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Heiner Brand im Gespräch „Ich will kein Grüß-Onkel sein“

 ·  Mit einer furiosen Leistung stürmte die deutsche Handball-Nationalmannschaft in das WM-Achtelfinale gegen Mazedonien (15.45 Uhr). Im F.A.S.-Interview spricht DHB-Sportmanager Heiner Brand über das Nationalteam und seine Zukunft beim Handball-Verband.

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© dpa Lieber Gestalter als Grüß-Onkel: Heiner Brand will beim DHB Fachwissen einbringen

Überkommt Sie manchmal das Verlangen, wieder als Trainer zu arbeiten - gerade wenn Sie ein mitreißendes Spiel der deutschen Mannschaft wie gegen Frankreich sehen?

Nein, davon bin ich ganz weit weg. Das war von Anfang so, dass ich die notwendige Distanz hatte. Als ich aufgehört hatte, war das ja kein spontaner Entschluss. Obwohl man das nicht ganz ausschalten kann: Wenn man auf der Tribüne sitzt wie jetzt in Spanien, beobachtet man das Geschehen auch aus Trainer-Gesichtspunkten. Aber es ist nicht so, dass man gefühlsmäßig meint, man müsste unten am Spielfeld sein.

Geben Sie Ihrem Nachfolger Martin Heuberger dann und wann einen Rat?

Ich würde nie hingehen und ihm Tipps geben, schon aus Respekt ihm gegenüber. Es gibt da keinerlei Initiative von meiner Seite aus.

Wie beurteilen Sie die Entwicklung von Heuberger, dessen Coaching bei der Weltmeisterschaft kritisiert wurde - bevor Deutschland überraschend als Gruppenerster in das Achtelfinale an diesem Sonntag gegen Mazedonien einzog?

Diese Kritik habe ich als total unpassend angesehen. Ich habe nicht wahrgenommen, dass er hektisch gewesen wäre. Zweifel an ihm und seiner Arbeit sind unberechtigt. Das hat sich zuletzt ja auch deutlich gezeigt.

Plötzlich war sogar Alfred Gislason als möglicher neuer Bundestrainer im Gespräch - hat Sie das irritiert?

Ich fand das fast charakterlos.

Angeblich soll eine Opposition im deutschen Handball das lanciert haben.

Bei den vielen Strömungen derzeit im deutschen Handball und den vielen Bewerbungen von Menschen, die sich selbst für ein Amt ins Gespräch bringen, den Überblick zu behalten, fällt mir etwas schwer.

Steckt der Deutsche Handballbund (DHB), dessen Präsident Ulrich Strombach im Herbst abtreten wird, in einem Machtkampf?

Das ist total unnötig. Es macht nach außen den Eindruck, als wäre der Verband in einer desaströsen Situation. Dabei ist das Gegenteil der Fall. Unser Ansehen und unsere Leistungen sind definitiv gut. Und wir sind ja auch unter keinerlei Zeitdruck. Es finden in nächster Zeit auch noch Diskussionen im erweiterten Präsidium statt, welche Strukturen der DHB künftig haben soll. Es ist deshalb unsinnig, jetzt schon über Posten zu reden.

Das Image des Nationalteams - und des deutschen Handballs - ist nach einigen sportlichen Enttäuschungen in der jüngeren Vergangenheit trotzdem verbesserungswürdig. Das Achtelfinale allein dürfte dafür kaum reichen.

Ein Achtelfinale reicht grundsätzlich sicherlich nicht. Der DHB muss generell den dauerhaften Anspruch haben, mit allen Teams in der Spitze mitzuspielen. Man muss oben dabei sein. Dann kommt irgendwann auch wieder ein Titel. Wir haben jetzt allerdings eine Ausnahmesituation mit teilweise jüngeren und international unerfahrenen Spielern. Aber ich glaube, dass wir in Spanien das Viertelfinale durchaus schaffen können.

Der Flensburger Holger Glandorf hatte für die WM abgesagt. Mangelt es in der Bundesliga an Unterstützung für das Nationalteam?

Wenn die Liga vernünftig existieren und nicht nur von Mäzenatentum leben will, braucht sie die Nationalmannschaft, so wie wir die Liga brauchen. Ein Großteil der Verantwortlichen in der Liga hat das inzwischen erkannt. Aber auch ein Spieler muss wissen, dass er die Nationalmannschaft braucht. Ein Spieler kann viel Geld in seinem Verein verdienen, wenn er international erfolgreich ist. Dadurch bekommt er einen guten Vertrag. Und ein Verein muss sagen: Du fährst zur Nationalmannschaft. Wenn du bei uns spielen kannst, kannst du auch dort spielen. Man muss auch mal die kurzfristige Denkweise ausschalten können. Sonst kommen wir nicht weiter.

Hat Heuberger ein Team nach Ihrem Geschmack zusammengestellt?

Ja, das deckt sich mit meinen Vorstellungen. Es sind ja keine Alternativen da. Nur die Personalie Michael Kraus ist ein bisschen diskutiert worden. Eine Nominierung wäre allerdings nicht gerechtfertigt gewesen, weil er beim HSV Hamburg teilweise nur Minuteneinsätze gehabt hatte. Das habe ich ihm auch in einem Gespräch gesagt. Kraus müsste eigentlich einer der besten Nationalspieler sein. Aber er hat sein Talent verschludert. Ich hoffe, dass er noch mal die Kurve kriegt.

Verfügt Heuberger über ein Team mit Perspektive?

Das ist sicherlich eine Mannschaft für die Zukunft. Wobei diejenigen, die neu dabei sind, nicht für alle Ewigkeit ihren Platz sicher haben. Ich hoffe schon, dass bei uns weiter Bewegung drin bleibt.

Ist es alarmierend für den deutschen Handball, dass selbst ein junger Tunesier wie Wael Jallouz körperlich besser ausgebildet zu sein scheint als deutsche Spieler im vergleichbaren Alter?

Jallouz hat, vielleicht genetisch bedingt, einen Vorteil: Das ist seine Sprungkraft. Gesamtathletisch ist er nicht besser als unsere Spieler. Wir haben in dem Bereich enorm aufgeholt mit intensivem Krafttraining in der Jugend.

Bob Hanning, umtriebiger Manager der Füchse Berlin und womöglich bald Vizepräsident für Leistungssport im DHB, spricht bereits von einem denkbaren deutschen Olympiasieg im Jahr 2020. Ist das realistisch?

Das kann immer realistisch sein. Vielleicht ist das sogar 2016 möglich. Man muss sich hohe, erreichbare Ziele setzen, aber genaue Plazierungen sind angesichts der hohen Leistungsdichte im Welthandball nicht prognostizierbar.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Hanning?

Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Auch wenn ich mich gegen seine Verhaltensweise ausgesprochen habe, dass er sein Interesse an einem Posten im DHB am Auftakttag der Weltmeisterschaft bekanntgegeben hat. Ein solches Procedere heiße ich nicht gut.

Es würde also, sollten Sie gemeinsam zur Führung des DHB gehören, keine Reibungen zwischen Ihnen geben?

Nein. Aber was mit mir künftig ist, lasse ich mal ganz offen. Ich habe beim DHB weitergemacht, weil viele Leute wollten, dass ich dem Verband erhalten bleibe. Aber man muss erst mal sehen, wie die Ämter und Kompetenzen nach dem DHB-Bundestag im September verteilt sind.

Das klingt nach einem möglichen vorzeitigen Abschied.

Ich will jetzt nicht drohen. Mein Herz hängt am Handball. Ich möchte im Handball weiterhin etwas bewegen. Aber Personen müssen auch zu den Positionen passen.

Kann man sagen, dass Sie Ihren Vertrag nicht unter allen Umständen erfüllen würden?

Sicherlich nicht unter allen Umständen. Das ist schon richtig. Es muss schon alles passen.

Strombach sähe Sie gerne sogar als neuen DHB-Präsidenten. Aber angeblich haben Sie ihm einen Korb gegeben.

Ich habe ihm keinen Korb gegeben. Aber nachdem ich mal an einer Sitzung des erweiterten Präsidiums teilgenommen habe, kann ich mir nicht vorstellen, Präsident zu werden, weil man dabei Rechenschaft über Dinge ablegen muss, die nur wenige der Beteiligten verstehen. Ich würde mich in meiner Verfahrensweise eingeschränkt fühlen. Es muss Kontrollorgane geben, aber die fachliche Entscheidungsgewalt möchte ich mir schon bewahren.

Fühlen Sie sich der Praxis immer noch näher als einer Repräsentantenfunktion?

Ich bin so selbstbewusst, zu sagen, dass ich mit meinem Bekanntheitsgrad eine Repräsentantenrolle einnehmen könnte. Es würde für den Handball vielleicht auch nicht schlecht sein, wenn ich an der Spitze stehen würde. Ich möchte aber gestalten - und nicht nur der Grüß-Onkel sein.

Die Fragen stellte Rainer Seele.

Quelle: F.A.S.
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