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Handball-Nationalmannschaft Vor dem Aufbruch wird angeklagt

 ·  Die deutsche Handball-Nationalmannschaft hat vor der Weltmeisterschaft viele Baustellen. Unsicherheit macht sich bemerkbar - auch wegen vieler Ausfälle.

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© dpa Vergrößern Auftrag Perspektive: Handball-Bundestrainer Martin Heuberger

Kevin isoliert im deutschen Nationalteam? Das ist eindeutig belegbar, zumindest durch die nackten Zahlen. Hinter Kevin Schmidt aus Wetzlar steht nichts als die Null, wenigstens als Nationalspieler. Kein einziger Länderspiel-Einsatz bisher, keine Erfahrung auf der größeren Bühne des Handballs. Aber das soll sich jetzt ändern. Vermutlich schon an diesem Donnerstag in Växjö (19.15 Uhr), wo Deutschland auf Schweden trifft. Für die Mannschaft von Bundestrainer Martin Heuberger ist das der Start in das Jahr 2013 - und in die „heiße Phase“ der Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft in Spanien. Ende der kommenden Woche beginnt in Granollers der Ernstfall für die Deutschen. Und damit auch für einen Spieler wie Schmidt, der durch den Achillesehnenriss von Linksaußen Uwe Gensheimer in das deutsche Aufgebot gerutscht ist. Die Deutschen proben am kommenden Samstag noch einmal in Hamburg gegen Schweden und dazu am 9. Januar in Stuttgart gegen Rumänien. Tags darauf treten sie die Reise ins Ungewisse an. Als ein Team, das nach Jahren der Enttäuschungen um frisches Renommee kämpft.

So angekratzt ist inzwischen der Lack des deutschen Handball-Nationalteams, dass selbst die Vorrunde zu einer beträchtlichen Herausforderung wird. Mit Gegnern wie Brasilien, Tunesien, Argentinien, Montenegro sowie Olympiasieger und Titelverteidiger Frankreich. „Jeder weiß, dass eine riesige Aufgabe vor uns liegt“, sagt Kapitän Oliver Roggisch von den Rhein-Neckar Löwen. Früher hatte bei solchen Turnieren wie selbstverständlich das Halbfinale als Mindestziel gegolten, heute wird in diesem Zusammenhang vom Achtelfinale gesprochen, im besten Fall vom Viertelfinale. Und es ist von Unsicherheit die Rede: Die Deutschen wissen selbst nicht genau, was in ihnen steckt. „An guten Tagen können wir jede Mannschaft schlagen. Das ist keine Floskel. Dummerweise ist es aber auch so, dass wir an einem schlechten Tag gegen eine Gurkentruppe verlieren können. Das ist das Unbefriedigende. Unsere Gegner können sich nie sicher sein, was auf sie zukommt“, sagte der Berliner Torhüter Silvio Heinevetter kürzlich in einem „Spiegel“-Interview.

Kader mit Perspektive?

Heinevetter gehört zu den erfahreneren Kräften der Deutschen. Er bildet zusammen mit Carsten Lichtlein das Torhütergespann. Nur vier Weltmeister von 2007 stehen noch in Heubergers Team: Neben Roggisch und Lichtlein sind das Dominik Klein und Michael Haaß, der die Rolle als Spielgestalter übernehmen soll. Haaß ist zwar ein gestandener Bundesligaspieler, als überragender Mann der Mitte wird er allerdings nicht angesehen. Eigentlich, heißt es selbst beim Deutschen Handball-Bund (DHB), sei die letzte wirkliche Größe auf dieser Position Markus Baur gewesen - einer der Stars von 2007.

Heuberger, der Nachfolger von Heiner Brand, hatte nach dem Abrutschen des deutschen Handballs einen personellen Umbruch angekündigt. Und doch sind die Einschnitte jetzt größer als geplant ausgefallen. Wegen der schweren Verletzung von Gensheimer, aber auch wegen der WM-Absagen von Lars Kaufmann und Holger Glandorf. Zwar behauptet Heuberger: „Ich freue mich auf die sich daraus ergebenden Möglichkeiten. Wir stellen einen Kader mit Perspektive.“ Das ist auf Spieler wie Schmidt, Steffen Fäth, Stefan Kneer, Tobias Reichmann oder Steffen Weinhold gemünzt. Und doch schlägt vor allem der WM-Verzicht des Flensburgers Glandorf weiterhin Wellen. Zumal Glandorf nach überstandener Krankheit längst wieder für seinen Klub aktiv ist. „Glandorf hätte im gleichen Maße bei der WM eingesetzt werden können, wie es in Flensburg gehandhabt wird“, sagte DHB-Manager Brand. Und er betonte, dass Heuberger kompromissbereit gewesen wäre und Glandorf Ruhepausen zugestanden hätte, „in Training und Spiel“.

Generelle Kritik an Teilen der Liga

Für Brand war dieser Fall auch gleich wieder Anlass zu genereller Kritik an Teilen der Liga: „Einige geben immer noch nicht das zurück, was nötig wäre, da sind die Egoismen weiterhin erkennbar“, sagte Brand dem Internetportal „handball-world“. Viele Vereine seien zwar stolz, Nationalspieler abstellen zu können, „aber diese Haltung ist noch nicht flächendeckend“. So steckt der deutsche Handball, der dringend seine Zukunft gestalten muss, unmittelbar vor der WM wieder in einem Spannungsfeld: Er bewegt sich zwischen Aufbruch und Anklagen.

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