCI widersprach dieser Darstellung auf Nachfrage nicht.

          Vor einem Jahr noch freute sie sich über den Sieg in Rio.
          Vor einem Jahr noch freute sie sich über den Sieg in Rio. : Bild: Picture-Alliance

          Natürlich habe der DBS nichts unversucht gelassen, um diesen Fehler wieder auszubügeln, sagte Marzoli. Nachdem eine verspätete Anmeldungsanfrage direkt an die UCI gescheitert war, habe der DBS es noch einmal mit Hilfe des Bunds Deutscher Radfahrer (BDR) versucht, der Mitglied der UCI ist. Auch dieser Plan B blieb erfolglos. Plan C sei dann gewesen, das Einverständnis für eine Nachmeldung bei den beiden anderen Ländern einzuholen, die für diese WM Teilnehmerinnen in Reppes Behinderungsklasse (WH4) gemeldet hatten  – Russland und die Schweiz. Daraufhin hätten sowohl der russische als auch der schweizerische Verband ihr Einverständnis bei der UCI bekundet und sich für eine Teilnahme der deutschen Sportlerin eingesetzt. Doch am Ende blieben alle Versuche vergebens. Laut DBS hält die UCI aus Prinzip an ihren Regularien fest. Denn auch bei anderen Ländern komme es immer wieder zu Fehlern bei der Anmeldung.

          So kommen Reppe schon wieder unverschuldet Medaillen abhanden. Dabei hatte sie gerade erst das verschollene Gold von Rio als „Ersatz-Gold“ in einer feierlichen Zeremonie wiederbekommen – im Rahmen der Sportlergala in ihrem Geburtsort, wo sie im April zudem den „Sonderpreis der Landeshauptstadt Dresden für sportliche Spitzenleistungen“ erhalten hatte. Die ursprüngliche Goldmedaille der Paralympischen Spiele war der Siegerin vermutlich auf einer Pressekonferenz in Berlin Anfang Oktober 2016 entwendet worden.

          „Das Leben spielt dir manchmal Streiche und testet dich auf den verschiedensten Wegen...“, schreibt nun die Sportlerin, die nicht aufzugeben scheint und sich als Motivationsrednerin bezeichnet. Schon mit 5 Jahren verlor sie wegen eines bösartigen Tumors ihr rechtes Bein. Nachdem sie dann Ski gefahren war, wechselte das Multitalent zum Schwimmen und holte in dieser Disziplin mit nur 15 Jahren gleich zwei Bronzemedaillen bei den Weltmeisterschaften. Es folgten weitere Weltmeister- und paralympische Titel, bevor Reppe 2013 wieder die Sportart wechselte und sich dem Handbike widmete. 2014 und 2015 wurde sie daraufhin Weltmeisterin im Handbike-Straßenrennen und gewann in dieser Disziplin 2016 auch die Paralympischen Spiele.

          Deshalb hatte die Athletin auch innerhalb des DBS als eine der Favoritinnen gegolten. Nach der Organisationspanne des Verbands habe somit zumindest erwirkt werden können, dass die Studentin nun nicht die Förderungen verliere, die sie zum Beispiel im Rahmen der „dualen Karriere“ erhält, sagte Marzoli vom DBS. Auch Reppe selbst gibt sich sportlich: Sie werde trotzdem zum Anfeuern mit ihrem Team nach Südafrika reisen, das „Lachen nicht verlieren, weiterhin an das Gute glauben und positiv in die Zukunft blicken“. Erklärtes Ziel sind die Paralympischen Spiele in Tokio 2020. Das wären dann die fünften Spiele in ihrer Karriere – sofern niemand die Anmeldung vergisst.

          Quelle: F.A.Z.

          Weitere Themen

          Barcelona festigt Tabellenführung Video-Seite öffnen

          Spanische Liga : Barcelona festigt Tabellenführung

          Vier Tage vor dem Spiel gegen Juventus Turin in der Champions League festigt der FC Barcelona seinen Spitzenplatz. Bei einem souveränen 3:0-Erfolg bei Leganes war nicht nur Suarez erfolgreich.

          Topmeldungen

          Kommentar : Die Notbremse der Liberalen

          Die FDP konnte in dieser Koalition nichts gewinnen. Die Grünen waren am Drücker. Also nochmal wählen? Das Grundgesetz spricht eine andere Sprache. Und eine Neuwahl könnte auch Merkel in die Sackgasse führen.

          Nach Jamaika-Aus : Kommen jetzt Neuwahlen?

          Die Verhandlungen über ein Bündnis zwischen Union, FDP und Grünen sind gescheitert. Die SPD lehnt eine Regierungsbeteiligung weiterhin ab. Der Schlüssel zu Neuwahlen liegt beim Bundespräsidenten.
          Anne Will diskutiert in ihrer Sendung am 19. November 2017 mit ihren Gästen über die Jamaika-Sondierungsgespräche.

          TV-Kritik: Anne Will : Ende eines Schauspiels

          Diese Nacht verkündet der FDP-Vorsitzende das Scheitern der Sondierungsgespräche. Für eine solche Situation gibt es ein im Grundgesetz exakt definiertes Verfahren. Das scheinen aber nicht einmal die Politiker zu verstehen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.