23.02.2011 · Nun geht es um die Existenz des DHC Rheinland: Wieder einmal droht der Handball-Bundesliga ein Abschied aus finanzieller Not. Die Geschäftsführung der HBL fordert mehr unternehmerische Kompetenz.
Von Rainer SeeleFabienne Rothe wird ihr Bestes geben, daran zweifelt in Dormagen niemand. Die Schülerin, die schon in der Sendung „Das Supertalent“ aufgetreten ist, soll am Samstag ihr musikalisches Talent einsetzen – zum wohl der Handballspieler des DHC Rheinland, die in großen Schwierigkeiten stecken. „Sie singt hervorragend“, sagt DHC-Sprecher Detlev Zenk über die junge Frau, und er weiß auch, dass zu ihrem Repertoire das Lied „you‘ll never walk alone“ gehört. Zenk findet das sehr passend für die „Rettungsparty“ in Dormagen, die dem Tabellenletzten der Handball-Bundesliga zusätzliche Einnahmen bescheren soll.
Tatsächlich steht er nicht alleine da, eine Spendenaktion von Fans brachte inzwischen schon etwa 12.000 Euro ein. Aber vermutlich wird auch das nicht reichen, um das Überleben in der Bundesliga zu sichern. Dem klammen Klub fehlen 200.000 Euro, um den Spielbetrieb bis zum Saisonende aufrechterhalten zu können. Das hatte vor wenigen Tagen der vorläufige Insolvenzverwalter mitgeteilt. Der DHC hatte Anfang Februar beim Amtsgericht Düsseldorf Insolvenzantrag gestellt.
Wieder mal also könnte ein Verein der Handball-Bundesliga Opfer finanzieller Turbulenzen werden – und der Ligaverband (HBL) betrachtet die Entwicklung angeblich mit großer Sorge. „Wir nehmen die Sache sehr ernst“, sagt HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann. Der DHC Rheinland ist ja auch kein Einzelfall: Die HSG Ahlen-Hamm befindet sich wegen ausstehender Sponsorengelder ebenfalls in einer beträchtlichen wirtschaftlichen Schieflage – angeblich beträgt das Minus mindestens 400.000 Euro. Zwar erklärten sich die Spieler bereit, bis zum Ende der Saison auf 20 Prozent ihrer Gehälter zu verzichten. Trotzdem geht auch bei der HSG die Angst vor der Zahlungsunfähigkeit um.
Defizite in der Bundesliga
Solche Probleme tauchen im Millionenspiel Handball immer wieder auf, vor allem bei Teams aus der Mittelschicht oder aus dem unteren Teil der Bundesliga. „Viele“, klagt der HBL-Funktionär Bohmann, „leben zu sehr von der Hand in den Mund.“ Während Mannschaften wie die Berliner Füchse offenbar mühelos um Stars wie den Spanier Iker Romero buhlen können, sind die Etats andernorts in der Regel knapp kalkuliert – kleine Störfälle können da bereits gravierende Folgen haben. Der DHC Rheinland geriet in die Bredouille, weil der vermeintliche Hauptgeldgeber gar keine Unterstützung gewähren konnte – man sei, heißt es, offensichtlich einem Hochstapler aufgesessen. Die HBL will, ehe sie in diesem Fall über einen möglichen Zwangsabstieg entscheidet, erst den genauen Wortlaut des Insolvenzantrags prüfen – der DHC richtet sich jedoch schon auf die zweite Liga ein.
Die HBL hat zwar inzwischen ein Neuverschuldungsverbot durchsetzen können, mit der Forderung nach einer „Liquiditätsreserve“ aber scheiterte sie. Bohmann hielte Rücklagen für dringend notwendig. Dass ein Erstligaklub wegen eines Defizits von 200.000 oder 300.000 Euro in die Knie gehe, „darf eigentlich nicht passieren“. Er appelliert nun daran, auf unternehmerische Zielsetzungen genauso viel Wert zu legen wie auf sportliche Pläne. Er sehe da, sagt Bohmann, bisweilen noch Defizite in der Bundesliga. Altmeister TV Großwallstadt kündigte dieser Tage immerhin an, seine Personalkosten deutlich reduzieren zu wollen, um nicht wie der DHC Rheinland in Existenznot zu geraten. Und schließlich lässt sich in der Krise auch nicht überall gleich auf Sangeskünste zurückgreifen.