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Handball-Nationalmannschaft „Das wäre ein Desaster für uns“

Oliver Roggisch, verletzter Kapitän der Handball-Nationalmannschaft, spricht über die prekäre Lage des Teams in der EM-Qualifikation. Was momentan fehle, sei der Killerinstinkt.

© dpa Vergrößern Zuschauer: Der verletzte Nationalspieler Oliver Roggisch sitzt auf der Bank

Nach der Niederlage in Tschechien am Donnerstag hilft Deutschland an diesem Sonntag in Halle nur ein Sieg, um sich für die EM 2014 in Dänemark zu qualifizieren. Wird die Mannschaft diesem Druck standhalten?

Es gibt so viele Situationen, die wir in ähnlicher Lage gemeistert haben. In der Qualifikation für die EM 2012 standen wir auch mit dem Rücken zur Wand und mussten Island besiegen. Das haben wir vor zwei Jahren deutlich geschafft, übrigens auch in Halle. Selbst als wir 2007 Weltmeister wurden, gab es ganz enge Spiele, die auf des Messers Schneide standen. So ist Handball auf diesem Niveau nun mal.

Ist allen Spielern klar, welche Ergebnisse her müssen?

In Tschechien kann man verlieren. Schon allein wegen Filip Jicha. Aber wir laufen die ganze Zeit der Niederlage gegen Montenegro im ersten Qualifikationsspiel hinterher. Da waren wir wirklich schlecht. Jetzt müssen wir die direkten Duelle gegen Tschechien und Montenegro gewinnen und Israel schlagen. Dann sind wir sicher dabei. Wenn wir bei der EM spielen, wird keiner mehr von der Qualifikation sprechen.

Eine Handball-Europameisterschaft ohne Deutschland - können Sie sich das vorstellen?

Das wäre ein Desaster für uns. Aber wir wollen gar nicht so weit denken. Wir können vor dem Rückspiel gegen Tschechien keine Negativgedanken gebrauchen.

Aber gerade das peinliche 27:31 gegen Montenegro bot Anlass, an der Leistungsstärke der Deutschen zu zweifeln. Dann kam die ordentliche WM, nun das 22:24 gegen Tschechien - können Sie verstehen, dass über das wahre Können der Mannschaft gerätselt wird?

In Deutschland wird alles schwarzgemalt. Die Erwartungshaltung ist hoch. So sind wir nun einmal. Ich sage den Jungs immer: ,Lest nicht alles, was in der Zeitung steht.‘ Als es vor der WM hieß, wir seien eine Deppentruppe, haben wir daraus viel Motivation gezogen und eine gute WM gespielt. Unsere Leistungen werden sehr kritisch beäugt, aber eben auch bejubelt, wenn es gut läuft. Dann reden plötzlich alle über Handball. Daran sehen wir, welch großes Potential der Handball in Deutschland hat.

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Im Zentrum der Kritik steht Bundestrainer Martin Heuberger - aktuell, weil er die erfahrenen Flensburger Holger Glandorf und Lars Kaufmann nicht nominiert hat, obwohl sie fit sind. Wie stehen Sie dazu?

Grundsätzlich finde ich, dass man dem Bundestrainer vertrauen sollte. Wir haben eine gute WM ohne die beiden gespielt, da hat sich ein Team herausgebildet. Nun war einfach zu wenig Zeit, sich mit den beiden einzuspielen. Beide kriegen wieder eine Chance. Das hat der Bundestrainer entschieden, und das sollte man akzeptieren.

Es gibt jede Menge deutsche Spieler, die nicht mehr für die Nationalmannschaft spielen. Einige, wie Johannes Bitter oder Christian Zeitz, könnten sicher weiterhelfen. Ist es nicht ein verheerendes Signal, wenn deutsche Profis einfach verzichten?

Da muss man jeden Fall einzeln betrachten. Alles über einen Kamm zu scheren, wäre falsch. Der eine wollte sich um die Familie kümmern, der andere hatte Probleme mit Heiner Brand, und so weiter. Wir wollen, dass man zu hundert Prozent dahinter steht, wenn man für Deutschland spielt. Wer das nicht tut, den brauchen wir nicht. Aber ich bin mir sicher, dass einige auch wieder zurückkehren werden.

Wie können Sie als derzeit verletzter Kapitän helfen?

Ich war in Brünn dabei und bin auch jetzt dabei. Ich habe mir das Tschechien-Spiel noch mal auf Video angesehen - abgesehen von den ersten Minuten nach der Halbzeit haben wir ordentlich gespielt, vor allem hinten. Jetzt bin ich dafür da, zuzuhören, die Stimmung hoch zu halten.

Was muss besser werden?

Die Chancenauswertung. Wir müssen wieder den Killerinstinkt haben, den wir in den guten Spielen bei der WM hatten. Dann ist mir nicht bange.

Die Fragen stellte Frank Heike.

Quelle: F.A.S.

 
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