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Handball Schweigen, Ehrenkodex, Aufklärung

11.03.2009 ·  Vorläufig herrscht Schweigen bei den deutschen Handball-Schiedsrichtern. Sie sollen sich in der Öffentlichkeit nicht zum Fall Kiel äußern und nicht zur möglichen Bestechlichkeit von Kollegen im Europapokal. Hilfe wird dem Handball indes von außen angeboten.

Von Rainer Seele
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Vorläufig herrscht Schweigen, zum Beispiel bei den deutschen Handball-Schiedsrichtern. Sie sollen sich in der Öffentlichkeit nicht zum Fall Kiel äußern und nicht zur möglichen Bestechlichkeit von Kollegen im Europapokal. So hat es der Deutsche Handballbund (DHB) verfügt. Weil er angeblich nicht möchte, dass sich die Referees zu unbedachten Äußerungen hinreißen lassen; sie seien, heißt es, den Umgang mit den Medien ja nicht gewöhnt.

Dafür redet Peter Rauchfuß, der Schiedsrichterwart des DHB. Er sagt, dass es tragisch sei, dass nun alle Schiedsrichter in einen Topf geworfen würden. „Wir“, betont der Chemnitzer, „haben uns nichts vorzuwerfen.“ Zumal die deutschen Unparteiischen eine Ehrenerklärung unterzeichnen müssten, die vor fünf Jahren verfasst wurde. Ihnen wird damit ein generelles Wettverbot auferlegt, und weiter ist bestimmt worden, dass die Bundesliga-Vereine kein Recht hätten, sie vor einem Spiel zu kontaktieren. Rauchfuß hält dieses System für ausreichend, „ich sehe überhaupt keine Probleme“.

Rauchfuß ist gegen Profi-Schiedsrichter

Trotzdem hält er Verbesserungen für sinnvoll, sie beziehen sich auf internationale Bestimmungen, auf einheitliche Regularien in Europa. Rauchfuß sagt, dass man sich grundsätzlich mehr um die Schiedsrichter kümmern müsste. Dabei geht es auch um eine psychologische Betreuung, um die Auseinandersetzung mit möglichen unmoralischen Angeboten. Man dürfe, sagt Rauchfuß, die Zunft nicht alleine lassen in einem Metier, das längst zu einem Millionengeschäft geworden ist.

Und man müsste – für Rauchfuß ist das überhaupt keine Frage – die Hüter über die Regeln in der Champions League besser als bisher entlohnen. 400 Euro Spesen pro Einsatz seien angesichts der wirtschaftlichen Entwicklung im Handball Peanuts, „das ist nicht mehr zeitgemäß“. Für die Einführung des Profi-Schiedsrichters im Handball plädiert der Chemnitzer allerdings nicht. „Wir haben alle sehr gute Jobs“, sagt er über die deutsche Branche, just in der heutigen Zeit würde keiner wegen des Sports seinen Beruf aufgeben.

Stenzel: „Schiedsrichter können jede Mannschaft umbringen“

So wird in diesen Tagen, da ein schwerer Manipulationsverdacht den Handball überschattet, auch viel über die Männer diskutiert, die die Spiele leiten, oft unter großem Druck und immer auch mit großem Ermessensspielraum. Die Richtlinien müssten klarer definiert werden, darauf wird derzeit häufig hingewiesen. Seit langem ist dies auch von dem früheren Bundestrainer Vlado Stenzel zu hören, der ein wenig exzentrisch ist und zu drastischen Formulierungen neigt (siehe: Weltmeistertrainer Vlado Stenzel: „Dem Schiedsrichter die Macht übers Spiel nehmen“). Gerade sagte Stenzel, dass die Schiedsrichter im Handball wegen ihrer ausgeprägten Machtbefugnisse eigentlich „einen Waffenschein“ bräuchten: „Die können jede Mannschaft umbringen.“

Die aktuelle Debatte im Handball hat somit viele Facetten, und dazu gehört auch die Frage, wer für Aufklärung sorgen, wer den Anschuldigungen gegen den deutschen Handballmeister THW Kiel auf den Grund gehen kann. Die Staatsanwaltschaft Kiel, die aus eigenem Antrieb Ermittlungen aufgenommen hat, ist offensichtlich mit Eifer bei der Sache. „Es ist natürlich ein sensibles Verfahren, weil es einen hohen gesellschaftlichen Stellenwert hat“, sagt Oberstaatsanwalt Uwe Wick.

Matheis: „Ich muss mich von nichts distanzieren“

Am Freitag soll in Hamburg Dieter Matheis befragt werden, der Beiratsvorsitzende der Rhein-Neckar-Löwen, der Mann also, der den Fall ins Rollen brachte. Was im Zusammenhang mit seinem Namen zuletzt erwähnt wurde, wird er den Beamten bestätigen: „Ich muss mich von nichts distanzieren.“

Was die Kieler Behörde zusammenträgt, soll bei der Europäischen Handball-Föderation (EHF) der Slowake Jozef Ambrus als „Initiator of Proceedings“ sichten und bewerten. Das ist eine pikante Sache, da Ambrus früher selbst Schiedsrichter auf internationalem Parkett war. Auf die Frage, ob das seinem momentanen Auftrag tatsächlich zuträglich sei, reagiert die EHF ausweichend. „Es ist nicht meine Aufgabe, das zu kommentieren“, sagt der Schweizer Markus Glaser, der bei der EHF für die Sparte Spieltechnik zuständig ist.

Hilfe von außen

Das allgemeine Verhalten auch der EHF in den Diskussionen um den THW Kiel rief nun übrigens die Antikorruptionsorganisation Transparency International Deutschland auf den Plan. Sie prangert Compliance-Defizite im Profisport an. Sie fordert, entsprechende Strukturen – also Verhaltensregeln – und Prozesse einzuführen und zu verbessern. Dazu gehöre auch ein professioneller Umgang mit Verdachtsfällen.

„Die Vorgänge beim THW Kiel zeigen erneut, dass der Sport hier den Entwicklungen in der Wirtschaft vielfach hinterherhinkt“, sagt Sylvia Schenk, die Vorsitzende von Transparency Deutschland (siehe: Interview mit Sylvia Schenk: „Wie groß muss der Leidensdruck werden, bevor Vereine reagieren?“). Der Handball steht einerseits in der Kritik, aber er erhält, wie es scheint, in turbulenten Tagen auch Hilfe von außen. Es wird sich weisen, ob er bereit ist, sie anzunehmen.

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Jahrgang 1957, Sportredakteur.

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