30.10.2008 · Ohne Henning Fritz, Florian Kehrmann und Christian Zeitz begann die deutsche Handball-Nationalmannschaft die Qualifikation zur Europameisterschaft. Trainer Heiner Brand, versucht ein junges Team zu formen und geht dabei radikaler vor als sein Kollege im Fußball.
Von Rainer SeeleHeiner Brand ist ein gefragter Referent, neulich beispielsweise trat er vor Apothekern in Hannover auf. Bei solchen Gelegenheiten erzählt der Handball-Bundestrainer, wie er seine Mannschaft leitet, wie er den größtmöglichen Erfolg anstrebt. In Hannover beschrieb der erfahrene Sportpädagoge sein Vorgehen unter anderem so: „Führungskräfte befehlen nicht, sondern begeistern.“
Damit allerdings tut sich offensichtlich auch Brand, Weltmeister als Spieler und als Coach, manchmal schwer. So hatte er zuletzt bei einigen seiner Gefolgsleute die nötige Hingabe vermisst, weswegen Brand nach den Olympischen Spielen in Peking, bei denen die Deutschen gleich in der Vorrunde scheiterten, ein Revirement vollzog.
Die Kritik von Zeitz nimmt Brand gelassen
Einiges ist seitdem anders im Team des Champions, Brand möchte einen Wandel vollziehen – radikaler als sein Fußball-Kollege Joachim Löw. Bei der ersten Aufgabe nach Peking machte sich das sportlich jedoch noch nicht bemerkbar, jedenfalls nicht negativ, dafür war der Gegner am Mittwochabend in Wetzlar zu schwach. So konnte Brand aus dem 42:11 gegen Bulgarien zum Start der Qualifikation für die Europameisterschaft 2010 auch noch keine Schlüsse ziehen.
Diesmal fehlten unter anderen der Torhüter Henning Fritz und Rechtsaußen Florian Kehrmann, auch der Kieler Christian Zeitz war nicht dabei. Zeitz will sich künftig ganz auf seinen Klub, den THW Kiel, konzentrieren; er war in der jüngeren Vergangenheit ohnehin häufig verletzt. Dass Zeitz, der als ein sehr unberechenbarer Handballer gilt, nun Kritik an Brand übte, ließ den Gummersbacher scheinbar gelassen – jedenfalls schlug er nicht wortstark zurück.
Nach Slowenien als Außenseiter
Brand sagte lediglich: „Es gibt eine klare Linie. Wir haben den Umbruch eingeleitet, den ziehen wir durch.“ Zeitz hatte sich über „mangelnden Schutz“ durch den Bundestrainer beschwert. „Ich werde seine Aussagen nicht mehr bewerten“, sagte Brand. „Das ist Vergangenheit.“ Er machte aber auch deutlich: „Es gilt nach wie vor das Leistungsprinzip. Generell ist die Tür für niemanden zu.“
Lieber als mit dem Fall Zeitz beschäftigte sich Brand mit den sportlichen Perspektiven seines Teams, das sich am Sonntag schon wieder beweisen muss. Es misst sich dann in Celje mit Slowenien. Die neuformierte deutsche Handball-Gemeinschaft betrachtet sich in diesem Duell als Außenseiter, und Brand hofft, „aufschlussreiche Erkenntnisse“ gewinnen zu können. „Es wird sehr interessant, wie sich das Team dort aus der Affäre ziehen wird. Da bin ich echt gespannt.“ Wie stark er die Slowenen einschätzt, verdeutlicht sein Hinweis: „Selbst mit der besten Mannschaft wären wir dort nicht Favorit.“
Sprenger und Müller können sich beweisen
In Celje wird sich auch zeigen, ob zum Beispiel der Magdeburger Rechtsaußen Christian Sprenger oder der Rückraumspieler Michael Müller vom TV Großwallstadt tatsächlich höheren Ansprüchen genügen. Gegen Bulgarien zumindest überzeugten die beiden. Dafür gab es auch ein Kompliment von Spielgestalter Michael Kraus, der nach dem Rücktritt von Markus Baur eine zentrale Rolle in Brands Auswahl einnimmt. Der Lemgoer sagte: „Es macht Spaß, die Neuen ziehen sehr gut mit. Da übernehme ich gerne etwas mehr Verantwortung.“ Und Brand könnte vielleicht demnächst wieder vor Unternehmern reden – als Fachmann für Umgestaltung.