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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Handball THW Kiel gewinnt die Champions League

 ·  Dank eines überragenden Torhüters Thierry Omeyer und mit einer spektakulären Aufholjagd in der zweiten Hälfte hat der THW Kiel die Champions League im europäischen Vereinshandball gewonnen. Im Finale besiegte der deutsche Meister den FC Barcelona 36:34 (17:20).

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Und wieder war die Kölner Arena ein Tollhaus, wie schon 2007, als Deutschland in dieser Halle Handball-Weltmeister wurde. Diesmal sahen fast 19.400 Zuschauer einen aufopferungsvollen Kampf des THW Kiel, an dessen Ende ein glorreicher Sieg für die Norddeutschen stand - und damit ihr zweiter Triumph in der Champions League. Die Kieler bestanden mit Bravour ein „spanisches Wochenende“, sie besiegten am Samstag in der Champions-League-Endrunde erst Titelverteidiger Ciudad Real 29:27 und schlugen dann am Sonntag im Finale den FC Barcelona mit letzter Kraft 36:34.

So erklommen sie wie zuvor schon 2007 den Gipfel des europäischen Handballs, und sie setzten eindrucksvoll die jüngste Erfolgsserie deutscher Handballklubs in den europäischen Wettbewerben fort. Der VfL Gummersbach hatte ja den Europapokal der Pokalsieger geholt, der TBV Lemgo den EHF-Pokal. Das Geschehen in Köln war jedoch eindeutig die Krönung, auch wegen des außerordentlichen Einsatzes der Kieler, die eigentlich fast schon hoffnungslos in Rückstand gelegen hatten.

So führten die Katalanen beispielsweise 25:19, und da schien auch für den Kieler Trainer Alfred Gislason die Lage bereits aussichtslos zu sein. „Wir sahen wie der klare Verlierer aus“, sagte der Isländer später. Dann mobilisierten die Kieler doch alle Reserven - und nach 52 Minuten hatten sie mit 30:29 erstmals einen Vorsprung in diesem packenden Duell. Das war tatsächlich die Wende, von diesem Zeitpunkt an ließ der THW seinen Gegner nicht mehr an sich vorbeiziehen.

Da geriet auch der neue Kieler Geschäftsführer Uli Derad ins Schwärmen. Er pries die Energie und den Willen des Teams und sagte, dass man absolut den Hut ziehen müsse vor dieser Leistung. Die Kieler hatten ihre tragenden Säulen in dem französischen Torwart Thierry Omeyer, der sich vor allem im zweiten Teil dieses Handballabends als ein Meister seines Fachs erwies - und sich noch nach dem Abpfiff einiger aufgeregter Spanier erwehren musste. Im Angriff trumpfte der Tscheche Filip Jicha mit elf Toren auf. Wie die Kieler, die überdies vor dem Gewinn ihrer nächsten deutschen Meisterschaft stehen, sich am Sonntag doch noch gegen die Katalanen behaupten konnten, war dem wuchtigen Rückraumspieler angeblich ein Rätsel. „Keine Ahnung“, sagte Jicha, „ich weiß nicht, wie wir das geschafft haben. Es war unglaublich“

„Die Stimmung hat die Spieler getragen“

Gislason betonte, dass das Publikum auf alle Fälle seinen Anteil daran gehabt habe - „die Stimmung hat die Spieler getragen“. Der Isländer, der einst für Knattspyrnufelag Reykjavik gespielt hatte, war als Handball-Lehrer schon 2002 in der Champions League obenauf gewesen, damals mit dem SC Magdeburg. Über Knattspyrnufelag also in die Welt - das kann man getrost als einen besonderen Karrieresprung betrachten.

Gislason, 50 Jahre alt, war 2008 nach Kiel gekommen, er beerbte dort eine Institution, nämlich Zvonimir Serdarusic. Das allein war schon eine schwere Bürde, Gislason musste zusätzlich aber den Turbulenzen um die Manipulationsaffäre standhalten. Es ging um vermeintliche Bestechung von Schiedsrichtern, um das Gebaren des damaligen Kieler Managers Uwe Schwenker, dem möglicherweise demnächst der Prozess gemacht wird. Gislason beschäftigte sich kaum mit den Vorwürfen, und er versuchte, Unruhe von seinem Team fernzuhalten.

Gislasons Verdienst

Offensichtlich bewies der Isländer dabei eine gute Hand: Die Kieler wurden 2009 Meister und Pokalsieger. Der THW schätzt die Arbeit von Gislason so sehr, dass er unlängst den Vertrag mit ihm vorzeitig bis 2014 verlängerte. Dabei würdigten die Norddeutschen auch, dass Gislason sein Team ohne große Reibung umzubauen verstand. „Er hat den Umbruch sensationell gut bewältigt“, sagt Derad. Der THW hatte seinen französischen Star Nikola Karabatic ziehen lassen müssen, der schwedische Kapitän Stefan Lövgren beendete seine Laufbahn. Gislason legt zwar - wie Serdarusic - großen Wert auf Disziplin, er gilt jedoch als kommunikativer als sein Vorgänger.

Er höre sich auch Meinungen von Spielern an, heißt es in Kiel über den Mann, den der THW für eine Ablösesumme von angeblich 700.000 Euro vom VfL Gummersbach geholt hatte. Gislason selbst bezeichnet sich als optimistisch, als kämpferisch, und dazu, sagt er, verfüge er über schwarzen Humor. Mit welcher Leidenschaft der Hobby-Angler und Historiker sich dem Handball zuwendet, illustriert eine Äußerung Gislasons vor kurzem gegenüber der „Handballwoche“. Er gerierte sich dabei als ein sehr geschickter Verkäufer des Produkts Handball: „Stell dir ein Spitzenspiel beim Fußball vor, multipliziere den Faktor von Aktion, Schnelligkeit, Spannung, Taktik mit fünf, und schon kommst du auf ein Spitzenspiel im Handball. Es gibt keinen besseren Sport.“ Am Sonntag in Köln dürfte Gislason sich bestätigt gefühlt haben.

FC Barcelona - THW Kiel 34:36 (17:20)
Tore FC Barcelona: Garcia 13/10, Nøddesbo 6, Rutenka 4, Tomas 4, Romero 2, Garabaya 1, Sarmiento 1, Nagy 1, Hansen 1, Igropulo 1
THW Kiel: Jicha 11/2, Zeitz 6, Klein 5, Narcisse 4, Lundström 3, Sprenger 2, Anic 2, Lund 1, Ahlm 1, Ilic 1/1
Schiedsrichter: Olesen/Pedersen (Dänemark)
Zuschauer: 19.374
Strafminuten: 6 / 6

Quelle: FAZ.NET mit dpa
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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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