Der Handball im Zwielicht, generell! Die Nachricht drang am Mittwoch aus Kiel an die Öffentlichkeit, wieder ging es dabei um die Manipulationsvorwürfe gegen die ehemalige sportliche Führung des THW Kiel. Ein weiterer Prozesstag, eine weitere Aussage - sie beinhaltete allerdings deutlich mehr Gehalt als etliche Stellungnahmen zuvor in diesem Fall.
Vielleicht lag das daran, das diesmal kein Handballfunktionär befragt wurde, kein Trainer, niemand, der mit der Szene sehr eng vernetzt wäre, der sein Auskommen allein mit diesem Sport bestreiten würde. Diesmal wurde der Rechtsanwalt Christian Wiegert befragt, der die Rhein-Neckar Löwen aus Mannheim vertritt. Deren Interessen zu wahren, ist natürlich sein oberstes Anliegen.
Und trotzdem nahm der Jurist sich die Freiheit, im Zeugenstand die Machenschaften im Handball, in dem auch die Löwen eine wichtige Rolle zu spielen versuchen, anzuprangern. Im Gegensatz zu Handball-Insidern, die gewiss über brisante Informationen verfügen, vor Gericht aber plötzlich gravierende Erinnerungslücken aufweisen, wohl um sich und ihr Produkt nicht weiter zu schädigen.
Es geht in dieser Angelegenheit um die mögliche Bestechung von Schiedsrichtern, und sie soll - das ist das Signal, das von diesem Mittwoch ausgeht - weit verbreitet sein. Jedenfalls nach den Erzählungen von Wiegert, die auf einem Gespräch mit dem früheren Kieler Coach Zvonimir Serdarusic beruhen.
„Unter der Hand“ einen Vorteil verschaffen
Wiegert will dabei den Eindruck gewonnen haben, dass es bei internationalen Spielen schlichtweg gang und gäbe sei, um die Gunst der Referees zu buhlen - auch mit unlauteren Methoden. Man muss dabei halt nur fix handeln, das war eine weitere Botschaft des Mittwochs, man muss gewieft sein wie bei einem Angriff auf dem Handballfeld.
Dem Gegner also einfach zuvorkommen, auch bei dem Bemühen, sich vor dem Anpfiff „unter der Hand“ einen Vorteil zu verschaffen. Wer zuerst zahlt, hat demnach schon so gut wie gewonnen. Es ist nach den Worten Wiegerts lediglich eine Frage des Geschicks, welche Mannschaft in dieser Sache schneller und besser handele.
„Uwe hat Spiele verschoben“
Erschreckend? Sicherlich. Und andererseits doch nicht verwunderlich nach all dem, was früher schon bekannt geworden ist in diesem Handball-Skandal, der sich um die Champions League dreht, aber vermutlich auch andere europäische Handball-Wettbewerbe betreffen dürfte.
Wiegert nannte viele Details, wie es heißt. Er attackierte damit den Handball allgemein, er belastete Serdarusic, aber auch den früheren Kieler Manager Uwe Schwenker. „Uwe hat Spiele verschoben.“ Das soll Serdarusic ihm im Jahr 2009 gesagt haben. Ein mutiger Mann? Man ist geneigt, das so zu sehen. Und darf doch keineswegs vergessen, für wen der Rechtsanwalt Wiegert am Mittwoch vor die Richter trat.